Verdi demonstriert auf dem Spittaplatz

Thomas Schaar spricht auf dem Spittaplatz vor den Streikenden.
 
Rund 400 Streikende kommen zur zentralen Kundgebung auf dem Spittaplatz zusammen.

400 Teilnehmer aus dem ganzen Altkreis / In Burgdorf bleiben mehrere Kitas geschlossen

Burgdorf (fh). Im Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Verdi und den kommunalen Arbeitgebern haben sich am Donnerstagvormittag rund 400 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zu einer zentralen Kundgebung auf dem Spittaplatz versammelt. Sie kamen nicht nur aus Burgdorf, sondern auch aus Burgwedel, Isernhagen, Lehrte, Sehnde, Uetze, Langenhagen und der Wedemark. „Wir halten den Laden am Laufen, auch unter den erschwerten Bedingungen während der Corona-Pandemie“, sagte Thomas Schaar, der für Verdi Mitglied der Verhandlungskommission auf Bundesebene ist.
In seiner Rede rief er in Erinnerung, dass während des Lockdowns im März und April, viele Menschen Abend für Abend am offenen Fenster applaudiert hätten – als Dank an das medizinische Pflegepersonal, aber ebenso an die Erzieher in den Notbetreuungen der Kitas und viele weitere systemrelevante Berufsgruppen. „Wir sind unverzichtbar. Und Applaus alleine reicht nicht aus. Wo ist eure Wertschätzung, liebe Arbeitgeber?“, fragte Schaar. Diese müsse sich auch auf der Gehaltsabrechnung und bei den Arbeitsbedingungen bemerkbar machen, forderte er. Ganz ähnlich äußerten sich der Personalratsvorsitzende der Stadt Burgdorf Christioph Engelen und die Gesamtpersonalratsvorsitzende der Stadt Lehrte Andrea Jeschke in ihren Reden.
Bei der Stadt Burgdorf streikten am Donnerstag nach Angaben der Verwaltung insgesamt rund 60 Mitarbeiter, eine endgültige Auswertung lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor. In der Kernverwaltung, also in den Fachabteilungen der Rathäuser, habe es kaum Arbeitsniederlegungen gegeben. In erster Linie seien die Kindertagesstätten und der Bauhof betroffen gewesen.
Für Eltern gab es laut Stadtsprecher Sebastian Kattler deshalb erhebliche Einschränkung bei der Kinderbetreuung: Komplett geschlossen waren die Kitas Südstern, Ramlingen-Ehlershausen und Sorgensen. In der Kita Weststadt blieben Krippe und Hort dicht, Kindergartenkinder wurden aber in zwei Gruppen betreut. In der Freibad-Kita waren drei Notgruppen für maximal zehn Kinder eingerichtet. Nur die städtischen Kitas an der Gartenstraße, in Otze und in Schillerslage waren normal geöffnet.
Auch der Abfallentsorger Aha, als kommunaler Zweckverband von Region und Landeshauptstadt Hannover, wurde erneut bestreikt. Am Freitag, 9. Oktober, war deshalb bereits die Restmüll­abfuhr in Burgdorf ausgefallen. Und auch diesmal machte sich das vor Ort bemerkbar: Deponie und Wertstoffhof an der Steinwedeler Straße haben am Donnerstag nicht geöffnet.
Verdi fordert für die Beschäftigten der Kommunen unter anderem eine Anhebung der Einkommen um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lehnt das ab. „Die Lage der kommunalen Arbeitgeber ist wegen der Corona-Krise dramatisch. Wir haben massive finanzielle Einbrüche zu verzeichnen. Die Kassen sind leer, einen Verteilungsspielraum sehe ich nicht“, wird der VKA-Präsident Ulrich Mädge in einer Pressemitteilung der Vereinigung zitiert. Auch nach dem zweiten Verhandlungsdurchgang vor vier Wochen war keine Einigung in Sicht. „Insgesamt bleiben die Gewerkschaftsforderungen für uns viel zu teuer“, so die Begründung. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 22. und 23. Oktober angesetzt.
Vorher hat Verdi nun noch einmal Druck gemacht – auch in Burg­dorf. „Die Vorstellungen der Arbeitgeber sind abenteuerlich und ein Schlag ins Gesicht für uns“, sagte Gewerkschaftssekretär Dirk Reimers bei der Kundgebung auf dem Spittaplatz und ergänzte: „Wir sind in der Lage und Willens, trotz der Corona-Epidemie, unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen, für unseren Tarifvertrag auf die Straße zu gehen!“
Die Streikenden hatten sich gegen 8.45 Uhr am Bahnhof getroffen. Von dort aus führte dann ein Demon­strationszug zum Spittaplatz, wo sich ab etwa 9.30 Uhr die zentrale Kundgebung anschloss. Bevor sie die Veranstaltung dort nach knapp zwei Stunden offiziell beendeten, machten sie noch einen Abstecher zur Stadtsparkasse an der Marktstraße, die ebenfalls vom Tarifkonflikt betroffen ist. Nach der Veranstaltung zog Reimers ein positives Fazit: „Wir sind mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden und die Stimmung war toll!“