Weißes Salz und schwarzes Öl

Bohrturm in Dachtmissen um das Jahr 1930. (Foto: r)
 
In den Jahren 1907 bis 1908 wird die sogenannte "Kasparbahn" zwischen Burgdorf und Hänigsen gebaut. (Foto: r)

Neue Ausstellung im Stadtmuseum beleuchtet die Geschichte des Kaliabbaus und der Erdölgewinnung zwischen Burgdorf, Hänigsen und Wathlingen

BURGDORF (r/fh). Die neue Ausstellung „Glück auf, der Steiger kommt" erzählt vom Leben der Bergleute und Ölarbeiter aus Burgdorf, Hänigsen und Umgebung. Sie ist vom 16. März bis zum 10. Juni im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, zu sehen. Die kulturgeschichtliche Schau erinnert mit vielen Exponaten und Infotafeln an die mehr als hundertjährige Geschichte des Kaliabbaus und der Erdölförderung im Raum zwischen Burgdorf, Hänigsen und Wathlingen.
Der stellvertretende Bürgermeister Matthias Paul eröffnet sie am Samstag, 16. März, ab 14 Uhr. Die inhaltliche Einführung übernehmen der promovierte Geophysiker Thomas Degro, der sich ehrenamtlich für das Teerkuhlenmuseum in Hänigsen engagiert, und Horst Regenthal vom VVV-Arbeitskreis Stadtmuseum. Beide waren maßgeblich an der Konzeption der Ausstellung sowie an der Suche und Auswahl der Exponate beteiligt. Der Spielmannszug Riedel und der Lehrter Männerchor sorgen bei der Eröffnung für die musikalische Umrahmung.

Förderwagen, Fotos und Infotafeln

Mit vielen Exponaten soll die Arbeit und das Leben der Bergleute in der Region anschaulich gemacht werden. So sind im Stadtmuseum unter anderem ein originaler Förderwagen, ein Schienenfahrrad aus den fünfziger Jahren, typische Arbeitsgeräte, ein Pferdewagen, Arbeitskleidung und alte Bergmannstrachten zu sehen. Ergänzt werden diese Ausstellungsstücke durch Fotos, Zeitzeugenberichte und Infotafeln.
Die Exponate stammen von privaten Leihgebern, vom Niedersächsischen Museum für Kali- und Salzbergbau, vom Bergmannsverein Hänigsen und dem Heimatverein Nienhagen. Der Ortschronist von Hänigsen Ralf Bierod hat viele Textbeiträge beigesteuert.

Explosion mit 86 Toten

Die Ausstellung beleuchtet auch ein düsteres Kapitel des Hänigser Bergwerks: Während des Zweiten Weltkriegs wurde es zwischenzeitlich stillgelegt und von der Wehrmacht als Munitionslager genutzt. Als es 1946 geräumt wurde, kam es zu einer schweren Explosion, bei der 86 Männer starben.
In der Nachkriegszeit wurde die Kaliförderung ab 1949 dann noch einmal aufgenommen. Erst am 28. Juni 1996 wurden die Bergwerke "Riedel" in Hänigsen und "Niedersachsen" in Wathlingen endgültig stillgelegt.

Bis zu 15 Unternehmen fördern Erdöl

Die Ausstellung widmet sich aber nicht nur dem Bergbau, sondern auch der Erdölgewinnung in der Region. Modelle von Bohrtürmen und Arbeitswerkzeuge geben Einblicke in die technischen Abläufe. Außerdem werden auf Infotafeln die geologischen Zusammenhänge zwischen dem Vorkommen von Kalisalz und Erdöl erläutert. Die Ausstellung beleuchtet aber auch das soziale Umfeld und die Arbeitsbedingungen der Ölarbeiter.
Knapp 50 Jahre nach der ersten Bohrung 1860/61 auf dem Kuhlenberg konnte nach zahlreichen Fehlversuchen 1907 mit der dritten Bohrung im benachbarten Dannhorst in 127 m Tiefe der erste größere Ölfund lokalisiert werden. Weitere Felder fanden die Ölsucher in Richtung Norden, um schließlich 1928 Nienhagen zu erreichen. Erst 1940 kam es zur Erschließung des Südfelds in Hänigsen, welches um 1960 den Höhepunkt seiner Ölproduktion erreichte.
Zwischenzeitlich förderten in dem Gebiet bis zu 15 Gesellschaften Öl. Im Jahr 2016 war nur noch EMPG übrig geblieben und fördete aus den vier verbliebenen Löchern Öl.


„Kasparbahn“ für die Arbeiter

Die Ausstellung richtet den Fokus zudem auf die Grubenanschlussbahn, die die Kalisalze und Erdölladungen von 1908 bis 1961 an ihre Bestimmungsorte brachte. Sie verlief vom Kaliwerk Riedel in Hänigsen über Weferlingsen und Sorgensen zum Kleinbahnhof in Burgdorf und erhielt im Volksmund den Namen „Kasparbahn“. Auch viele Werksangehörige aus Burgdorf nutzten die Bahnverbindung bis zur Einstellung des öffentlichen Personenverkehrs am 30. Juni 1949.
Schon 1906 entstand eine Grubenanschlussbahn vom Staatsbahnhof Ehlershausen zum Kaliwerk „Niedersachsen“ in Wathlingen, die 1950 eine 2,8 km lange Verbindungsstrecke zur „Kasparbahn“ erhielt. Über diese Strecke verlief der Transport ab 1961. Für die Öltransporte stand eine neue zum Hafen in Misburg führende Pipeline zur Verfügung.