Trauer um Wolf Büttner

Bis zuletzt hat sich Wolf Büttner im Seniorenrat engagiert. (Foto: Archiv/Franka Haak)

Der langjährige Vorsitzende des Burgdorfer Seniorenrates ist im Alter von 85 Jahren gestorben

BURGDORF (fh). Zeitlebens hat sich Wolf Büttner für soziale Gerechtigkeit eingesetzt, bis zuletzt war er ehrenamtlich im Seniorenrat aktiv: Am vergangenen Wochenende ist er im Alter von 85 Jahren gestorben, nachdem er mit dem Fahrrad gestürzt war. Er verunglückte am Donnerstagvormittag auf dem Weg zu einer Verabredung mit der neuen Vorsitzenden des Seniorenrates Monika Lass. Erst im März hatte sie das Amt von ihm übernommen. „Er wollte mir Flyer übergeben und einige Dinge besprechen“, schildert sie. Als er fünf Minuten nach der verabredeten Zeit noch nicht eingetroffen war, habe sie sich gewundert, nach einer Viertelstunde sei sie beunruhigt gewesen. „Er war immer zuverlässig und meistens überpünktlich. Die Verspätung passte einfach nicht zu ihm“, so Lass.
Vor 13 Jahren hat Wolf Büttner den Seniorenrat initiiert, um für die Interessen älterer Menschen in Burgdorf einzutreten und ihre Lebensqualität zu verbessern: Sichtbare Zeichen seines Wirkens sind unter anderem der Aktivpark mit Fitnessgeräten im Stadtpark und der Defibrillator am Spittaplatz. Aber auch für altersgerechtes Wohnen, behindertengerechte öffentliche Toiletten und eine barrierefreie Innenstadt mit möglichst leicht zugänglichen Geschäften hat er sich eingesetzt.
Eine Herzensangelegenheit war ihm außerdem die Notfallkarte, die der Seniorenrat im vergangenen Jahr zusammen mit dem DRK-Rettungsdienst und den regionalen Krankenhäusern entwickelt hatte. Die rote Plastikkarte passt in jedes Portemonnaie und enthält einen ausklappbaren USB-Stick, auf dem wichtige Informationen für den Notfall abgespeichert werden können, beispielsweise Arztbriefe mit Diagnosen, Medikamentenlisten und Kontaktpersonen.
In den zurückliegenden Monaten habe er sich dann besonders intensiv dem Thema „Vereinsamung im Alter“ gewidmet. „Wir waren gerade dabei, ein Projekt zur aufsuchenden Betreuung auf den Weg zu bringen, um auch diejenigen zu erreichen, die kaum noch aus dem Haus kommen und wenig Kontakte haben“, schildert Manfred Kuchenbecker, der seit fünf Jahren im Seniorenrat mitarbeitet.
Er kannte Wolf Büttner bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit in der SPD-Fraktion im Burgdorfer Rat in den achtziger Jahren. Von 1972 bis 1986 war Büttner gewähltes Mitglied und mehrere Jahre lang Fraktionsvorsitzender. Schon damals habe er die Charakterzüge gehabt, die ihn bis zuletzt auszeichneten: „Er hat immer mit offenem Visier diskutiert, war fordernd und herausfordernd, aber nie feindselig“, beschreibt Kuchenbecker. Besonders habe ihn fasziniert, wie intensiv und durchgängig Büttner im Laufe der Jahrzehnten bei den Themen am Ball geblieben sei, die ihm wichtig waren. „Er hat gesehen, wo es Probleme gibt im Kleinen und im Großen und hat sich ihnen dann angenommen“, so Kuchenbecker. Dabei habe ihn vor allem ein starkes Gerechtigkeitsempfinden geleitet.
Dem pflichtet auch der ehemalige Bürgermeister Alfred Baxmann bei, der Wolf Büttner schon seit mehr als 50 Jahren kannte. „Er war nicht nur ein langjähriger politischer Wegbegleiter, sondern auch einer meiner engsten Freunde“, betont er. Zusammen hätten sie beispielsweise Tennis gespielt und seien surfen gegangen. „Und mit unseren Familien haben wir gemeinsame Ferientage verbracht“, blickt Baxmann zurück.
Ganz besonders habe er bei Wolf Büttner eine Tugend geschätzt, die seiner Ansicht nach heute zusehends verloren gehe: „Er war streitbar im positivsten Sinne des Wortes“, sagt Baxmann. In jungen Jahren hätten sie nächtelang diskutiert. „Sehr kontrovers, aber immer mit großer gegenseitiger Wertschätzung“, betont er. Büttner sei seinem Gegenüber dabei stets offen und vorurteilsfrei begegnet. „Arroganz und Dünkel waren ihm ein Gräuel“, so der ehemalige Bürgermeister. 
Im Bezug auf seine Ziele sei Wolf Büttner zugleich beharrlich und ungeduldig gewesen. „In meinen letzten Jahren als Bürgermeister, ist er oft mit einer To-do-Liste zu mir ins Büro gekommen“, erinnert sich Baxmann. Dabei habe er aber nie einseitig Forderungen an die Stadt gestellt, sondern immer auch aufgezeigt, was er selbst und was der Seniorenrat dazu beitragen könnten.
So beschreibt ihn auch Monika Lass, die im vergangenen Oktober neu in den Seniorenrat gewählt worden war: Seitdem hat sie zunächst als seine Stellvertreterin, dann als seine Nachfolgerin an der Spitze des Gremiums eng mit Wolf Büttner zusammengearbeitet.
„Von Anfang an ist mir aufgefallen, dass er als Vorsitzender immer versucht hat, die anderen mit einzubeziehen und Entscheidungen nicht alleine zu treffen“, sagt sie. Auf sein Wort habe man sich verlassen können. „Er war hoch engagiert und hat sich vor allem für die Menschen eingesetzt, die sich selbst nicht so verteidigen können“, betont sie.