Werkzeug für Beruf und Leben

Die Leiterin der Jugendwerkstatt Burgdorf, Gunda Obst, überreicht Matthias Paul einen kleinen Blumentopf, den er zuvor selbst bepflanzt und verziert hatte.
 
Viele Gäste sind zu der Geburtstagsfeier der Jugendwerkstatt gekommen, unter ihnen auch Adolf W. Pilgrim (vorne von rechts), der Europaabgeordnete Bernd Lange und die Ratsvorsitzende Christel Weilert-Penk.

Die Burgdorfer Jugendwerkstatt feiert ihr 20-jähriges Bestehen / Seit ihrer Gründung setzt sie sich dafür ein, jungen Menschen eine Perspektive zu geben

BURGDORF (fh). Als die Leiterin der Jugendwerkstatt Gunda Obst ihm feierlich den kleinen Blumentopf überreicht, lächelt Matthias Paul amüsiert. Schließlich hat der stellvertretende Bürgermeister ihn kurz zuvor selbst bepflanzt und verziert. "Das ist eine trickreiche Idee. Hier bekommt man das geschenkt, was man selbst gemacht hat", sagt Paul und ergänzt: "Das spiegelt gut das Konzept der Jugendwerkstätten wieder. Die jungen Menschen profitieren davon, dass sie hier selbst aktiv werden."
Bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Jugendwerkstatt Burgdorf auf dem Gelände an der Straße Drei Eichen hatten Paul und die anderen Festredner eine Viertelstunde Zeit gehabt, um unter Anleitung eines Jugendlichen etwas zu basteln oder zu werkeln und so einen ganz praktischen Einblick in die Arbeit der Einrichtung zu bekommen. Der Europaabgeordnete Bernd Lange verzierte beispielsweise ein kleines Herz aus Holz mit dem Schriftzug "Love" und der Leiter des Burgdorfer Jobcenters, Björn Sund, gestaltete einen Stoffbeutel mit buntem Stempeldruck.
"Ich habe die Jugendwerkstätten immer als Mutmacher und Chancengeber erlebt und oft als Fels in der Brandung", sagte Sund mit Blick auf seine Erfahrung in der Beratung des Arbeitsamtes. Schließlich setzten sie sich dafür ein, jungen Menschen ohne Schulabschluss und ohne Ausbildungsplatz eine Perspektive zu geben. Dieses Ziel verfolgt die Jugendwerkstatt Burgdorf nun schon seit zwei Jahrzehnten mit großer Ausdauer.
Die Einrichtung, die sich in Trägerschaft des Diakonieverbandes Hannover-Land befindet, vermittelt beispielsweise grundlegende Fertigkeiten in drei unterschiedlichen Berufsfeldern: Maler und Lackierer, Garten- und Landschaftsbau sowie Dekoration und Gestaltung. Doch mindestens genauso wichtig wie das Fachwissen sei die Alltagskompetenz, die die Jugendlichen dabei erwerben: ob es um den Einzug in eine neue Wohnung, um sparsames und verantwortungsvolles Einkaufen oder das Reparieren des eigenen Fahrrads geht.
Dieser Gedanke steht auch hinter der neuen Lernküche, die anlässlich des 20. Geburtstags offiziell eröffnet wurde. Dort lernen die Teilnehmer nicht nur, gesund zu kochen, sondern essen auch zusammen und erleben ein soziales Miteinander. "Ein gemeinsames Mahl hat eine ungeheure integrative Kraft. Davon erzählt schon die Bibel. Und das wird auch hier in der Jugendwerkstatt praktiziert", lobte Superintendentin Preuschoff.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 hat sich die Jugendwerkstatt Burgdorf immer wieder neuen Herausforderungen gestellt und neue Projekte entwickelt. Sie musste in dieser Zeit aber auch mehrere Krisen überwinden. "Weil wir nur eine Projektförderung erhalten, mussten wir wiederholt um die weitere Finanzierung kämpfen. Zweimal stand sie auf der Kippe und auch jetzt aktuell haben wir keine Sicherheit, wie es weitergeht", beklagte die Leiterin Gunda Obst. Es sei oftmals ein mühsames Klinkenputzen bei der EU, Bund, Land, Region und Kommune gewesen. "Das darf künftig gern auch mal etwas leichter werden", wünschte sich Jörg Engmann, der Geschäftsführer des Diakonieverbandes Hannover-Land in seiner Ansprache.
Ein Lösungsvorschlag, für den sowohl Matthias Kreimeyer vom Diakonischen Werk in Niedersachsen als auch der Europaabgeordnete Bernd Lange in ihren Reden warben: Die Jugendwerkstätten sollten in den Haushalt des Landes Niedersachsen aufgenommen werden. "Es ist kaum nachvollziehbar, dass sie noch immer aus dem Europäischen Sozialfonds bezuschusst werden", kritisierte Lange. Denn diese Mittel seien eigentlich als Anschubfinanzierung für neue Projekte gedacht. "Die Jugendwerkstätten hingegen sind ein bewährtes Instrument und arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich. Sie können deshalb mit Fug und Recht eine gesicherte Zukunft fordern", betonte Lange.