Trauer im kleinsten Kreis

In den Friedhofskapellen dürfen Trauerfeiern wegen der Ansteckungsgefahr zur Zeit nicht stattfinden. (Foto: privat)

Nur engste Angehörige und Freunde des Verstorbenen dürfen an Beerdigungen teilnehmen / Zeremonien finden zur Zeit nicht in den Kapellen statt

BURGDORF (fh). Seit einer Woche hat sich auch das tägliche Leben vieler Burgdorfer drastisch verändert: Aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus erleben sie in vielen Bereichen Einschnitte, die weit hineinreichen in die zwischenmenschlichen Beziehungen und die persönliche Lebensführung. Der Ehepartner kann nicht im Krankenhaus besucht werden, mit den hochbetagten Eltern im Senioren- oder Pflegeheim lässt sich nur noch telefonisch Kontakt halten - und auch Beerdigungen sind im Moment nicht so möglich, wie viele Menschen es gewohnt sind und es sich für ihren verstorbenen Angehörigen wünschen.
Denn die Trauerfeiern können gemäß dem Erlass der Landesregierung bis zum 18. April nicht mehr in den Friedhofskapellen oder Kirchen stattfinden. Nur die engsten Familienangehörigen und Freunde dürfen zu den Beisetzungen kommen und im kleinsten Kreis unter freiem Himmel Abschied nehmen. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sollen sie dabei nach Möglichkeit außerdem Abstand voneinander halten. "Für Angehörige ist das eine emotionale Zumutung. Aber die Maßnahmen sind erforderlich und wir tun alles dafür, um in dieser schwierigen Situation einen würdevollen Abschied zu ermöglichen", sagt Pfarrer Martin Karras von der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde.
Bei Urnenbestattungen bespreche er mit den Angehörigen, ob sich die Beisetzung noch hinausschieben lasse. Wenn das nicht möglich oder nicht gewollt ist, versuche er bei der Gestaltung der Trauerfeier trotz aller Einschränkungen ihre Wünsche soweit es geht, zu berücksichtigen. Ein Problem sei dabei vor allem die musikalische Begleitung, weil im Freien keine Orgel zur Verfügung steht. Bisher hätten aber alle Familien, die der begleite, großes Verständnis gezeigt. "Sie sind sich der Probleme bewusst und zeigen ein großes Verantwortungsbewusstsein", so Karras.
Das bestätigt auch der Burgdorfer Bestatter Thorsten Volkmann. "Wenn ich beschreibe, was im Moment alles nicht geht, sind viele erst einmal bestürzt", berichtet er. Besonders schwer sei das für zwei Familien gewesen, mit denen er die Beerdigungen bereits vor den massiven Vorsichtsmaßnahmen ganz anders geplant habe, und die nun auf vieles verzichten mussten. Doch auch er erlebe, dass die meisten Menschen das akzeptierten, wenn er ihnen die Hintergründe erläutere. Gerade zu Beerdigungen kämen schließlich oftmals ältere Menschen, die keiner Gefahr ausgesetzt werden dürften.
Damit auch diejenigen, die nun nicht kommen dürfen, zumindest aus der Ferne teilhaben können, biete er betroffenen an, die Zeremonie als Video aufzuzeichnen oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Trauerfeier nachzuholen. Nach wie vor sei er rund um die Uhr erreichbar und biete auch weiterhin persönliche Trauergespräche an. Dabei müssten aber Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. "Viele menschliche Dinge, auf die wir sonst als Familienunternehmen ganz besonders großen Wert legen, bleiben jetzt auf der Strecke", beschreibt er. So müssten beispielsweise der Handschlag zur Begrüßung oder die Berührung an der Schulter zum Abschluss des Gesprächs wegfallen.
Pastor Dirk Jonas von der evangelischen St.-Pankratius-Gemeinde betont, dass er sich für die Vorgespräche jetzt ganz besonders viel Zeit nehme, um mit den Angehörigen den Ablauf zu besprechen und auf ihre Wünsche einzugehen. "Auch unter diesen schwierigen Bedingungen kann eine würdige Trauerfeier gelingen", ist er überzeugt.