Was machen die Flüchtlinge jetzt?

Ursula (links) und Marlene Wieker vor der Stellwand, die die Interviewpartner zum Projekt zeigt.

Studenten der Uni Göttingen haben in Kooperation mit dem Burgdorfer Mehrgenerationenhaus 120 Interviews geführt

BURGDORF (dno). „Viele Menschen in Deutschland denken, wir würden nicht arbeiten und nur von Sozialleistungen leben“, erzählt Farid Mohamadi. Und Rawan Shahin ergänzt: „Dabei ist viel passiert, wir haben die Sprache gelernt und auch eine Ausbildung gemacht.“ Genau da setzt das Projekt „Vorbilder“ an, das die Region im Burgdorfer Mehrgenerationenhaus (BMGH) fördert.
In drei Projektphasen wird gemeinsam mit Studenten der Sozialwissenschaften der Uni Göttingen untersucht, was aus den Geflüchteten geworden ist, die vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen sind. „Wo stehen wir? Was machen die Geflüchteten heute? Wir wollen einen Einblick schaffen und ein Stück weit damit auch Aufklärungsarbeit leisten“, so Koordinatorin Ursula Wieker.
Die meisten Geflüchteten seien jetzt zwischen zwei und sieben Jahren in Deutschland beziehungsweise in Burgdorf. „Der Spracherwerb ist abgeschlossen, der Einstieg in Ausbildung oder Job ist erfolgt. Ein Austausch ist jetzt wichtig, dafür soll dieses Projekt ein Forum bieten“, erklärt Ursula Wieker. Und ihre Tochter Marlene ergänzt: „Eine wichtige und vor allem ausfüllende Tätigkeit.“ Engagiert und mit viel Leidenschaft hat sie sich in das Projekt gestürzt, „auch wenn sie keine andere Chance hatte“, schickt sie augenzwinkernd in Richtung ihrer Mutter Ursula.
Doch Leidenschaft für das Projekt scheint die Gruppe der Studenten zu verbinden. „Ich habe davon gehört und fand es sehr interessant“, sagt Aylin Müller. Und auch Mitstudent Olaf ist nicht nur in der Göttinger Flüchtlingshilfe aktiv, sondern bezeichnet auch das Projekt des Mehrgenerationenhauses als „sehr erfüllend“. Insgesamt 15 Studenten sind daran beteiligt.
Höhepunkt der ersten Aktionsphase waren Einzel-Interviews, die an drei Wochenenden mit über 120 Geflüchteten geführt wurden. „Es waren sehr intensive Gespräche“, berichtet Marlene Wieker. Im Schnitt 20 bis 30 Minuten standen die Frauen und Männer zwischen 17 und etwas über 50 Jahren, den Studenten zu ihren Lebenswegen, Rede und Antwort. Dokumentiert wurde das Ganze mit Fotos, die an einer großen Stellwand zu sehen sind.
Nun werden die Ergebnisse in einer zweiteiligen Auswertung wissenschaftlich aufgearbeitet – das heißt mit einer computergestützten Analyse sowie einer statistischen Untersuchung. Unterstützt werden sie dabei von Professor Alexander Nagel, der den Bereich Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen betreut. Außerdem sind ein Film sowie eine Ausstellung geplant, die in der zweiten Aktionsphase erarbeitet werden soll. In der dritten und letzten Projektphase sollen die „Vorbilder“ dann der Öffentlichkeit präsentiert werden.