Viel los in den Nistkästen

Dieter Kleinschmidt (von links) und Erhard Zander blicken auf ein gutes Jahr für die Schleiereulen zurück.
 
Im Nistkasten am Kuhlenberg in Hänigsen sind gleichzeitig neun junge Schleiereulen aufgewachsen. (Foto: Nabu)

Erhard Zander und Dieter Kleinschmidt vom Nabu verzeichnen einen neuen Rekord: Die Schleiereulen haben 2019 in Burgdorf, Lehrte und Uetze 406 Jungvögel aufgezogen

ALTKREIS (fh). Nur vereinzelt sind die Temperaturen in den vergangenen Wochen unter den Gefrierpunkt gesunken und Schnee ist bislang nicht in Sicht: Den Schleiereulen kommt der milde Winter zugute. Denn auch wenn ihr weißes Gefieder etwas anderes vermuten lässt, kommen sie mit Kälte und vor allem mit einer geschlossenen Schneedecke nicht gut zurecht. "Sie finden dann keine Mäuse mehr", erläutert Erhard Zander vom Nabu Burgdorf, Lehrte, Uetze. Besonders hart habe sie das im Winter 1978/79 getroffen mit bis zu -20 Grad und bis zu einem halben Meter Schnee.
Das sei für ihn auch der Auslöser gewesen, sich für die Nachtgreifvögel mit ihrer charakteristischen Gesichtszeichnung einzusetzen. "Wir haben damals nach Schleiereulen gesucht, die überlebt haben. Nur in einem Stall in Hänigsen sind wir noch fündig geworden", erinnert er sich der 77-Jährige. Und so bekam das Jahr 1979 eine ganz besondere Bedeutung für den Naturschutz in Burgdorf und Umgebung: Damals wurde die Nabu-Ortsgruppe ins Leben gerufen. Und noch im selben Jahr hängte Zander, der zu den Gründungsmitgliedern gehörte, zusammen mit weiteren Mitstreitern die ersten Nistkästen auf.
Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: In Burgdorf, Lehrte und Uetze sind in den zurückliegenden 40 Jahren mehr als 5700 Schleiereulen in den Kästen aufgewachsen und 2019 gab es sogar einen neuen Rekord: Erhard Zander und Dieter Kleinschmidt zählten 406 Jungvögel – so viele wie noch nie. Ähnlich gut lief es zuletzt 2007, als 376 Eulen schlüpften – am anderen Ende der Skala rangiert in Zanders Aufzeichnungen das Jahr 2010 mit nur 26 Jungvögeln.
Der Bruterfolg hänge vor allem vom Nahrungsangebot ab. „2019 gab es eine sogenannte Mausschwemme“, erläutert Kleinschmidt, der sich ebenfalls schon lange beim Nabu engagiert. Etwa alle drei bis vier Jahre würden sich die kleinen Nager massenhaft vermehren. Davon profitiere dann auch die Schleiereule, die sich fast ausschließlich von Mäusen ernährt, so der 75-Jährige.
An dem Rekordergebnis im vergangenen Jahr waren 46 Brutpaare beteiligt, die größtenteils zweimal, eines sogar dreimal gebrütet haben. Besonders viel Betrieb herrschte im Nistkasten am Kuhlenberg in Hänigsen, wo gleichzeitig neun junge Schleiereulen aufgewachsen sind.
Insgesamt 125 Nistkästen haben Erhard Zander und Dieter Kleinschmidt mittlerweile in Burgdorf, Lehrte und Uetze aufgehängt – und die machen eine ganze Menge Arbeit. Zwei bis drei Mal im Jahr kontrollieren die beiden Naturschützer jeden Kasten. Alle sechs bis sieben Jahre steht außerdem ein Großputz an, bei dem sie das Gewölle entfernen, und wenn nötig, ersetzen sie beschädigte oder heruntergekommene Kästen.
Doch ihr Einsatz lohne sich, sind beide überzeugt. Denn die hiesigen Schleiereulen hätten die Vorzüge der Nistkästen längst erkannt und würden ausschließlich diese besonders geschützten Brutplätze nutzen. „Sie sind beliebt, weil dort keine Marder reinkommen“, begründet Kleinschmidt. Außerdem komme man sowieso nicht so leicht wieder los von den Schleiereulen: „Wenn man einmal so ein Jungtier mit seinen weichen Federn in der Hand hatte, bleibt man dabei.“
Was die beiden Eulenliebhaber dabei ganz besonders freut: Die Zusammenarbeit mit den Landwirten laufe hervorragend. „Wir dürfen die Nistkästen in Ställen und Scheunen anbringen und dafür auch Einfluglöcher in die Wände schlagen“, so Zander. Und die Bauern würden sich auch mit für die Nester verantwortlich fühlen. „Wenn es an einem Brutplatz ein Problem gibt, rufen sie uns an und einige kontrollieren sogar selbst die Nist­kästen und melden uns dann die Zahl der Jungvögel“, lobt Kleinschmidt.
Der einzige Wermutstropfen: In den Scheunen selbst sei der Tisch für die Schleiereulen nicht mehr so reich gedeckt. „Aufgrund immer strengerer Hygienevorschriften dürfen die Landwirte dort kein Korn mehr lagern, sondern müssen es direkt zu den Genossenschaften bringen“, erläutert Zander. Deshalb gebe es dort auch kaum noch Nagetiere. Im besonders kalten und schneereichen Winter 2010 haben sie deshalb sogar 300 weiße Mäuse zugefüttert – das wird ihnen diesmal wohl erspart bleiben.


Gäste in den Nistkästen


Die Nistkästen kommen übrigens nicht nur bei den Schleiereulen gut an: So sind dort in den 40 Jahren auch 450 Turmfalken und 28 Waldkäuse aufgewachsen. Wespen und Hornissen ziehen ebenfalls hin und wieder ein. Doch die bisher größte Überraschung bei einem Kontrollbesuch: "In einem unserer Nistkästen hat sogar mal eine Bachstelze einen Kuckuck aufgezogen", erinnert sich Zander.

Exkursion im Sommer


Einmal im Jahr bieten Erhard Zander und Dieter Kleinschmidt eine Exkursion zu Schleiereulen und Weißstörchen an. Der Termin für 2020 steht bereits fest. Am Sonntag, 14. Juni, treffen sich die Teilnehmer um 15 Uhr an der Kirche in Hänigsen. Dabei besteht auch Gelegenheit, einen Blick in die Kinderstube von Eulen und Störchen zu werfen.