Weiße Pracht im Stadtpark

Winterliche Stimmung am Rathaus II. (Foto: privat)
 
Am Schwanenteich im Stadtpark ist die Grenze zwischen Land und zugefrorener Wasserfläche unter der Schneedecke kaum noch zu erkennen. (Foto: privat)

Räumdienst seit dem vergangenen Sonntag im Dauereinsatz / Einschränkungen bei Bus und Bahn

Burgdorf (fh). Wenn schon der Skiurlaub in diesem Jahr ausfallen muss – so haben die Burgdorfer am vergangenen Wochenende immerhin eine ordentliche Ladung Schnee frei Haus geliefert bekommen. Der Stadtpark ist seitdem in Weiß gehüllt und lädt zu Winterspaziergängen bei klirrender Kälte ein.
Auch die Straßen verschwanden am Sonntag unter einer dicken Schneeschicht und die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs konnten sie gar nicht so schnell frei räumen, wie der nächste Windstoß sie schon wieder zuwehte. Das befürchtete Chaos blieb aber aus. „Die Lage ist absolut ruhig. Es ist nichts los“, fasst Ortsbrandmeister Florian Bethmann die zurückliegenden Tage zusammen. Sondereinsätze wegen der Wetterlage seien ausgeblieben. Und Martina Thöne von der Polizeiinspektion Burgdorf schildert: „Es hat den ein oder anderen Unfall gegeben, aber zu einer gravierenden Häufung hat das Winterwetter meines Wissens nicht geführt.“
Das bestätigt auch ein Blick in die Daten, die die Polizeidirektion Hannover zentral erfasst, wobei Sprecherin Jessika Niemetz betont, dass es sich dabei lediglich um eine erste Tendenz handele und eine umfassende statistische Auswertung erst nachträglich erfolgen könne. In Burg­dorf habe es demnach seit dem Wintereinbruch nicht mehr Unfälle gegeben als in der Woche zuvor. So entspannt war die Lage nicht überall. In ihrem gesamten Zuständigkeitsbereich hat die Polizeidirektion im Vergleich zur Vorwoche einen Anstieg der Verkehrsunfälle um 45 Prozent ausgemacht. Trotz der deutlichen Steigerung der Unfallzahlen, seien zum Glück nur wenige Menschen verletzt worden. Schwere Unfälle habe es nicht gegeben.
Allerdings seien in den Städten, ebenso wie auf dem Land und auf der Autobahn aufgrund der Witterung viele Autos liegengeblieben. Wenn die Fahrer ihren Wagen dann verließen, könne das schnell zu gefährlichen Situationen führen, falls nachkommende Autofahrer sie zu spät sehen. Das gleiche gelte auch für Personen, die ihr Auto am Straßenrand vom Schnee befreien sowie für Radfahrer und Fußgänger, die aufgrund von nicht geräumten Geh- und Radwegen auf die Fahrbahn ausweichen.
Der Unterricht in den Schulen fiel im Umland aufgrund der Wetterlage von Montag bis Mittwoch aus, So richtige Winterferien waren es aber nicht: Denn viele Schüler lernen zur Zeit wegen der Corona-Epidemie ohnehin nur oder teilweise zu Hause und das Home-Schooling konnte auch bei Schnee und Eis stattfinden. Den Präsenzunterricht sagte die Region nach eigenem Bekunden ab, weil sie befürchtete, dass die Schulen größere Lerngruppen hätten bilden müssen, wenn einzelne Lehrkräfte die Schule nicht erreichten. Außerdem sei der Schülertransport angesichts der Witterung nicht flächendeckend und fahrplanmäßig sichergestellt gewesen.
Im öffentlichen Nahverkehr hat der Wintereinbruch für erhebliche Einschränkungen gesorgt: Die S-Bahn-Linie 6 war bis Donnerstag nach wie vor eingestellt. Die S7 fuhr hingegen wieder weitgehend regulär, aber auch dort kam es zwischenzeitlich zu Ausfällen, beispielsweise am Donnerstagvormittag. Einige Fahrgäste wichen deshalb anscheinend auf Busse aus. „Auf der SprintH-Linie 900 zwischen Burgdorf und Hannover waren deutlich mehr Fahrgäste unterwegs als sonst“, sagt Regiobus-Sprecherin Isabel Jäger. Diese Direktverbindung war eine der ersten Buslinien gewesen, die am Dienstagvormittag wieder fuhr, wenn auch teils mit erheblichen Verzögerungen.
Denn vom Regelbetrieb war auch Regiobus in dieser Woche weit entfernt. „Bereits am vergangenen Sonntagmorgen hat es auf immer mehr Linien Verspätungen und Ausfälle gegeben“, so Jäger. Am Nachmittag gegen 15 Uhr sei der Betrieb dann regionsweit ganz eingestellt worden. Das Problem: Vielerorts seien die Busse aufgrund der Schneemassen gar nicht mehr von den Betriebshöfen gekommen. Und wenn doch, dann wurden ihnen nicht geräumte Straßen und Haltestellen zum Verhängnis. „In dieser Situation ging für uns die Sicherheit unserer Fahrer und Fahrgäste vor“, betont Jäger.
Daran änderte sich auch am Montag nichts. Erst ab Dienstag habe Regiobus den Betrieb wieder nach und nach aufnehmen können. „In Burgdorf und Umgebung sind soweit wieder alle Linien im Einsatz, aber der Fahrplan kann nach wie vor nicht eingehalten werden und einzelne Fahrten fallen immer noch aus“, resümierte Jäger am Donnerstagabend. Außerdem könnten keine Gelenkbusse eingesetzt werden, weil das bei dieser Witterungen in Kurven zu gefährlich sei.
Schließlich spricht sie der Stadtverwaltung noch ein Lob aus: „Von unseren Fahrern haben wir die Rückmeldung bekommen, dass Burgdorf zu den Kommunen gehört, in denen die Bus-Strecken vergleichsweise gut geräumt und befahrbar waren!“ Das war nur dank der emsigen Arbeit der Angestellen möglich. „Der Räumdienst läuft auf Hochtouren, die Mitarbeitenden des städtischen Bauhofs befinden sich zwischen vier Uhr morgens und 20 Uhr abends im Einsatz“, sagte Bürgermeister Armin Pollehn am Mittwoch und warb gleichzeitig um Verständnis: „Es melden sich Bürgerinnen und Bürger bei der Stadt, weil sie den Eindruck haben, dass in ihrer Straße kein Winterdienst erfolgt. Trotz des enormen Einsatzes der Einsatzkräfte ist es jedoch leider nicht möglich, alle Straßen kurzfristig zu räumen und zu streuen.“
Und auch wenn Straßen und Wege weitgehend frei sind, sei es damit noch nicht getan. Denn dann türmten sich die zusammengeschobenen Schneeberge beispielsweise auf den Randstreifen. Die Firma Degenhardt transportiert sie im Auftrag der Stadt mit Radladern und Lastwagen aus der City auf ein Gelände an der Steinwedeler Straße. Allein am Dienstag seien es etwa 480 Kubikmeter, also etwa 480.000 Liter Schnee gewesen. „Ich gehe davon aus, dass es am Ende insgesamt 900 Kubikmeter sein werden“, prognostiziert Walter Degenhard. Und dennoch dominiert auf den Burgdorfer Straßen noch immer die Farbe Weiß.