Touristinfo im Rathaus?

Stadtplaner Andreas Fischer (von links), Bürgermeister Armin Pollehn sowie die Architekten Dirk Höhlich und André Mispagel freuen sich auf die Sanierung des historischen Rathauses.
 
In einer Machbarkeitsstudie hat das Burgdorfer Architekturbüro Höhlich und Schmotz aufgezeigt, welche Möglichkeiten bei der Sanierung offenstehen. Auch Dauer und Kosten der Baumaßnahme haben sie prognostiziert.

Verwaltung will Fachwerkhaus an der Marktstraße zu einer Anlaufstelle für Bürger machen

Burgdorf (fh). Die Stadtverwaltung will im Rathaus I an der Marktstraße künftig nicht nur einige ihrer Fachabteilungen unterbringen, sondern das historische Fachwerkhaus auch zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Bürger machen. Diesen Vorschlag hat die Leiterin der Zentralen Dienste Nicole Raue vergangene Woche im Bauausschuss vorgestellt.
Im Erdgeschoss und im ersten Stock könnten demnach eine Tourist- und Stadtinformation sowie weitere kulturelle und soziale Einrichtungen mit Publikumsverkehr unterkommen. Auch der Seniorenrat und die Schiedsstelle würden ihre Büros für Beratungen behalten. Das Standesamt solle hingegen ins Rathaus II umziehen, wo das Ambiente für Trauungen dank des angrenzenden Stadtparks noch schöner sei.
Inhaltlich passend könnten die städtische Abteilung für Schule, Kultur und Sport mit sechs Mitarbeitern und die Wirtschaftsförderung mit drei Mitarbeitern im Rathaus I einziehen. Im zweiten Stock und im Dachgeschoss wäre außerdem Platz für das Ordnungsamt mit zwölf Mitarbeitern, die derzeit in einem angemieteten Haus an der Schlossstraße untergebracht sind. Diesen Standort könnte die Verwaltung dann aufgeben.
Auch den Ratssaal im ersten Stock des Rathauses I will die Stadt wieder mit Leben füllen. Er könnte künftig nicht nur für Ausschuss- und Fraktionssitzungen genutzt werden, sondern auch für Lesungen, Vorträge und Ausstellungen. "Insgesamt wollen wir mit diesem Konzept einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten", warb Raue.
Von FDP, Grünen und WGS/Freien Burgdorfern bekam sie dafür Zustimmung. Die CDU zeigte sich hinsichtlich der genauen Ausgestaltung skeptisch. Der Fraktionsvorsitzende Klaus Köneke kritisierte, dass sich zugunsten der anderen Nutzer die Zahl der möglichen Arbeitsplätze überproportional reduziere. Würde das Rathaus I als reiner Verwaltungsstandort genutzt, können dort laut einer Machbarkeitsstudie des Burgdorfer Architekturbüro Höhlich & Schmotz von 2019 bis zu 32 Mitarbeiter untergebracht werden. In ihrer favorisierten Variante geht die Verwaltung jetzt von 21 Arbeitsplätzen aus.
Außerdem sei das Nutzungskonzept noch zu vage. "Wir wünschen uns eine Konkretisierung, welche Einrichtungen dort einziehen könnten und wie sich das umsetzen ließe", so CDU-Ratsherr Cord-Heinrich Schweer. Die SPD folgte dieser Argumentation. Mit der Mehrheit dieser beiden Parteien trug der Bauausschuss der Verwaltung auf, zunächst mehr Details auszuarbeiten.
Raue betonte, dass sie viele Varianten durchgespielt habe. "Viele unserer Abteilungen sind für das Rathaus I einfach zu groß und es wäre nicht sinnvoll Funktionseinheiten auseinanderzureißen", argumentierte sie. Das Bürgerbüro wurde dort zwar prinzipiell Platz finden. "Aber dafür stehen nicht genügend Parkplätze in der Nähe zur Verfügung", nannte Raue einen Hinderungsgrund.
Vor einem Jahr hatten die Burgdorfer Ratspolitiker beschlossen, das sanierungsbedürftige Rathaus I nicht nur instand zu setzen, sondern es bei dieser Gelegenheit auch barrierefrei umzubauen. Es soll ein zweites Treppenhaus und einen Aufzug erhalten, sodass auch mobilitätseingeschränkte Mitarbeiter und Besucher alle Etagen erreichen können. In der Machbarkeitsstudie werden dafür eine Bauzeit von 29 Monaten und Kosten von rund 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Ob sich diese Summe aufgrund der Corona-Epidemie und der massiven Preissteigerungen erhöht, sei noch nicht abzusehen. "Eine kleine Reserve haben wir eingeplant, aber wir können noch nicht sagen, ob sie ausreichen wird", so Architekt Dirk Höhlich.
Im Laufe des nächsten Jahres soll nun zunächst die Dachsanierung beginnen. Bereits seit über einem Jahr ist das Rathaus I von einem Gerüst mit Schutznetzen umgeben, weil sonst Ziegel herabstürzen könnten. Instandsetzung und Umbau des restlichen Gebäudes könnten dann ab 2023 erfolgen. Die Regie über die Baumaßnahmen bleibt in Burgdorfer Hand: Bei der Ausschreibung der Planungsleistungen hat sich das Architekturbüro Höhlich & Schmotz durchgesetzt und für die Dachsanierung hat der Architekt André Mispagel aus Otze den Zuschlag bekommen.
Auch das Rathaus II Vor dem Hannoverschen Tor soll saniert und barrierefrei umgebaut werden. Für das Rathaus III ist derzeit noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Arbeit, um zu prüfen, ob es saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden soll.