Unermüdlich gegen Rassismus

Positionieren sich mit den neuen Trikots deutlich gegen Rassismus und Gewalt: Trainer Jan Lindner (von links), Spenderin Inke Stern, die Spieler Sidan Alatas, Dominik Lowag, Jonas Haeber und Diyar Özden sowie Trainer André Lowag. (Foto: Mark Bode)
 
Kapitän Jonas Haeber führt das neue Trikot vor. (Foto: Mark Bode)

Die A-Jugend des SV Ramlingen/Ehlershausen erhält neuen Trikotsatz und Trainingsjacken

Ramlingen/Ehlershausen (fh). Mal ist es ein dummer Spruch, mal eine gezielte Beleidigung: Immer wieder werden Fußballspieler mit ausländischem Aussehen auf dem Spielfeld angefeindet. Dagegen setzt sich der SV Ramlingen/Ehlershausen (RSE) seit rund 20 Jahren mit dem Slogan „Gemeinsam gegen Rassismus und Gewalt“ zur Wehr. Kürzlich hat die A-Jugend-Mannschaft nun einen neuen Trikotsatz und Trainingsjacken mit diesem Aufdruck erhalten. Inke Stern, die Schwiegertochter des Vereinsvorsitzenden, hatte dafür zu ihrem 50. Geburtstag auf Geschenke verzichtet und die Gäste stattdessen um eine Spende für das Projekt gebeten. Insgesamt kam eine niedrige vierstellige Summe zusammen, von der nun Trikots, Hosen, Stutzen und Trainingsjacken gekauft und beflockt wurden.
Sie hatte damit eine Idee ihres Schwiegervaters Jürgen Stern aufgegriffen: Anlässlich seines 75-jährigen Geburtstags hatte er der A-Jugend vor anderthalb Jahren schon rote Ausweichtrikots mit dem Slogan spendiert; nun sind auch ihre grünen Heimtrikots entsprechend bedruckt. "Sie können bei Spielen jetzt also immer ein Zeichen gegen Rassismus setzen, egal in welcher Farbe die gegnerische Mannschaft aufläuft", sagt Jürgern Stern.
Er hat die Aktion vor 19 Jahren initiiert, kurz nachdem er Vereinsvorsitzender geworden war. "Schon damals haben sich Jugendtrainer bei mir beschwert, dass Spieler mit ausländischem Namen oder Aussehen immer wieder beschimpft werden", erinnert er sich. Da sei ihm bewusst geworden, wie wichtig dieses Thema im Fußball sei. Er ließ deshalb unter anderem Banden am Spielfeldrand anbringen, auf denen der Slogan „Gemeinsam gegen Rassismus und Gewalt“ zu lesen war. Sie hängen dort bis heute und wurden erst kürzlich noch einmal erneuert.
Denn auch rund zwei Jahrzehnte später bestehe das Problem fort und habe sich nicht wesentlich geändert. Noch immer würden Jugendliche mit Migrationshintergrund als "Scheiß Ausländer" beschimpft, selbst wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben und hier geboren sind. "Manchmal provoziert die andere Mannschaft sie sogar ganz bewusst, damit sie sich wehren und dann eine Rote Karte bekommen", schildert Stern. Und die Anfeindungen kämen nicht nur von den gegnerischen Spielern, sondern manchmal auch von deren Eltern oder anderen Zuschauern.
Lassen sich auch die eigenen Mitglieder und Spieler zu solchen Bemerkungen hinreißen? Wie sehr dem Vorsitzenden das Thema am Herzen liegt, wird an seiner spontanen Reaktion auf diese Frage deutlich: "Wenn das bei uns ein grundsätzliches Problem wäre, würde ich mein Amt zur Verfügung stellen", sagt Jürgen Stern klipp und klar. Doch für die Kampagne gegen Rassismus gebe es eine breite Unterstützung innerhalb des RSE. "Alle stehen voll hinter diesem Gedanken", zeigt er sich überzeugt. Und im Laufe der Jahre habe sich die Aktion verselbständigt, auch losgelöst vom Vorstand. "Etliche Trainer gehen immer wieder gegen rassistische Anfeindungen an. Darauf bin ich wirklich stolz", betont er.
Auch er selbst bleibe bei diesem Thema unermüdlich am Ball - nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch an der Theke und im Gespräch mit Freunden und Bekannten. "Rassistische Bemerkungen höre ich so oft, dass es erschreckend ist. Zum Teil sind sie leichtfertig dahin gesagt, zum Teil kommen sie aus tiefster Überzeugung", schildert Stern. So oder so setze er sich dagegen zur Wehr. "Denn nicht mal zum Spaß sollte man so etwas sagen", stellt der RSE-Vorsitzende klar und appelliert: "Wir müssen immer wieder zeigen, dass wir Rassismus nicht dulden, ob als Privatperson oder als Verein."