Vorerst wohl kein Zwischenlager

Ein Zwischenlager soll auf dem Gelände neben der Kläranlage nun wohl vorerst nicht gebaut werden.

Bürgermeister Armin Pollehn strebt an, den Klärschlamm künftig in die Verbrennung zu geben

Burgdorf (fh). Leidenschaftlich war in der Öffentlichkeit darüber diskutiert worden, wie es mit der Klärschlammentsorgung weitergehen soll: Doch als die Politiker im Bau- und Umweltausschuss am Dienstag jetzt neuerlich darüber beraten haben, blieben die Zuschauerstühle leer. Wohl vor allem wegen der Kontaktbeschränkungen angesichts der Corona-Epidemie sind keine Bürger zu der Sitzung gekommen.

Landwirtschaftliche Verwertung bleibt möglich
Nach der Abstimmung der Fachpolitiker zeichnen sich jetzt zwei Tendenzen ab: 1) Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Stadt aus der landwirtschaftlichen Verwertung des Klärschlamms aussteigt und ihn  stattdessen in einer speziellen Anlage verbrennen lässt. 2) Es wird immer unwahrscheinlicher, dass in Burg­dorf ein Zwischenlager für den Klärschlamm gebaut wird.
Vor allem die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern wollte sich aber in beiden Punkten noch nicht eindeutig festlegen. Sie plädierte dafür, die Entsorgung des Klärschlamms für die nächsten ein bis fünf Jahre zunächst verfahrensoffen auszuschreiben: Es können sich dann also sowohl Abnehmer melden, die ihn als Dünger in der Landwirtschaft einsetzen als auch Betreiber einer Verbrennungsanlage. Letzlich trug auch die CDU/FDP-Gruppe diesen Vorschlag mit, sodass der Beschluss in diesem Punkt einstimmig gefasst wurde.

Viel Spielraum für den Bürgermeister

Bürgermeister Armin Pollehn hatte sich eigentlich ein klares Votum für die Verbrennung des Klärschlamms gewünscht, so wie es in der Beschlussvorlage der Verwaltung formuliert war. Trotzdem zeigte er sich mit der Entscheidung der Fachpolitiker zufrieden, die Ende Mai nun noch vom Verwaltungsausschuss bestätigt werden muss. „Die Politik gibt mir damit weitgehend freie Hand. Ich kann dann mein Ziel weiterverfolgen, den Burgdorfer Klärschlamm künftig in die thermische Verwertung, also in die Verbrennung zu geben“, sagte er nach der Sitzung gegenüber dem Marktspiegel und begründete: „Diese Methode ist ökologisch am sinnvollsten, weil man damit Strom und Wärme erzeugen kann ohne den Einsatz von fossilen Brennstoffen.“
Zum jetzigen Zeitpunkt fehle es zwar noch an Kapazitäten für die Verbrennung, das werde sich aber in den nächsten Jahren ändern. So will beispielsweise der kommunale Energieversorger enercity 2023 eine geeignete Anlage in Lahe in Betrieb nehmen. Je früher die Stadt entsprechende Angebote einhole, desto bessere Konditionen bekommt sie, prognostiziert Pollehn.

Politiker rücken vom Zwischenlager ab

Ebenfalls in seinem Sinne sei es, dass die Politiker von dem Bau eines Zwischenlagers abgerückt sind, den der Verwaltungsausschuss im vergangenen Sommer beschlossen hatte. Die CDU/FDP-Gruppe hätte den bestehenden Beschluss gern zurückgenommen, doch die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern stimmte dafür, ihn zunächst nur auszusetzen.
Die Stadt soll nun einen Abnehmer für den Klärschlamm suchen, der selbst Lagerkapazitäten vorhält. Denn diese würden so oder so benötigt, um Engpässen bei der Entsorgung vorzubeugen Allerdings muss die Stadt sie nicht unbedingt selbst vorhalten. Die Politiker plädieren dafür, dass die Entsorger die Kosten dafür in ihren Angeboten separat ausweisen müssen. So könne die Stadt vergleichen, ob der Bau eines eigenen Lagers vor Ort günstiger wäre als die Fremdvergabe.

Studie empfiehlt Verbrennung

Grundlage für die Debatte im Bauausschuss war eine Studie, die die Stadt bei der PFI Planungsgemeinschaft aus Hannover in Auftrag gegeben hatte. Sie hat unterschiedliche Verfahren der Klärschlammentsorgung miteinander verglichen und den Bedarf eines Zwischenlagers geprüft. Seit Februar liegen die Ergebnisse vor, die aus Urheberrechtsgründen allerdings nicht vollständig veröffentlicht werden.
Am besten schneidet in dem Vergleich die thermische Verwertung in einer Klärschlammverbrennungsanlage ab. „Dieses Ergebnis ist sehr eindeutig“, betonte PFI-Ingenieur Johannes Müller-Schaper in seiner Präsentation im Fachausschuss. Dabei seien nicht nur die Investitions-, Betriebs- und Transportkosten der jeweiligen Methode berücksichtigt worden, sondern auch Entsorgungssicherheit, CO2-Emissionen, Geruchsbelästigung sowie die Möglichkeit, das wertvolle Phosphor zurückzugewinnen. Das Fazit: Die Verbrennung sei wirtschaftlicher und zugleich umweltverträglicher als der Einsatz in der Landwirtschaft.
Ein eigenes Zwischenlager benötigt Burgdorf laut der PFI Planungsgemeinschaft nicht unbedingt. „Vor anderthalb bis zwei Jahren gab es erhebliche Engpässe in der Entsorgung“, räumte Müller-Schaper ein. Das sei auch der Grund für den Vorschlag der Burg­dorfer Stadtverwaltung gewesen. „Doch dieses Chaos ist vorbei. Der Markt hat sich schon wieder reguliert“, so der Ingenieur.

Monatelang wurde debattiert
Als der Verwaltungsausschuss im vergangenen Sommer beschloss, zunächst an der landwirtschaftlichen Verwertung festzuhalten und ein Zwischenlager zu bauen, hatte das für Protest gesorgt. Eine Gruppe um den ehemaligen Lehrer Reinhard Engelhardt sammelte Unterschriften für einen Bürgerentscheid. Sie befürchteten eine Geruchsbelästigung durch das Zwischenlager und warnten außerdem davor, dass im Klärschlamm Schadstoffe enthalten seien, die durch den Einsatz in der Landwirtschaft in die Nahrungskette gelangen könnten. Allerdings ist die Initiative im Sande verlaufen: Innerhalb der Frist hat die Gruppe keine Unterschriften bei der Verwaltung eingereicht, sodass es auch keinen Bürgerentscheid geben wird.