Tragisch, komisch, schonungslos

Beim Elternabend kriegen sich die Erwachsenen schnell in die Haare und verhalten sich nicht viel anders als ihre Kinder: Vera (Marysol Ximénez-Carrillo, von links) und Irene (Lisa Maria Hörl). (Foto: TfN/Falk von Traubenberg)
 
Als seine Frau ums Leben kommt, kämpft Michael Kohlhaas (Dennis Habermehl) blind vor Wut und Hass um Gerechtigkeit. (Foto: TfN/T.Behind-Photographics)

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein stellt das Programm für die Saison 2019/20 vor

BURGDORF (r/fh). Die Spielzeit des Theaters am Berliner Ring ist Anfang Juni gerade erst zu Ende gegangen - da gibt der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) auch schon das Programm für die kommende Saison bekannt. Vom 27. September 2019 bis zum 12. Juni 2020 gastiert das Theater für Niedersachsen (TfN) aus Hildeheim mit acht Stücken in der Aula des Gymnasiums , Berliner Ring 27. Die Aufführungen beginnen jeweils freitags um 20 Uhr. Vom Musical, über die Komödie bis hin zum modernen Schauspiel ist alles dabei.
Die unterschiedlichen Abos für die Spielzeit 2019/20 sind ab sofort bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Telefon (05136) 1862 erhältlich. Zur Auswahl stehen die Kategorien "Marathon" (acht Vorstellungen, Gesamtpreise von 95 bis 128 Euro), Wahl-Abo (fünf Vorstellungen zur freien Auswahl, Gesamtpreise von 73,50 bis 90,00 Euro), "Classico" (vier Vorstellungen klassischen Inhalts, Gesamtpreise von 47,50 bis 64 Euro) und "Light Action" (vier Bühnenstücke der leichten Muse, Gesamtpreise von 47,50 bis 64 Euro). Für VVV-Mitglieder und Jugendliche gibt es im Vorverkauf Ermäßigungen.

Musical „Elternabend“ - 27. September

Zum Saisonauftakt am 27. September erleben die Zuschauer die Musical-Komödie „Elternabend“ von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text). Im Mittelpunkt steht ein Elternabend in einer von einer Elterninitiative gegründeten Nachmittagsbetreuung: Der neue Erzieher Dennis – der mittlerweile achte in sechs Jahren – trifft zum ersten Mal die Mamas und Papas seiner Schützlinge. Zu Beginn heucheln Mütter und Väter noch Freundlichkeit, doch schon bald werden die verbalen Messer gezückt: Wenn es um die eigenen scheinbar engelsgleichen Kinder geht, ist es bald aus mit dem zivilisierten Miteinander. Songs über das Rauchverbot bis hin zur Tanzvorlage für das Wundermittel Ritalin, all das ist das Musical „Elternabend“: Schonungslos, ehrlich und unheimlich komisch.

Schauspiel „Michael Kohlhaas“ - 22. November

In dem auf der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist beruhenden Schauspiel steht am 22. November der Pferdehändler Michael Kohlhaas im Mittelpunkt. Die Handlung nimmt ihren Lauf, als dieser sich mit zwei seiner besten Pferde auf eine Reise nach Sachsen begibt. An der Grenze fordern ihn die Posten auf, einen Passierschein vorzuzeigen, da er sonst nicht weiterreisen dürfe. Kohlhaas verpflichtet sich, den Schein in Dresden nachzulösen, muss dafür aber seine beiden Pferde als Pfand hinterlassen. In Dresden erfährt er jedoch, dass ein Passierschein gar nicht nötig ist. Als er seine Pferde wieder abholen will, findet er sie halbverhungert vor. Kohlhaas verlangt Schadensersatz, aber seine Forderungen werden wiederholt abgeschmettert. Als dann seine Frau bei dem Versuch, eine Bittschrift für ihn vorzulegen, ums Leben kommt, sieht Kohlhaas rot. Blind vor Schmerz und Wut kämpft er bis zur völligen Selbstaufgabe um Gerechtigkeit.

Musical „Company“ - 20. Dezember

Stephen Sondheim gehört zu den erfolgreichsten Musicalautoren weltweit. Am 20. Dezember steht sein 1970 entstandenes Musical Campony auf dem Spielplan. Das mit 6 „Tony-Awards“ - dem „Oscar“ der Musicalszene - ausgezeichnete Werk bietet vor Witz sprühende Dialoge, fantastische Songs und eben diesen typischen Sondheim-Sound, den man aus „Ab in den Wald“ und „Sweeney Todd“ schon kennt.

Schauspiel „Jugend ohne Gott“ - 24. Januar

„Jugend ohne Gott“ betitelte der ungarische Schriftsteller Ödön von Horváth seinen 1937 erschienenen Roman, auf dem die Bühnenfassung von Alice Asper beruht, die am 24. Januar 2020 zu sehen ist. Sie spielt im Deutschland der 1930er Jahre. Ein Lehrer unterrichtet Geschichte und Geografie an einem Gymnasium. Unter Verleugnung seiner humanistischen Ideale muss er die Jugend „moralisch zum Krieg“ erziehen. Seine Schüler werden ihm fremd, denn sie haben sich scheinbar problemlos mit diesem neuen System arrangiert. Als in einem vormilitärischen Ausbildungslager ein Schüler einem Mord zum Opfer fällt, muss der Lehrer eine existentielle Entscheidung treffen: Den Weg der Anpassung und des Schweigens weitergehen, oder aber die Wahrheit sagen und damit sein Leben gefährden?

Schauspiel „Pera Palas“ - 21. Februar

„Pera Palas“ ist ein berühmtes historisches Grandhotel in Istanbul. Der türkische Schriftsteller Sinan Ünel wählte es als Schauplatz seines gleichnamigen, am 21. Februar 2020 gezeigten Schauspiels aus, in dem drei spannende Geschichten geschickt miteinander verwoben sind:
1920 reist eine britische Schriftstellerin nach Istanbul und wird von einer jungen Türkin eingeladen, ihren Aufenthalt in einem adligen Harem zu verbringen. 1950 verliebt sich eine junge amerikanische Lehrerin in einen charmanten und leidenschaftlichen jungen Türken. 1995 kehrt ein in die USA ausgewanderter schwuler Türke in seine Heimatstadt zurück, um seiner aufgewühlten Familie seinen amerikanischen Lebensgefährten vorzustellen.

Schauspiel „Waisen“ 24. April

Mit dem 2009 uraufgeführten und mehrfach preisgekrönten Schauspiel „Waisen“ von Dennis Kelly geht die Spielzeit am 24. April 2020 weiter. Eigentlich wollen sich Helen und Danny einen romantischen Abend machen: So stellt sich der Ausgangspunkt des psychologisch dichten, mit rasanten Dialogen ausgestatteten und spannend wie ein Krimi ablaufenden Bühnenstücks dar. Doch plötzlich steht Helens Bruder Liam blutüberströmt im Zimmer. Er versichert, lediglich einem gerade niedergestochenen Jungen zu Hilfe gekommen zu sein. Doch wo ist dieser Junge jetzt? Müsste man den Vorfall nicht bei der Polizei melden? Während Danny zunehmend irritiert ist von den widersprüchlichen Äußerungen Liams, stellt sich Helen schützend vor ihren vorbestraften Bruder, für den sie sich seit dem Tod ihrer Eltern verantwortlich fühlt und der ihr wichtiger ist als ein Opfer, das sie gar nicht kennt. Danny lässt sich überreden, seinen Schwager ebenfalls zu schützen und ahnt dabei nicht, in welch fatales Geflecht aus Halbwahrheiten, Lügen und Liebe er sich damit verstrickt…

Komödie „Ich habe Bryan Adams geschreddert“ - 8. Mai

Der vielfach prämierte Dramatiker, Philosoph und Sozialpsychologe Oliver Bukowski nannte sein am 8. Mai 2020 zu sehendes Bühnenstück „Ich habe Bryan Adams geschreddert“ eine Mittelstandskomödie. Es geht um eine Firma, in der betriebsbedingte Kündigungen anstehen und sich das gesamte Team um die Zukunft sorgt. In dieser Situation lädt der Chef Frank Peukert zu einer Grillparty im eigenen Garten ein. Geheuchelter und alkoholverstärkter Frohsinn und Ausgelassenheit sind heute Abend angesagt für die „Normopathen“, wie Teenager Jannik seine Eltern und ihre Gäste nennt. Aber wenn es an der Tür klingelt, zucken alle zusammen: Kommt der gerade geschasste Ex-Mitarbeiter Christopher vielleicht doch noch? Dessen Anwesenheit würde alle nur allzu deutlich an ihre Sorge erinnern, selbst aussortiert zu werden …

Tragikomödie „Der Kirschgarten“ - 12. Juni

Zum Saisonabschluss am 12. Juni 2020 erzählt der russische Dramatiker Anton Tschechow in seiner 1904 uraufgeführten Tragikomödie „Der Kirschgarten“ vom drohenden Verlust eines mit Erinnerungen und Emotionen aufgeladenen Sehnsuchtsortes. Diese Empfindungen verbinden die Gutsbesitzerin Ranjewskaja und ihr Bruders Gajew mit dem geliebten Kirschgarten auf dem Landsitz der einst wohlhabenden Familie. Doch sie ist inzwischen hochverschuldet und das Gut mit Hypotheken belastet. Lopachin, dessen Vater noch Leibeigener der Familie war, ist hingegen aufgestiegen und zu Geld gekommen. Er bietet an, den Kirschgarten zu ersteigern und darauf eine Ferienhaussiedlung zu errichten: So könne das Gut gerettet werden. Empört weist das Geschwisterpaar diesen Vorschlag zurück, will von der drohenden Zwangsversteigerung nichts wissen, gibt weiter fröhlich Geld aus, das es doch längst nicht mehr hat … Und ignoriert den anstehenden gesellschaftlichen Umbruch, bis es zu spät ist.