Vom Home-Office zum Einsatz

Auch während der Corona-Epidemie konnten die hiesigen Ortsfeuerwehren ihre Einsätze gut bewältigen. Unser Foto zeigt einen Stoppelfeldbrand am 1. August zwischen Burgdorf und Immensen, bei dem Einsatzkräfte aus Burgdorf, Hülptingsen, Otze und Schillerslage vor Ort waren. (Foto: Helmut Steinseifer)

Tagsüber waren in den zurückliegenden Monaten mehr Feuerwehrleute verfügbar als sonst

Burgdorf (fh). Die Corona-Epidemie hat auch die Burgdorfer Ortsfeuerwehren vor neue Herausforderungen gestellt. Aber zumindest über Personalengpässe musste sich Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer in den zurückliegenden Monaten keine Sorgen machen. Denn gerade tagsüber seien deutlich mehr Einsatzkräfte verfügbar gewesen als sonst. "Viele Mitglieder, die normalerweise zur Arbeit beispielsweise nach Hannover pendeln, waren im Home-Office tätig", begründet Heuer. Von zu Hause aus seien sie im Falle eines Alarms schnell zur Stelle gewesen.
Das habe insbesondere der Ortsfeuerwehr Burgdorf in die Hände gespielt. Denn von Mitte März bis Ende Juli haben sich ihre beiden Züge im wöchentlichen Rhythmus abgewechselt. Die Einsatzkräfte rekrutierten sich in dieser Zeit also jeweils nur aus einer Hälfte der Ortsfeuerwehr. Doch die verbesserte Verfügbarkeit durch die Heimarbeit habe diese Einschränkung wett gemacht. "In einigen Fällen sind wir dabei sogar ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Wir brauchen schließlich nicht unbedingt 40 Personen, um einen eingeklemmten Igel zu retten oder einen morschen Ast zu sichern", merkt der Burgdorfer Ortsbrandmeister Florian Bethmann mit einem Augenzwinkern an.

Ausbreitung des Virus verhindern


Vor allem während der Hauptzeit der Epidemie sollte mit der Trennung der beiden Züge eine Verbreitung des Virus innerhalb der Ortsfeuerwehr Burgdorf verhindert werden. Einerseits zum persönlichen Schutz der Mitglieder, andererseits auch, um die Einsatzbereitschaft zu sichern. So hätte im schlimmsten Fall die Hälfte der Aktiven unter Quarantäne gestellt werden müssen - die anderen hätten weiterhin löschen, bergen und retten können.
Dieses Szenario ist zum Glück nicht eingetreten, einige Verdachtsfälle hat es laut Stadtbrandmeister Heuer aber gegeben. "Nach einem Rettungseinsatz mussten sechs Mitglieder für mehrere Tage in Quarantäne, weil bei dem Patienten, den sie versorgt hatten, ein Verdacht auf das Coronavirus bestand", berichtet er. Die Stadt habe den Arbeitgebern für diese Zeit den Verdienstausfall erstattet. "Nachdem der Betroffene zweimal hintereinander negativ getestet war, konnte die Quarantäne dann aber bald wieder aufgehoben werden", so Heuer.

Ein Ausnahmejahr für die Feuerwehr

Seit Anfang August rücken jetzt wieder beide Züge der Ortsfeuerwehr aus, wenn ein Notruf eingeht - bei den Übungsdiensten sollen sie sich aber auch weiterhin nicht begegnen. Und auch viele andere Vorsichtsmaßnahmen sind nach wie vor in Kraft. Die Einsatzfahrzeuge dürfen beispielsweise nicht voll besetzt sein, um zumindest etwas Abstand halten zu können. Außerdem müssen bis auf den Fahrer alle anderen im Auto einen hochwertigen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Auch für die hiesigen Ortsfeuerwehren ist 2020 also in jeder Hinsicht ein Ausnahmejahr. Deshalb könne er auch noch nicht beurteilen, ob das neue Konzept für die Alarmierungen, das gerade erprobt wird, erfolgreich sei. Seit Januar gilt nämlich eine veränderte Zugeinteilung, sodass jetzt beispielsweise die Ortsfeuerwehren Heeßel und Schillerslage enger zusammenarbeiten, ebenso wie Dachtmissen und Hülptingsen. Außerdem bekommt die Ortsfeuerwehr Burgdorf bei Einsätzen im Südwesten der Kernstadt nun Unterstützung aus Heeßel und im Südosten aus Hülptingsen.

Reaktion auf den Feuerwehrbedarfsplan

Damit reagieren die Verantwortlichen auf den Feuerwehrbedarfsplan, den die Ratspolitiker im Dezember 2019 einstimmig gebilligt haben. In dem Papier kommen die Experten der Firma Forplan zu dem Ergebnis, dass die bundesweiten Vorgaben bisher nicht ganz erfüllt würden. Durchschnittlich müssten die hiesigen Ortsfeuerwehren noch ein bis zwei Minuten früher und mit ein bis zwei Personen mehr am Einsatzort eintreffen.
Ein Jahr lang soll getestet werden, ob diese Ziele mit dem neuen Konzept erreicht werden - und nach acht Monaten wäre es jetzt eigentlich höchste Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Doch aufgrund der Corona-Epidemie habe es zu viele Sondereffekte gegeben: im Positiven beispielsweise durch das Home-Office, im Negativen durch die Aufteilung der Ortsfeuerwehr Burgdorf und die reduzierte Besetzung in den Fahrzeugen. "Für unsere Statistik können wir die zurückliegenden Monate deshalb im Grunde vergessen", sagt Heuer.