„Vernünftige Reformen tun nun einmal weh“

Referent Oswald Metzger (links) mit Mirco Zschoch, Vorsitzender der MIT Burgdorf-Lehrte. (Foto: Sina Balkau)

Oswald Metzger sprach vor Mittelständlern über Reformangst

BURGDORF (sib). Als „Hardcore-Konservativer“ beschrieb er sich an einer Stelle seines Vortrags „Reformangst trifft auf Reformzwang“, den er im Landhotel Moormühle hielt. Doch damit traf es Oswald Metzger nicht wirklich. Vielmehr bewies der ehemalige haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“, der seit 2009 im Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftvereinigung der CDU/CSU (MIT) sitzt, dass er seinen eigenen Kopf hat. Pointiert und kurzweilig sprach er unter anderem über die Glaubwürdigkeit von Politikern, Rentenansprüche sowie Bildungsgutscheine.
Klar, kritisch, konsequent – so beschreibt sich der freie Publizist Oswald Metzger auf seiner Homepage. Rund 60 Mittelständler und andere politisch Interessierte waren der Einladung der CDU Burgdorf und des MIT Kreisverbandes Hannover-Land gefolgt, um sich selbst ein Bild von dem Mann zu machen, der 2008 nach 20 Jahren Grünen-Zugehörigkeit zur CDU wechselte.
Zwei Stunden lang legte Metzger seine Ansichten zum Thema Reformen dar, und das im breitesten schwäbischen Dialekt. „Der Staat hat über viele Jahre mehr ausgegeben als er eingenommen hat“, sagte Metzger, der als Finanzexperte gilt. Es müsse dringend gespart werden - und das tue nun einmal weh.
Ein Beispiel dafür sei die aktuelle Rentendiskussion: Im Wahljahr 2009 sei der entscheidenden Wählergruppe der Rentner eine Rentengarantie gegeben worden. Im selben Jahr seien jedoch die Bruttolöhne der deutschen Arbeitnehmer gesunken, nach der Rentenformel müssten die Renten nun in eben diesem Umfang sinken. „Wenn die Jungen weniger haben, müssen sich die Älteren auch mit weniger zufrieden geben. Die meisten würden das sicherlich auch verstehen, wenn es ihnen vernünftig erklärt würde. Das tut man aber nicht, ich finde, das ist Volksverdummung“, so Oswald Metzger. Um glaubwürdig zu bleiben, sollten aber auch die Bundestagsmitglieder ihre Rentenansprüche überdenken. Schließlich könne man nichts vom Bürger erwarten, was man selbst nicht zu leisten bereit sei.
Mit dem Bildungsgutschein sprach der 55-Jährige ein weiteres brandaktuelles Politikum an. „Wenn wir im Bildungsbereich nichts tun, wird die mentale und materielle Armut weiter wachsen. Was wir brauchen, ist eine vernünftige Strategie, die schon in der frühkindlichen Erziehung ansetzt.“ Bildungsgutscheine seien zum Beispiel so eine Strategie. „Statt Geldleistungen in die Familien zu pumpen, wird Bildung direkt bezahlt. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun“, findet der Referent.
Es gab aber auch Themenbereiche, zu denen Metzger eine ganz und gar CDU-unkonforme Meinung vertrat. So lehnt er die Verlängerung der Atomkraftlaufzeiten strikt ab, außerdem fordert er eine Erhöhung der Erbschaftssteuer im Privatbereich. „Das ist in der Union überhaupt nicht mehrheitsfähig“, so der ehemalige Grünen-Politiker.
Diese Ehrlichkeit nahm ihm sein Publikum aber alles andere als übel, belohnte sie stattdessen mit aufmerksamer Stille und immer wieder beifälligem Applaus. „Sie haben uns aus der Seele gesprochen, wenn Sie auch einige Dinge kontrovers diskutiert haben. Ihr Vortrag war von einer erfrischenden Offenheit und Stringenz, die so nicht immer zu erkennen ist“, bedankte sich Mirco Zschoch, Vorsitzender der MIT Burgdorf-Lehrte, bei Oswald Metzger.