"Verwaltung soll zum Ermöglicher werden"

Rüdiger Nijenhof will Bürgermeister werden.

Rüdiger Nijenhof will bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai als Einzelbewerber kandidieren

BURGDORF (fh). Rüdiger Nijenhof wirft seinen Hut in den Ring: Der 41-Jährige will bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai antreten und ist damit der fünfte Kandidat, der auf dem Wahlzettel stehen wird. Vor Nijenhof haben bereits Matthias Paul (SPD), Armin Pollehn (CDU), Michael Fleischmann (Linke) und Marc Müller (Die Partei) ihre Kandidatur angekündigt. Dass er selbst so lange gezögert hat, begründet Nijenhof mit seiner beruflichen Auslastung. "Das Winterhalbjahr ist bei uns immer besonders stressig. Deshalb war für mich klar, dass ich die Entscheidung frühestens im Februar treffe", erläutert er.
Nijenhof ist stellvertretender Gesamtausbildungsleiter bei der evangelischen Landeskirche in Hannover. "Wir bilden dort alle Ebenen aus, die es auch bei der Stadt gibt", sagt er. Damit bringe er schon eine wichtige Voraussetzung für das Amt des Bürgermeisters mit. "Zu 70 bis 80 Prozent geht es ja darum, die Stadtverwaltung zu leiten", so Nijenhof. Die politischen Entscheidungen seien hingegen von der Ratsmehrheit abhängig. "Der Bürgermeister kann aber trotzdem wichtige Akzente setzen und durch Vorschläge der Verwaltung Impulse geben", betont Nijenhof.
Bei seiner Arbeit in unterschiedlichen Ämtern der Kirche unter anderem in Celle, Uelzen und Burgwedel habe er die Erfahrung gemacht, dass Verwaltungen sich oftmals darauf beschränkten, zu prüfen, ob ein Antrag rechtskonform sei. "Wenn sie zu einem negativen Ergebnis kommen, ist die Sache damit vom Tisch", so Nijenhof. Sein Ziel sei es die Stadtverwaltung zum "Ermöglicher" zu machen. "Wenn sich ein Antrag aus der Politik so nicht realisieren lässt, sollte die Verwaltung prüfen, wie das Ziel dahinter juristisch sauber erreicht werden könnte. Die Frage sollte nicht sein: Geht das? Sondern: Wie könnte es funktionieren?", beschreibt er seine Idealvorstellung. Genau das vermittele er auch seinen Auszubildenden bei der Landeskirche.
Nijenhof ist verheiratet und Familienvater von drei Kindern. 2011 ist er mit seiner Frau nach Burgdorf gezogen. "Es ist eine schöne Stadt, aber man könnte noch viel mehr daraus machen", lautet sein Urteil nach knapp acht Jahren. Ihn wundere vor allem, dass die Fachwerkarchitektur in der Innenstadt touristisch nicht stärker vermarktet werde, genauso wie die günstige Lage im Dreieck zwischen Hannover, Harz und Heide. Daran wolle er als Bürgermeister arbeiten. Und auch die Wirtschaftsförderung wolle er noch stärker in den Fokus rücken.
Als große Aufgabe für die nächsten Jahre nennt Nijenhof außerdem die Modernisierung der Verwaltung. "Mittelfristig müssen wir auf papierlose Abläufe umstellen", betont er. So sollten Bürger beispielsweise die Möglichkeit haben, alle Anträge am Computer zu stellen", fordert Nijenhof. Erste Anfänge seien bereits gemacht, aber es gebe noch viel zu tun.
"Burgdorf sollte einen Bürgermeister habe, der sich nicht als Parteivertreter versteht, sondern die Stadt gemeinsam voranbringen will", wirbt Nijenhof um Stimmen. Er selbst tritt jetzt als parteiloser Kandidat an, nachdem er zuvor nacheinander bei SPD und CDU aktiv gewesen war.
Sein kommunalpolitisches Engagement hatte er 1994 mit 16 Jahren bei der SPD in Walsrode begonnen. "Mich hat das Agieren der Sozialdemokraten im Nationalsozialismus beeindruckt. Ich bin damals aus dem Geschichtsunterricht gekommen und habe beschlossen, dass ich für die Demokratie eintreten will", beschreibt er seine Motivation.
Er war unter anderem Juso-Vorsitzender in Walsrode und übernahm auch Ämter auf Kreis- und Bezirksebene. Doch das Handeln der Partei und einzelner Akteure habe ihn enttäuscht. 2001 trat er aus und gründete die Junge Union im Heidekreis.
Auch in Burgdorf war er bei der Kommunalwahl 2016 für die CDU angetreten und hatte ein Ratsmandat erhalten. 2017 trat er gemeinsam mit Lukas Kirstein aus der Fraktion aus und gründete die Fraktion der Freien Burgdorfer. Ihnen schloss sich auch Niklas Gottschalk an, der damit aus der Linken-Ratsfraktion mit Michael Fleischmann austrat.