Vertretung für Tageseltern

Um die Kinderbetreuung bei Tagesmüttern und -vätern noch verlässlicher zu machen, will die Stadt ein Vertretungskonzept einführen. (Foto: Pixabay)

Die Politiker im Jugendhilfeausschuss sprechen sich für das neue Konzept der Stadt aus: Betreuung soll noch verlässlicher werden

BURGDORF (fh). Zusätzlich zu den Krippen und Kitas kümmern sich in Burgdorf etwa 30 Tagesmütter und -väter um die Kinderbetreuung vor allem von Null- bis Dreijährigen. Parallel zum Ausbau der Krippengruppen will die Stadt dieses Angebot ebenfalls fördern und erweitern. Zum einen, um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen überhaupt decken zu können, zum anderen, weil die Tagespflege für die Eltern durchaus einige Vorteile bietet: Oft lässt sich dort flexibler absprechen, wann die Kinder gebracht und geholt werden; außerdem schätzen viele die kleinen Gruppen und die familiäre Umgebung.
Doch bisher hat die Kindertagespflege auch einen Schwachpunkt: Denn es gibt dort keine verlässlichen Vertretungsregeln für den Fall, dass eine Tagesmutter oder ein Tagesvater sich krank melden muss. Das will die Stadt jetzt ändern - auch weil sie gesetzlich dazu verpflichtet ist. Sie hat deshalb ein Konzept erarbeitet, dass die Betreuung für die Eltern noch verlässlicher machen soll. Der Jugendhilfeausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür ausgesprochen; die endgültige Entscheidung trifft der Rat am 20. Februar.
Und das hat die Verwaltung vor: Perspektivisch will sie vier Vertretungskräfte anwerben. Sie werden nicht angestellt und von der Stadt auch nicht auf Honorarbasis bezahlt, sondern sind genauso wie auch die regulären Tagesmütter und -väter freiberuflich tätig und erhalten Fördermittel. Die Stadt will für sie einen sogenannten Vertretungsstützpunkt einrichten, bestehend aus zwei 20 Quadratmeter großen Räumen, Küche und Bad. "Das ist erforderlich, weil die meisten Tagespflegepersonen in ihren eigenen vier Wänden arbeiten. Wenn sie krank sind, kann die Betreuung dort natürlich nicht stattfinden", heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.
Insgesamt rechnet die Stadt für das neue Vertretungsmodell mit Kosten von einmalig 15.000 Euro für die Ausstattung der Räume sowie jährlich 125.000 Euro an Personalkosten. Die laufenden Ausgaben würden sich für 2020 noch auf etwa 75.000 Euro halbieren, weil zunächst eine Erprobungsphase mit zwei Vertretungskräften vorgesehen ist. Durch Zuschüsse aus Bundesmitteln könnte sich die finanzielle Belastung für die Stadt zumindest in der Anfangsphase weiter reduzieren.
Bereits Anfang Dezember hatte die Verwaltung das Konzept im Jugendhilfeausschuss vorgestellt - doch die Politiker hatten noch Bedenken geäußert. Vor allem wollten sie wissen, ob die Bedingungen für die Vertretungskräfte einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis ähnelten, sodass die Gefahr einer verbotenen Scheinselbständigkeit bestehe. Nachdem die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung noch einmal ergänzende Infos geliefert hatte und betonte, dass diese Befürchtung unbegründet sei, stimmte der Ausschuss zu.
Tagesvater Marco Henne, der mit seiner Frau eine Großtagespflege in Burgdorf betreibt, wies aber noch auf eine Lücke in dem neuen Konzept hin: Denn die Vertretungsregelung gelte erst einmal nur für einzelne Tagesmütter und -väter. "Großtagespflegestellen sind davon ausgenommen. Sie müssen, wie bisher auch, selbst die Vertretung organisieren und finanzieren", kritisierte er.
Die Stadtverwaltung räumte ein, dass das nicht im Sinne des Gesetzes sei. "Aber bisher konnten wir gar keine Vertretung vorhalten, obwohl wir dazu verpflichtet sind. Jetzt fangen wir erst einmal da an, wo der Bedarf am dringendsten ist, nämlich bei den einzelnen Tagespflegepersonen", betonte Andreas Rühling vom Fachbereich Jugendhilfe. Das jetzige Modell werde nicht der Schlussstrich sein. "Wenn es läuft und wir erste Erfahrungen damit gemacht haben, werden wir es auch auf Großtagespflegestellen ausweiten", stellte Rühling in Aussicht.
Zum Hintergrund: Eine einzelne Tagesmutter beziehungsweise Tagesvater dürfen bis zu fünf Kinder betreuen. In einer Großtagespflege schließen sich hingegen mindestens zwei Pflegepersonen zusammen sowie eine dritte, die bei Bedarf die Vertretung übernimmt. Dort können bis zu zehn Kinder gleichzeitig aufgenommen werden.

Stadt sucht Tageseltern

Wer Interesse hat, als Tagesmutter oder -vater zu arbeiten oder eine Großtagespflege zu eröffnen, erhält weitere Infos bei Andreas Rühling unter Telefon (05136) 898336 oder bei Katrin Böhm unter Telefon (05136) 898348 und kann mit ihnen auch ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren. Voraussetzung für die Tätigkeit ist unter anderem eine sogenannte Pflegeerlaubnis. Ein neuer Qualifizierungskursus, bei dem die Pflegeerlaubnis erworben werden kann, beginnt im März/April in Celle: Er umfasst 160 Unterrichtseinheiten und findet jeweils abends und am Wochenende statt. Weitere Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.burgdorf.de.