"Viele intensive Gespräche"

Die Leiterin des Gesprächskreis Katja Lehmann und Gruppengründerin Irmgard Zarske informieren an ihrem Stand über die Fibromyalgie, eine Muskel-Faser-Schmerzerkrankung.
 
"Wann wurde der elektrische Mixer erfunden? Und wann wurde der erste McDonalds in Deutschland eröffnet?" Oliver Scaparra (von links) und Thorsten Retuznik betreuen am Stand des Frauen- und Mütterzentrums ein Ratespiel, bei dem bestimmte Ereignisse auf einem Zeitstrahl angeordnet werden sollen. Übrigens: Die elektrischen Handrührgeräte kam in den 1920er Jahren auf und in Deutschland wurde der erste McDonalds 1971 in München eröffnet - anlässlich der olympischen Spiele.

Bei Temperaturen über 30 Grad verzeichnet der Selbsthilfetag weniger Besucher als in den Vorjahren, Ehrenamtlich freuen sich aber über intensive Gespräche

BURGDORF (fh). Bei brütender Hitze haben die Burgdorfer Selbsthilfegruppen am Samstag auf dem Spittaplatz ihre Arbeit vorgestellt. "Die Besucherzahl war leider überschaubar. In anderen Jahren haben viele Marktbesucher nach ihrem Einkauf noch mal bei uns vorbeigeschaut. Angesichts der hohen Temperaturen sind sie mit Salat und Zucchini wohl lieber direkt wieder nach Hause gefahren", resümiert Organisator Ullrich Weber gegen Ende des 27. Burgdorfer Selbsthilfetages. Die Ehrenamtlichen aus den einzelnen Gruppen, die den Vormittag über im Schatten der Pavillons tapfer ausgeharrt haben, ziehen trotzdem ein positives Fazit.
"Klasse statt Masse", resümiert Doris Zander vom Frauen- und Mütterzentrum und ergänzt: "Es war zwar nicht proppenvoll, aber wir haben in den vier Stunden viele tolle und intensive Gespräche geführt." Der ein oder andere sei erst einmal überrascht gewesen, als er ihren Stand bei der Veranstaltung entdeckt habe. "Viele nehmen das gar nicht so wahr, aber wir verstehen uns auch als Selbsthilfegruppe. Unser Ziel ist es, auf die gesellschaftliche Situation von Frauen und Müttern aufmerksam zu machen und sie zu verbessern." Wenn sich beispielsweise in den offenen Treffs herausstelle, dass es ein bestimmtest Problem oder einen Bedarf gebe, werde gemeinsam nach Lösungen gesucht.
Auch Katja Lahmann, die Leiterin des Gesprächskreises für Fibromyalgie, wertet den Selbsthilfetag als Erfolg. "Es waren zwar nicht so viele da, aber diejenigen, die an unseren Stand gekommen sind, hatten echtes Interesse", betont sie. Zusätzlich zu Flyern über den sogenannten Faser-Muskel-Schmerz habe sie 20 ausführliche Informationsbroschüren dabei gehabt, die sie nur rausgebe, wenn sich jemand intensiv mit der Krankheit beschäftigen wolle. "19 davon habe ich heute verteilt und zwei Besucher haben sogar fest zugesagt, zu unserem nächsten Gruppentreffen zu kommen", sagt sie. Kurz bevor der Selbsthilfetag gegen 14 Uhr zu Ende geht, tritt dann etwas zögerlich noch ein Besucher an ihren Stand heran. Er erkundigt sich nach der Arbeit der Gruppe, fragt immer wieder nach - und nimmt schließlich noch das letzte Exemplar der Broschüre mit nach Hause.
Richtig voll war es auf dem Spittaplatz vor allem geworden, als sie Kinder der Kita Villa Mercedes vormittags ihre Tanzaufführung gaben und Eltern, Geschwister und Großeltern Zuschauen und Anfeuern kamen. Aber auch die Besucherpausen, die sich an dem ein oder anderen Stand später einstellten, wussten die Ehrenamtlichen zu nutzen. "Es war eine tolle Gelegenheit, um untereinander ins Gespräch zu kommen", betont Ullrich Weber. So schaute Doris Zander vom Frauen- und Mütterzentrum zwischendurch beispielsweise am Stand der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe vorbei, um dort einmal am Glücksrad zu drehen.
Und hat sie etwas gewonnen? "Na klar, bei uns gibt es keine Verlierer. Jeder bekommt einen Preis", betont Ilse Schütze, die den Stand zusammen mit anderen Ehrenamtlichen betreut. Und Zander fügt hinzu: "Das passt eigentlich sehr gut zum Gedanken der Selbsthilfe: Niemand ist ein Versager, jeder Mensch ist wertvoll."