Trauer um Bernhard Kracke

Der Ortsvorsteher von Weferlingsen Bernhard Kracke ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Seit rund 25 Jahren hat er federführend den Aue-Cup mit Feuerwehrwettkampf und Dorffest organisiert. (Foto: Christian July/privat)

Der Ortsvorsteher von Weferlingsen ist im Alter von 67 Jahren gestorben

Weferlingsen (fh). Bernhard Kracke hat sich jahrzehntelang mit großem Engagement für sein Heimatdorf eingesetzt – jetzt ist der Ortsvorsteher von Weferlingsen im Alter von 67 Jahren gestorben. „Sein Engagement, sei es in der Feuerwehr oder als Ortsvorsteher, ist überall auf große Akzeptanz und Anerkennung gestoßen. Als Ortsvorsteher hat er das Dorfleben wesentlich geprägt und einen wichtigen Beitrag für die Dorfgemeinschaft geleistet“, würdigt Bürgermeister Armin Pollehn. Und auch der ehemalige Ortsbrandmeister von Weferlingsen Otto Bethmann betont: „Er hat wirklich viel für das Dorf bewirkt und in seinem Ehrenamt weit mehr getan als seine Pflicht!“
Kracke war seit 1996 Ortsvorsteher und hat dieses Ehrenamt bis zu seinem Tod fast 25 Jahre lang ausgeübt. Ungefähr genauso lange gibt es auch schon den Aue-Cup, den er damals mit initiiert hatte und seitdem federführend organisierte. Der alljährliche Feuerwehrwettkampf mit den traditionellen Eimerspielen und einem großen Dorffest lag ihm ganz besonders am Herzen. Schon mehrfach hatte er angekündigt, diese Aufgabe abgeben zu wollen. Doch letztlich ließ er sich immer wieder überreden und machte weiter.
Sein Einsatz ging dabei weit über die eigentliche Organisation der Veranstaltung hinaus. „Er hat zum Beispiel die Feste in den anderen Dörfern besucht, damit die Leute dann auch zu uns nach Weferlingsen kommen“, erinnert sich Christian July, der bei der Ortsfeuerwehr aktiv ist. Und das offensichtlich mit Erfolg: So waren die rund 270 Einwohner regelmäßig in der Minderheit, wenn im August um die 1000 Besucher zu der Veranstaltung strömten.
Für seine Verdienste um den Aue-Cup und damit auch um das Ansehen der Feuerwehr wurde Kracke 2012 mit der Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen in Bronze ausgezeichnet. In die Ortsfeuerwehr Weferlingsen war er 1970 mit 16 Jahren eingetreten und wurde bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2020 für seine 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Im Laufe der Zeit hatte er den Dienstgrad 1. Hauptfeuerwehrmann erreicht und war seit 2015 als Kassenwart außerdem Mitglied des Ortskommandos.
Die Feuerwehr hatte auch deshalb einen hohen Stellenwert für Kracke, weil sie nicht nur den Brandschutz in Weferlingsen sicherstellt, sondern auch ein wichtiger Teil der Dorfgemeinschaft und das Feuerwehrhaus ein zentraler Treffpunkt ist. Andere größere Vereine gibt es in Weferlingsen nicht. Um die Menschen zusammenzubringen, hat Kracke dort einmal im Monat einen Seniorennachmittag veranstaltet und im Dezember eine Weihnachtsfeier für Kinder und Familien, zu der manchmal fast das halbe Dorf kam. „Dabei hat ihn seine Frau immer unterstützt. Sie waren ein tolles Team“, betont der ehemalige Stadtbrandmeister Alfred Brönnemann.
Die beiden seien auch regelmäßig gemeinsam durch den Ort gegangen, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. „Er hat sich sehr gut um das Dorf gekümmert und hinterlässt eine große Lücke“, sagt Brönnemann und ergänzt: „Da müssen sich jetzt mehrere engagieren. Einer allein kann all das gar nicht auffangen.“
So habe Bernhard Kracke auch immer ein offenes Ohr für die Anliegen und Sorgen der Einwohner gehabt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um schnell eine Lösung zu finden. „Er war ein Mensch der leisen Töne und er wusste, welche Strippen er im Zweifelsfalls ziehen muss“, beschreibt July. Deshalb hätten sich die Weferlingser auch nie für einen gewählten Ortsrat stark gemacht. „Wir konnten uns darauf verlassen, dass Bernhard das schon für uns organisiert“, so July. Er sei immer präsent und für alle ansprechbar gewesen, für die älteren Einwohner genauso wie für Kinder und Jugendliche.
Außerdem interessierte sich Kracke für die Dorfgeschichte. So hat er beispielsweise die Chronik der örtlichen Grundschule aufbereitet, die es bis zur Gebietsreform 1974 gab. Außerdem arbeitete er an einer Historie der alten Weferlingser Häuser und Höfe. „Bei all dem hat ihn vor allem die Liebe und Verbundenheit zu Weferlingsen angetrieben“, sagt der ehemalige Stadtbrandmeister Heinrich Schlumbohm.
Die beiden waren schon seit der Schulzeit befreundet, haben gemeinsam ihre Ausbildung absolviert und später zusammen das Fachabitur nachgeholt. „Ich habe mit ihm einen guten Kumpel verloren, den vor allem seine offene und direkte Art und seine Ehrlichkeit ausgezeichnet haben“, so Schlumbohm.
Bernhard Kracke ist in Weferlingsen aufgewachsen. Sein Vater war Tischler und die Familie hat einen kleinen Tante-Emma-Laden im Dorf betrieben. 1976 heiratete er seine Frau Regina. Sie haben eine Tochter und zwei Enkelkinder. Kracke hatte eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker bei der Deutschen Bundespost absolviert und war später bei den Nachfolgeunternehmen Deutsche Telekom AG und T-Systems tätig. 2007 ist er in den Ruhestand gegangen.