Vortrag von Ismar Schorsch gibt es als Druckversion

Ausführungen zu „Von Wiedergutmachung zu Versöhnung“ im Benefizz-Laden

BURGDORF (r/jk). Am 10. November war Prof. Ismar Schorsch zu Gast in Burgdorf, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur Reichspogromnacht einen Vortrag zu halten. Ismar Schorsch ist ehemaliger Kanzler einer der größten Bildungseinrichtungen des konservativen Judentums, des Jewish Theological Seminary, in New York. Außerdem war er viele Jahre Präsident des Leo Baeck Institutes in New York.
Schorsch ist ein Wissenschaftler von hohem internationalen Rang. Seine Arbeiten umfassen grundlegende theologische Werke, wie einen umfangreichen Kommentar zu den fünf Büchern Moses. Groß ist aber auch sein Interesse an der jüdischen Geschichte, besonders derjenigen des deutschen und europäischen Judentums vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Dieses Interesse mag auch biographische Gründe haben: Ismar Schorsch wurde 1935 in Hannover als Sohn von Emil Schorsch, dem letzten Rabbiner der großen Oppler-Synagoge, geboren. Nach der Zerstörung der Synagoge am 9. November verließ er noch 1938 mit seinen Eltern Deutschland, um über England schließlich in die USA zu emigrieren.
Ismar Schorsch ist freilich alles andere als ein Wissenschaftler im Elfenbeinturm, vielmehr hat er sich Zeit seines Lebens im öffentlichen Raum engagiert. Auch außerhalb der USA gehen wichtige Bildungseinrichtungen auf seine Initiative zurück, darunter das Project Judaica in Moskau, das der Heranbildung einer neun Jüdischen Elite in Russland dient.
Als Teil der offiziellen Delegation Präsident Clintons war er an dem Prozess beteiligt, der 1994 zum Friedensschluss zwischen Israel und Jordanien geführt hat. Zusammen mit Al Gore setzte er sich für eine nationale Partnerschaft religiöser Organisationen für die Umwelt ein. Die moralischen Aspekte des US-amerikanischen Gesundheitssystems provozierten immer wieder Einmischungen und Äußerungen Ismar Schorschs, so im Rahmen einer Konferenz mit dem Titel „Gesundheitsversorgung: Recht oder Privileg“.
Nicht zuletzt galt sein Interesse sein Leben lang dem Prozess der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland nach 1945. Über seine persönlichen Beobachtungen „Von Wiedergutmachung zu Versöhnung“ hat er in seinem Vortrag am 10. November im Ratssaal der Stadt Burgdorf berichtet. Interessierte können eine Druckversion seiner Ausführungen kostenlos im Benefizz-Laden, Hannoversche Neustadt 8, erhalten.