Viele Ausfälle bei der S6

Die Fahrgäste steigen am Burgdorfer Bahnhof in die S6 nach Hannover. Diese S-Bahn-Linie ist besonders häufig von Ausfällen betroffen.

Mitteilung der Regionsverwaltung: Verspätungen bei der S-Bahn haben in den vergangenen Jahren zugenommen

BURGDORF (fh). Bei der S-Bahn Hannover sind in den vergangenen Jahren immer mehr Züge ausgefallen. Und auch bei der Pünktlichkeit hält die Betreiberin DB Regio die Vorgaben nicht ein. Das geht aus einer Mitteilung der Region Hannover hervor. Sie beantwortet damit eine Anfrage des Burgdorfer Regionsabgeordneten Oliver Brandt (CDU).
Ganz besonders ist demnach die Linie S6 von Ausfällen betroffen, die auf der Strecke Hannover – Burgdorf – Celle verkehrt. Im ersten Halbjahr 2019 habe die DB Regio dort 680 Fahrten gestrichen. Hauptgründe dafür seien Baustellen, fehlendes Personal sowie Probleme bei der Leit- und Sicherungstechnik gewesen. Damit sind 5,4 Prozent der eigentlich geplanten Zugkilometer der S6 entfallen. Auf der Linie S7 lag die Ausfallquote bei 0,4 Prozent und bei der S-Bahn Hannover insgesamt bei durchschnittlich 2,5 Prozent.
Wie kommen diese unterschiedlichen Werte zustande? Laut einer Bahnsprecherin teilt die DB Regio das Personal bewusst so ein, dass die Nachteile für die Kunden möglichst gering seien. Deshalb treffe es so oft die S6. „Kunden stehen die Züge der überwiegend parallel laufenden Linie S7 zur Verfügung“, erläutert die Sprecherin.
An dieser bereits mehrfach vorgebrachten Begründung übt der Regionsabgeordnete Michael Fleischmann (Die Linke) Kritik. „Auch andere Städte im hannoverschen Umland haben zwei S-Bahnverbindungen pro Stunde von uns nach Hannover“, schreibt er in einer Pressemitteilung. In einigen Kommunen kämen sogar noch Regional­expresslinien oder eine Anbindung durch die Stadtbahn hinzu. „Wenn Lokführerinnen und Lokführer fehlen, müssen die Zugausfälle auf alle S-Bahn-Strecken im hannoverschen Umland gerecht verteilt werden. Die Probleme dürfen nicht allein zu Lasten der Burgdorferinnen und Burgdorfer gehen“, fordert Fleischmann.
Und ist für geplagte Pendler eine Besserung in Sicht? Die Regionsverwaltung dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Lösung. „Systematisch und bundesweit auftretende Fehler wie der Mangel an Zugpersonal lassen sich nicht sofort abstellen“, heißt es in der Mitteilung. Gerade die Deutsche Bahn habe aber erkannt, dass sich die jahrelange Sparpolitik nun aufgrund des demographischen Wandels doppelt räche und mit einer beispiellosen Anwerbekampagne begonnen.
Was die langfristige Entwicklung angeht, steht im Frühjahr 2022 allerdings ohnehin eine Zäsur an: Dann soll die Nordwestbahn das Netz der S-Bahn-Hannover übernehmen. Ob sich die Situation damit spürbar verbessert, bleibt abzuwarten. Denn auch der künftige Betreiber hatte zuletzt mit Personalengpässen zu kämpfen und stellte die Geduld der Kunden beispielsweise im Raum Bremen mit Verspätungen und Zugausfällen massiv auf die Probe.
Auch die S-Bahn Hannover lässt ihre Kunden immer wieder warten. Der Region zufolge hat die DB Regio die Vorgaben zur Pünktlichkeit in den Jahren 2016 bis 2018 nicht eingehalten. So sollen laut Vertrag 95 Prozent aller Züge mit maximal drei Minuten Verspätung abfahren. Tatsächlich waren es 2016 nur rund 86 Prozent und 2018 sogar nur noch 84 Prozent. Sieben Prozent der Züge hatten im vergangenen Jahr eine Verspätung von mehr als fünf Minuten – das waren deutlich mehr als die zulässigen drei Prozent. Ursachen dafür seien in erster Linie Signal- und Stellwerkstörungen sowie Probleme mit der Leit- und Sicherungstechnik gewesen.
Die DB Regio musste für die Verspätungen im vergangenen Jahr eine Strafzahlung von rund 347.000 Euro an die Region Hannover entrichten. Und auch die Zugausfälle machen sich finanziell bemerkbar. Denn laut vertraglicher Vereinbarung würden ausgefallene Züge nicht vergütet, heißt es in der Mitteilung. Im vergangenen Jahr seien dem Unternehmen dadurch Einbußen von rund 2,1 Millionen Euro entstanden. Allein im ersten Halbjahr 2019 waren es schon rund 1,3 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2016. Das macht deutlich, wie sehr sich die Zugausfälle innerhalb weniger Jahre gehäuft haben.
Der CDU-Politiker Oliver Brandt, der auch Vorsitzender des Regions-Verkehrsausschusses ist, hatte die Anfrage gestellt, weil es in den Sommerferien zu besonders vielen Verspätungen und kurzfristigen Zugausfällen gekommen war. Doch gerade diese kritischen Wochen finden sich der Mitteilung der Region noch gar nicht wieder. Denn die Zahlen beziehen sich nur auf das erste Halbjahr 2019 bis Ende Juni. Brandt will das Thema bei der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses am 12. September vertiefen. „Unter dem Tagesordnungpunkt 'Verspätungen und Aufälle S6' steht den Mitgliedern ein Vertreter der DB Regio Rede und Antwort“, kündigt er an. Die Sitzung beginnt um 14 Uhr um Regionshaus, Hildesheimer Straße 18, in Hannover.