Vorbereitungen für digitale Schulen

Hariharan Sriskanthan von dem IT-Unternehmen Bechtle führt im Gymnasium Burgdorf vor, wie die WLAN-Stärke gemessen wird. (Foto: Helmut Steinseifer)
 
Auf dem Monitor sind die gesamten Räume der Etage mit den Mess-Stärken erkennbar. (Foto: Helmut Steinseifer)

Stadt gibt technisches und pädagogisches Konzept für Medienentwicklungsplan in Auftrag

Burgdorf (fh). Die ersten Förderbescheide aus dem Digitalpakt von Land und Bund hat die Stadt Burgdorf für ihre Schulen bereits bekommen. Mit dem Geld sollen unter anderem Serverkapazitäten und Wlan-Zugänge verbessert werden, ebenso wie die Ausstattung mit Laptops, Tabletcomputern und anderen Endgeräten. Damit geht aber auch die Verpflichtung einher, einen Medienentwicklungsplan zu erarbeiten als Schnittstelle zwischen den technischen Voraussetzungen und den pädagogischen Zielen.
Das hatte auch der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne bei seinem Besuch im Burgdorfer Rathaus deutlich gemacht. Denn mit der entsprechenden Ausstattung erhielten Schüler im Internet zwar Informationen im Überfluss. „Sie müssen Burgdorf (fh). Die ersten Förderbescheide aus dem Digitalpakt von Land und Bund hat die Stadt Burgdorf für ihre Schulen bereits bekommen. Mit dem Geld sollen unter anderem Serverkapazitäten und Wlan-Zugänge verbessert werden, ebenso wie die Ausstattung mit Laptops, Tabletcomputern und anderen Endgeräten. Damit geht aber auch die Verpflichtung einher, einen Medienentwicklungsplan zu erarbeiten als Schnittstelle zwischen den technischen Voraussetzungen und den pädagogischen Zielen.
Das hatte auch der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne bei seinem Besuch im Burgdorfer Rathaus deutlich gemacht. Denn mit der entsprechenden Ausstattung erhielten Schüler im Internet zwar Informationen im Überfluss. „Sie müssen aber auch lernen, wie sie wertvolle Inhalte von Schrott unterscheiden“, sagte Tonne Ende Mai. Wie das funktionieren kann und was das alles beinhaltet, soll nun im Medienentwicklungsplan beschrieben werden.
Mit den technischen Untersuchungen dafür hat die Stadt die Firma Bechtle beauftragt. Das IT-Unternehmen hat die Sommerferien bereits genutzt, um in den zurückliegenden beiden Wochen an allen Burgdorfer Schulen das Wlan auszuleuchten und dabei beispielsweise Störquellen zu ermitteln. Außerdem dienten die Messungen dazu, Schritt für Schritt die Positionen von Access Points zu bestimmen, um die Schulen flächendeckend mit einem drahtlosen Internet-Zugang zu versehen.
Mit der pädagogischen Ausarbeitung für den Medienentwicklungsplan hat die Stadt Burgdorf indes den Medienberater Andreas Hofmann beauftragt. Im Interview mit dem Marktspiegel erläutert er, worauf es dabei ankommt.


„Jedes Handy ist heute klüger als wir“
Sechs Fragen an den Medienberater Andreas Hofmann


Was steht in dem Medienentwicklungsplan?
Darin beschreibt die Stadt Burgdorf wie sie ihre Schulen technisch ausstatten will und wie die digitalen Medien im Unterricht zum Einsatz kommen sollen. Grundlage dafür sind die individuellen Medienbildungskonzepte der einzelnen Schulen.

Welche Aufgabe übernehmen Sie in diesem Prozess?
Ich führe mit den Lehrern aller Burgdorfer Schulen Gespräche, um herauszufinden, wo sie aktuell stehen und welche Ziele sie sich setzen wollen. Gemeinsam mit ihnen werde ich auch noch mal ihr jeweiliges Medienbildungskonzept überprüfen und eventuell überarbeiten. Denn in den zurückliegenden Monaten haben wir aufgrund der Corona-Epidemie viel über den Einsatz von digitalen Medien in der Schule gelernt. Diese Erfahrungen sollten berücksichtigt werden. Für den Medienentwicklungsplan bringe ich die Konzepte in eine einheitliche Form. Das möchte ich bis zum Herbst schaffen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie, bis es soweit ist?
Schulen denken oft, dass der Medienentwicklungsplan ein Wunschkonzert ist. Aber das stimmt nicht. Wir müssen dabei zwischen pädagogischen Anforderungen einerseits und den finanziellen sowie organisatorischen Möglichkeiten andererseits jonglieren und versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Dabei geht es nicht nur um die Anschaffungskosten für Geräte. Es muss auch geklärt werden, wer sie warten und verwalten kann.

Der Medienentwicklungsplan besteht aus einer technischen und einer pädagogischen Komponente. Wie kommen sie zusammen?
Ich erarbeite nur das pädagogische Konzept. Das technische Konzept hat die Stadt separat in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse werden mir zur Verfügung gestellt. Ich füge beides dann zusammen, damit der Medienentwicklungsplan am Ende aus einem Guss ist.

Warum ist ein Medienentwicklungsplan wichtig?
Schulen die schlecht ausgestattet sind, können ihren Schülern kaum die erforderliche Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Die Medienbildung wurde in Deutschland in den zurückliegenden Jahren vernachlässigt. Es ist überfällig, dieses Thema anzugehen.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Schule und Unterricht?
Sie löst einen radikalen kulturellen Wandel aus. Ich habe selbst 15 Jahre als Lehrer gearbeitet und das erlebt. Unser Wissensvorsprung spielt heute kaum noch eine Rolle, denn jedes Smartphone ist klüger als wir. Dadurch verändert sich die Lehrerrolle natürlich. Auch Prüfungen bei denen einfach stumpf auswendig gelerntes Wissen abgefragt wird erscheinen vor diesem Hintergrund nicht mehr zeitgemäß. Langfristig wird das selbstgesteuerte Lernen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das muss sich auch in neuen Raumkonzepten wiederfinden: weg von geschlossenen Klassenräumen, hin zu offeneren Strukturen. All das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber der Medienentwicklungsplan könnte den Prozess zumindest anstoßen.