Weiterbildung für Tageseltern

Die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Anschlussqualifizierung freuen sich zusammen mit ihren Kursleiterinnen über den erfolgreichen Abschluss.
 
Wegen der Corona-Epidemie werden die Zertifikate und Rosen kontaktlos übergeben: Ann Christin Grote freut sich über die abgeschlossene Anschlussqualifizierung.

Stadt passt Qualifizierung an neue Standards an / Teilnehmer erhalten Zertifikate

Burgdorf (fh). Bereits seit neun Jahren arbeitet Ann-Christin Grote als Tagesmutter und nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil. In den zurückliegenden elf Monaten hat sich die 32-Jährige nun aber noch einmal besonders intensiv mit den Herausforderungen ihres Berufs auseinandergesetzt: Zusammen mit elf Kolleginnen und zwei Kollegen hat sie sich theoretische Grundlagen und neue wissenschaftlichen Erkenntnisse angeeignet, vor allem aber auch die eigene Arbeit und persönliche Erfahrungen reflektiert.
Anknüpfend an den ersten Teil ihrer Grundausbildung haben die 14 Teilnehmer jetzt ihre Anschlussqualifizierung nach dem neuen Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB) durchlaufen und Anfang Oktober die entsprechenden Zertifikate erhalten. Hinter ihnen liegen 140 Präsenzstunden sowie 140 Stunden im Selbststudium - und das alles berufsbegleitend. "Der Unterricht fand jeweils am ersten Wochenende im Monat Freitagnachmittag und Samstag statt", erläutert Grote. Das sei zwar anstrengend gewesen, aber trotzdem habe sie es nie als lästige Pflicht empfunden. "Ich habe mich selbst lange nicht mehr so wissbegierig erlebt. Und ganz egal, wie kaputt wir von unserer Woche waren, wir haben uns immer auf die gemeinsamen Seminartage gefreut", sagt sie. Das liege auch daran, dass kein Standardlehrplan abgespult worden sei, sondern die Inhalte individuell auf die Teilnehmer zugeschnitten gewesen seien.
Es ging unter anderem um unterschiedliche Erziehungsstile, die kindliche Entwicklung, Kompetenzerhebungen und den Dialog mit den Eltern. "Das war sehr intensiv und emotional. Wir haben über viele ernste Themen gesprochen, die uns nahe gehen", sagt Grote und ergänzt: "Zum Glück waren wir eine tolle Gruppe und konnten uns gegenseitig vertrauen." Auch bei der Abschlussprüfung sei nicht etwa auswendig gelerntes Wissen abgefragt worden, sondern die Teilnehmer mussten jeweils zu zweit im Rollenspiel eine Konfliktsituation aus dem Arbeitsalltag darstellen, analysieren und lösen.
Das Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB) ist 2015 erschienen. Seitdem arbeiten Bund, Länder und Kommunen daran, die Ausbildung für Tagesmütter und -väter auszubauen und deutschlandweit zu vereinheitlichen. Die Stadt Burgdorf hat jetzt zum ersten Mal die sogenannte Anschlussqualifizierung angeboten, die in der neuen Richtlinie vorgesehen ist. Insgesamt arbeiten gegenwärtig 28 Tagesmütter und -väter in Burgdorf - im ersten Schritt hat nun die Hälfte von ihnen an dem Aufbaukursus teilgenommen und Anfang Oktober ein entsprechendes Zertifikat erhalten. Für die übrigen soll es demnächst einen zweiten Durchgang geben.
Bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen können, müssen Kindertagespflegepersonen zunächst eine mehrmonatige Grundqualifizierung absolvieren. Um genug Teilnehmer zu rekrutieren, bietet die Stadt Burgdorf diesen Kursus in der Regel in Kooperation mit dem Landkreis Celle an. "Für uns alleine würde sich das nicht lohnen", erläutert Thomas Peest, Leiter der städtischen Jugendverwaltung. Das ist beim Aufbaukurses anders: Da ihn alle Burgdorfer Kindertagespflegepersonen absolvieren müssen, bietet die Stadt ihn in Eigenregie vor Ort an. "So war es einfacher, das mit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen", sagt Grote, die selbst Mutter von zwei Kindern im Alter von sieben und 16 Jahren ist.