Urlaub vom Kita-Alltag?

Das Spielen mit Gleichaltrigen macht Spaß, ist aber auch anstrengend. Die Stadt Burgdorf will in ihren Kitas deshalb eine zweiwöchige Sommerschließzeit einführen, damit alle eine gemeinsame Pause haben. (Foto: Symbolbild/Pixabay)
 
Der Vorsitzende des Stadtkitabeirates lehnt die Einführung einer Sommerschließzeit ab. (Foto: privat)

Kommunalpolitiker diskutieren über die Einführung einer Sommerschließzeit

Burgdorf (fh). Schüler haben regelmäßig Ferien, um sich vom Unterricht zu erholen und einmal kräftig durchzuatmen, bevor es wieder weitergeht. Aber brauchen kleinere Kinder auch eine gemeinsame Pause von der Kita? Ist es von Vorteil, wenn die Einrichtungen im Sommer zwei Wochen lang schließen? Oder sollen die Eltern selbst entscheiden können, wann und wie lange sie sich mit den Kindern eine Auszeit nehmen und vielleicht auch in den Urlaub fahren?
Mit diesen Fragen setzen sich zur Zeit die Burgdorfer Kommunalpolitiker auseinander. Eigentlich wollten sie bereits bei der jüngsten Ratssitzung Ende Mai darüber abstimmen. Doch die Entscheidung wurde vertragt und soll nun am 9. Juli fallen. Vorher will der Jugendhilfeausschuss das Thema noch einmal bei einer Sondersitzung erörtern. Sie beginnt am Donnerstag, 25. Juni, um 18 Uhr im Stadthaus, Sorgenser Straße 31. Bis dahin erhofft sich die Ausschussvorsitzende Christiane Gersemann in einigen Punkten mehr Klarheit. Die Politiker wollen unter anderem wissen, wie viel die Stadt durch Einführung einer Sommerschließzeit sparen könnte.

Notbetreuung mit 110 Plätzen

Wenn die Politiker dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen, würde sich die Zahl der Schließtage in den städtischen Kitas ab 2021 in etwa verdoppeln. Bisher sind sie zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen sowie vereinzelt für Fortbildungen, Personalversammlung und Betriebsausflug. Insgesamt summiert sich das auf durchschnittlich zehn bis elf Tage pro Jahr, zusammen mit der Sommerschließzeit wären es künftig 20 bis 21.
Um den Eltern entgegenzukommen, plant die Stadt eine Notbetreuung für Familien, die während der zwei Wochen im Sommer keine private Betreuung sicherstellen können. Rund 700 Kinder besuchen in Burgdorf derzeit eine städtische Kita, in der Notbetreuung sollen zunächst 110 Plätze zur Verfügung stehen. Falls das nötig erscheine, könne aufgestockt werden.
Aus pädagogischen Gründen werde die Notbetreuung allerdings nur für Kindergarten-, nicht aber für Krippenkinder angeboten. Und wer für sein Kind einen der Plätze in Anspruch nehmen möchte, muss einen Nachweis des Arbeitgebers vorlegen, dass er in dieser Zeit keinen Urlaub nehmen kann. Einige Plätze werden außerdem für Notfälle freigehalten, um sie kurzfristig zu vergeben, wenn Eltern beispielsweise erkranken.

Stadtkitabeirat hat Eltern befragt

Dem Stadtkitabeirat reicht das nach eigenem Bekunden nicht aus. „Die Elternvertreter bleiben bei ihrem ‚Nein‘ zur Einführung einer Sommerschließzeit“, macht der Vorsitzende Fabian Schwelgin deutlich. Dabei stützt er sich auch auf das Ergebnis einer anonymen Umfrage, die der Stadtkitabeirat vom 11. bis 29. März in den acht städtischen Kitas durchgeführt hat. Nach Aussage von Schwelgin haben daran 161 Elternteile, 18 Erzieher und 40 Interessierte teilgenommen. Rund 88 Prozent von ihnen lehnten die zweiwöchige Pause ab.
Angeführt wird vor allem, dass die Summe der Schließzeiten im Verhältnis zum gesetzlichen Urlaubsanspruch der Eltern zur groß sei. Für berufstätige Eltern sei das schwer zu organisieren. Und selbst wenn es gelinge, müssten die Familien ihre Reisen dann in die besonders teure Sommerferienzeit legen. Das gleiche gelte auch für die Erzieherinnen und Erzieher, sofern sie nicht in der Notbetreuung zum Einsatz kämen.

„Kinder brauchen Kita-Pause“

Die Stadt argumentiert hingegen, dass Kinder ein Recht auf Erholung vom Kita-Alltag hätten. Auf die Sommerpause könnten sich Kinder und Erzieher vorher gemeinsam freuen, hinterher kehrten dann alle gleichzeitig erholt in die Einrichtung zurück. Das gebe dem Kita-Jahr eine Struktur. Und weil damit bereits ein nennenswerter Anteil ihres Jahresurlaubs abgegolten sei, seien die Erzieher außerhalb dieser Zeit kontinuierlicher in der Einrichtung. Somit seien weniger personelle Engpässe zu erwarten. Außerdem gebe es für die Kinder weniger Wechsel bei den Bezugspersonen.
Auch der Stadtkitabeirat plädiert dafür, den Kindern möglichst wenig Wechsel bei den Betreuern zuzumuten. Allerdings zieht er daraus ganz andere Schlüsse: Er verweist dabei vor allem auf die Kinder, die einen Platz in der Notbetreuung bräuchten. Sie würden in dieser Zeit teilweise in einer ungewohnten Umgebung von anderen Erziehern betreut. „Das wäre für diese Kinder eine große Belastung“, argumentiert der Elternvertreter Fabian Schwelgin.
Und das Recht der Kinder auf eine Erholungspause werde auch ohne eine Sommerschließzeit gewahrt, betont er mit Blick auf die Umfrageergebnisse. Etwa 84 Prozent der befragten Elternteile hätten angegeben, dass ihr Kind mehr als 15 Tage pro Jahr „kitafrei“ habe, bei fast 70 Prozent seien es sogar mehr als 20 Tage. Allerdings sollten die Eltern das frei planen können.

Wie viele Geld könnte die Stadt sparen?


Die Idee einer Sommerschließzeit ist indes nicht neu: In vielen Nachbarkommunen gibt es sie bereits, ebenso bei Burgdorfer Kitas in freier Trägerschaft. Bereits im Haushaltssicherungskonzept 2018 hatte sich der Rat auch für die städtischen Einrichtungen eine dreiwöchige Sommerpause gewünscht. Damals rechnete die Verwaltung mit einem Einsparpotenzial von jährlich rund 280.000 Euro.
Anfang dieses Jahres hat sie nun ihr Konzept dafür vorgelegt: Demnach soll die Pause allerdings nicht drei, sondern nur zwei Wochen dauern. Darauf habe man sich mit dem Personalrat verständigt, der bemängelt hatte, dass sonst bereits ein Großteil der Urlaubstage der Mitarbeiter gebunden sei. Wie viel Geld nun tatsächlich eingespart werden könnte, wird in der Beschlussdrucksache nicht aufgeführt. „Wir rechnen zwar mit Einsparungen, können sie aber noch nicht genau beziffern“, sagt Stadtsprecher Sebastian Kattler. Die Fachabteilung rechne das jetzt nach und wolle die Frage bei der nächsten Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses beantworten.