„Trialog in Yad Vashem“- vom großen Unglück im Heiligen Land

Judith Rohde (li.), die designierte Vorsitzende des Burgdorfer Arbeitskreises „Gedenkweg 9. November“, mit Henning Niederhoff (li.) bei der Vorstellung seines eben erschienenen Buches „Trialog in Yad Vashem“ im ökumenischen „Benefizz“-Laden Burgdorf. (Foto: Georg Bosse)

Lesung von Henning Niederhoff im Benefizz-Laden

BURGDORF (gb). Als Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung war Henning Niederhoff von 1996 bis 2000 sowie als Sonderbotschafter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) von 2000 bis 2002 in Palästina tätig und initiierte dort ein Begegnungs- und Verständigungsprojekt zwischen Palästinensern, Israelis und Deutschen. Historisch sind diese drei Völker durch ihre jeweilige Geschichte miteinander verknüpft. Niederhoffs Versuch Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionszugehörigkeit und Kultur ins persönliche Gespräch zu bringen, hat der aus Lüneburg stammende Träger des Bundesverdienstkreuzes in seinem authentischen Bericht „Trialog in Yad Vashem“ ausführlich beschrieben. In der vergangenen Woche stellte Henning Niederhoff sein Buch, das von DER ZEIT als „ungewöhnliche und bewegende Chronik des Nahost-Konflikts“ gewürdigt wurde, im ökumenischen „Benefizz“-Laden in Burgdorf vor.
Um die häufig nicht berücksichtigten Hintergründe des immer noch andauernden Krieges im Heiligen Land zu beleuchten, griff Niederhoff auf die mittelalterliche (um 1300) „Ebstorfer Weltkarte“ (Mappa mundi) zurück. Die Karte, die die Welt noch als Scheibe zeigt, ist kein geografisch korrekter Atlant, sondern spiegelt das christliche Weltbild mit seinem damaligen historischen, mythologischen und theologischen Wissen wider – mit Jerusalem im Zentrum der Erde. Auch das jüdische und islamische Weltbild hat die „heilige Stadt“ (Felsendom) Jerusalem zum Mittelpunkt.
Ebenso wenig wie die Kreuzzüge des christlichen Abendlandes bei den muslimischen Menschen des Morgenlandes noch lange nicht vergessen sind, sind auch die schmerzhaften Erinnerungen an „Holocaust“, „Shoa“ und „Nakba“ längst nicht erloschen. Während Holocaust die systematische industrielle Ausrottung der europäischen Juden durch die verbrecherischen Nazis meint, bezeichnen die Israelis diesen Völkermord mit dem säkularen hebräischen Begriff „Shoa“ (Zerstörung/große Katastrophe). Als große Katastrophe und einzigartiges Unglück empfinden die Palästinenser ihre „Nakba“ (arab. für „Katastrophe/Unglück“). Damit ist die Flucht und Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus Palästina bei der Staatsgründung Israels im Mai 1948 gemeint.
Henning Niederhoff, der während seines Aufenthalts in Palästina Miriam Blumenthal kennen lernte, die ihm das Manuskript ihres da bereits verstorbenen Mannes, Ernst Pinchas Blumenthal, überließ, aus dem später der Burgdorfer Roman „Die gläserne Wand“ entstehen sollte, bewegte sich beim ersten gemeinsamen Besuch von Israelis, Palästinensern und Deutschen in der Judenvernichtungs-Gedenkstätte „Yad Vashem“ (hebrä. für „Denkmal und Name“) auf einem politischen und emotionalen Minenfeld. „Aber es klappte, bei den Teilnehmern dieses Trialogs Empathie füreinander zu wecken sowie durch sehr persönliche Gespräche gegenseitiges Verständnis und Verständigung zu fördern. Mein Buch beschreibt nur eine winzige Friedensmaßnahme. Entgegenkommende Begegnungen zwischen den Menschen im „Heiligen Land“ sind durch israelische Mauern und Zäune fast unmöglich geworden. Deshalb bleibt die aktuelle Lage im Nahen Osten weiterhin nahezu sprach- und hoffnungslos“, so Niederhoff.
Das Buch „Trialog in Yad Vashem“ ist im LIT-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro. Der Burgdorfer „Benefizz“-Laden in der „Hannoverschen Neustadt“ hat Exemplare zum Kauf vorrätig.