Weniger Einzelhäuser, mehr Wohnungen

Nur noch am Rand des Baugebietes wollen Einfamilienhäuser entstehen. In der Mitte sind Reihenhäuser und vor allem Geschosswohnungen vorgesehen. (Foto: Stadt Burgdorf)

Die Stadt Burgdorf hat die Pläne für das Neubaugebiet nordwestlich der Weserstraße überarbeitet

Burgdorf (fh). Bei den Plänen für das Neubaugebiet zwischen Weserstraße und B188 hat die Stadt Burgdorf ihren Fokus deutlich verändert: Ursprünglich sollte dort in erster Linie eine Einfamilienhaussiedlung entstehen, ergänzt durch einige Mehrfamilienhäuser. Doch nachdem die Stadt das Konzept vor gut einem Jahr erstmals öffentlich vorgestellt hatte, hat sie es noch einmal grundlegend überarbeitet und stellt jetzt den Geschosswohnungsbau in den Mittelpunkt.
Das geht aus dem Vorentwurf für den Bebauungsplan hervor, den die Stadt kürzlich in den politischen Gremien vorgestellt hat. Der Verwaltungsausschuss hat Anfang Oktober grünes Licht gegeben, sodass das Dokument nun öffentlich ausgelegt werden kann. Der Bebauungsplan soll nach dem Willen der Stadt vor der Sommerpause 2021 beschlossen werden.
Schon beim Blick auf die neue Planungsskizze fallen große Unterschiede zur ursprünglichen Version auf: Statt 28 soll es nur noch elf Einfamilienhäuser geben. Dafür sind nun auch Reihenhäuser und zusätzliche Mehrfamilienhäuser vorgesehen. „So können wir die Zahl der Wohneinheiten auf 250 nahezu verdoppeln“, erläutert Stadtplanerin Sabine Nagel. Ziel sei es, das komplette Preissegment von kleinen, günstigen Wohnungen bis hin zu teureren Einfamilienhäusern anzubieten. „Dabei haben wir insbesondere Familien mit mittleren Einkommen im Blick“, versicherte sie.
Da in Burgdorf zusätzlicher Wohnraum dringend benötigt werde, sei dieses Konzept vorzuziehen. Linken-Ratsherr Michael Fleischmann mahnte im Bauausschuss an, dabei auch 25 Prozent Sozialwohnungen einzuplanen. Doch der Verwaltung zufolge ist es dafür noch zu früh. „Diese Festsetzung können wir nicht im Bebauungsplan treffen“, so die Leiterin der Stadtplanungsabteilung Insa Borchers.
Sie ging indes ausführlich auf die Belange des Klimaschutzes ein. Auch diesbezüglich bringe das neue Konzept Vorteile. Denn je dichter und kompakter die Bebauung, desto geringer sei der Flächenverbrauch je Wohneinheit. Außerdem sinke damit der Bedarf an Heizwärme. In freistehenden Einfamilienhäuser müsse dafür besonders viel Energie aufgewendet werden. Auch deshalb sei es sinnvoll, ihren Anteil zu reduzieren.
Die dichte Bebauung habe allerdings im wahrsten Sinne des Wortes auch ihre Schattenseite: Die Gebäude nehmen sich nämlich gegenseitig Sonnenlicht. Der Passivhausstandard könne in dem Baugebiet deshalb nicht erreicht werden. Zumal wegen der schräg verlaufenden Gasleitung in der Fläche nicht alle Gebäude nach Süden ausgerichtet werden könnten. Zumindest auf den meisten Dachflächen könnten aber Photovoltaikanlagen angebracht werden.
Außerdem hat die Stadt beim Ingenieurnetzwerk Energie eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und prüfen lassen, ob an dem Standort eine Nähwärmeversorgung möglich ist und welche Energieträger dafür infrage kommen. Die Studie wird von der Region Hannover finanziell gefördert. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht eignen sich den Experten zufolge am ehesten eine zentrale Versorgung über zwei mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerke oder eine dezentrale Versorgung durch Erdwärmesonden. Die Stadt prüft derzeit die Umsetzung und will für die nächste Sitzung des Bauausschusses einen Beschlussvorschlag dazu erarbeiten.
Im Sinne von Umweltschutz und Artenvielfalt will die Stadt in dem Neubaugebiet außerdem Schottergärten verbieten. „Solche Vorgaben sind aber nur sinnvoll, wenn wir sie auch kontrollieren“, stellte Borchers klar. Und das sei mit einem erheblichen Personalaufwand verbunden. „Deshalb muss die Politik entscheiden, ob sie das will“, sagt sie.