Wald bleibt Wald

Stadt plant beim Neubaugebiet an der Weserstraße jetzt doch mit einem größeren Abstand zu den Bäumen am östlichen Grundstücksrand

BURGDORF (fh). Beim Neubaugebiet zwischen Weserstraße und B188 will die Stadt nun doch einen Abstand von 35 Metern zu den Bäumen am östlichen Rand der Fläche einhalten. Das hat die Leiterin der Stadtplanungsabteilung Insa Borchers in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses angekündigt. Der Bereich, der tatsächlich bebaut werden kann, verkleinert sich dadurch.
Als die Stadt ihre Pläne im September vorgestellt hatte, diskutierten die Politiker auch über den Baumbestand. Denn offiziell handelt es sich dabei um einen Wald, sodass laut Vorgaben der Region eigentlich ein Mindestabstand von 100 Metern einzuhalten ist – in dem konkreten Fall mit Sondergenehmigung von 35 Metern. Doch die Stadt wollte mit den Grundstücken für Mehr- und Einfamilienhäuser ursprünglich noch dichter heranrücken. Dafür hätte sie den Wald auf dem Papier in eine private Grünfläche umwidmen müssen, für die es keine entsprechenden Vorgaben gibt.
Von diesen Überlegungen ist die Stadt nun wieder abgerückt. Doch warum der Sinneswandel? „Unser Rechtsberater hat uns nahegelegt, lieber die Finger davon zu lassen“, gibt Borchers zu. Denn bei den vorhandenen Baumhöhen sei ein Abstand von 35 Metern nicht nur zum Schutz des Waldes, sondern auch aus Sicherheitsgründen ratsam. „Die Stadt würde sonst, juristisch gesehen, in eine Gefahrenlage hinein planen und müsste von sich aus nachweisen, dass kein Risiko besteht“, erläutert die Stadtplanerin.
Und es gebe noch eine weitere Hürde: Selbst wenn der Wald nur auf dem Papier umgewidmet und die Bäume nicht gefällt worden wären, hätte die Stadt trotzdem an anderer Stelle Ersatz schaffen müssen. „Für uns wäre aber nicht kalkulierbar gewesen, welche Kosten das verursachen würde“, ergänzt Borchers.
Deshalb soll der Baumbestand nun doch ein Wald bleiben. Vor allem die Grünen-Ratsfrau Simone Heller hatte anfangs die Sorge geäußert, dass die Umwidmung in eine Grünfläche dem Besitzer Tür und Tor öffnen könnte, die Bäume zu fällen. Zwar hatte der Eigentümer sowohl gegenüber der Stadt als auch bei der Sitzung des Bauausschusses versichert, dass ihm der Baumbestand auch persönlich am Herzen liege und er ihn in jedem Fall erhalten wolle. Eine rechtliche Handhabe hätte es aber im Zweifelsfall nicht gegeben. Diese Bedenken sind nun ebenfalls aus der Welt geschafft.
In dem Neubaugebiet nördlich der Weserstraße sollen 25 Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften von privaten Bauherren und einige Mehrfamilienhäuser von Investoren errichtet werden. Im vergangenen Herbst hatte der Verwaltungsausschuss auf Vorschlag der Stadt entschieden, dass für das Baugebiet eine etwa 500 Meter lange und fünf Meter hohe begrünte Lärmschutzwand entlang der B188 gebaut werden soll. Auf dieser Basis stellt die Stadt jetzt einen Bebauungsplan auf und will die Grundstücke dann voraussichtlich Ende 2021 oder Anfang 2022 verkaufen.