Testlauf in der Fahrzeughalle

Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer (von rechts) nimmt den neuen Feuerwehrmännern ihren Eid ab: Niklas Gottschalk, Bastian Kroll und Scott Stumpe. Fabian Hennies hält die Ortsstandarte.
 
Der Feuerwehrmusikzug Burgdorf-Hänigsen sorgt bei der Jahreshauptversammlung für Stimmung.

Burgdorfer Ortsfeuerwehr probt bei der Jahreshauptversammlung schon für das Jubiläum in zwei Jahren / Einsatzkräfte retten 2018 insgesamt 38 Menschenleben

BURGDORF (fh). Die Burgdorfer Ortsfeuerwehr beweist nicht nur bei ihren regelmäßigen Übungen und den Einsätzen Weitblick - auch bei den Planungen für ihr nächstes großes Jubiläum will sie nichts dem Zufall überlassen. 2021wird sie ihr 150-jähriges Bestehen feiern und schon jetzt gab es den ersten Probelauf dafür. Weil der Saal im Obergeschoss des Feuerwehrhauses für das Fest in zwei Jahren nicht ausreichen werde, hat Ortsbrandmeister Florian Bethmann schon die jüngste Jahreshauptversammlung am vergangenen Wochenende in die Fahrzeughalle verlegt. Zusammen mit seinem Team hat der Burgdorfer Feuerwehr-Chef diese Premiere ohne Missgeschicke über die Bühne gebracht.
Ganz so glatt läuft es mit dem digitalen Verwaltungsprogramm FeuerOn nach Bethmanns Einschätzung hingegen noch nicht. Die Plattform biete viele unterschiedliche Auswertungsmethoden und jede führe zu einem anderen Ergebnis; manchmal würden sogar ganze Einsatzfahrzeuge aus dem System verschwinden. "In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Statistik zur Sicherheit noch mal per Hand nachgezählt. Das ist sehr zeitaufwendig", kritisierte er in seinem Jahresbericht. Ein Hinweis, den der Vorsitzende des Feuerwehrausschusses Armin Pollehn in seinem Grußwort später aufgriff. "Vielleicht sollten wir uns da doch noch mal zusammensetzen", schlug er vor. Es sei gut, so ein System professionell zu fahren. "Aber es muss auch in der Umsetzung reibungslos laufen", so der CDU-Politiker.
Auch mit den neuen Notfallpunkten ist Ortsbrandmeister Bethmann noch nicht ganz zufrieden. "Die Idee ist hervorragend und gerade außerorts zur Orientierung essentiell und damit lebensrettend. Aber es ist noch nicht zu Ende gedacht", sagte er. So hoffe er, dass die Punkte künftig auch über digitale Karten abrufbar seien. "Es gibt im gesamten Gebiet 246 Notfallpunkte. Die können wir nicht alle im Kopf haben", so sein Argument.
Ansonsten kam die Verwaltung in seiner Rede diesmal aber ungewöhnlich gut weg. Das lag auch daran, dass Alfred Baxmann zum letzten Mal als Bürgermeister auf einer Jahreshauptversammlung der Burgdorfer Feuerwehr zu Gast war, bevor er sein Amt im Herbst abgibt. Zum Abschied dankte ihm Ortsbrandmeister Florian Bethmann für die gute Zusammenarbeit. Baxmann und der ebenfalls scheidende Erste Stadtrat Lutz Philipps seien immer bemüht gewesen, die beste Lösung für alle zu finden. "Das gesprochene Wort hat dabei stets gezählt", lobte Bethmann und fügte hinzu: "Wenn es mal irgendwo geknirscht hat, hat der Bürgermeister mit viel Fingerspitzengefühl und auch mal unkonventionell alle wieder miteinander versöhnt."
Baxmann kommentierte das mit einem Augenzwinkern: "Wenn ich nicht eh schon ein Roter wäre, würde ich jetzt glatt rot werden." Sein anschließendes Grußwort nutzte er für einen kurzen Rückblick auf seine Amtszeit. 1997 habe er zum ersten Mal als Bürgermeister bei einer Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Burgdorf gesprochen. "Der damaligen Zeitung ist zu entnehmen, dass ich angesichts der 'katastrophalen Haushaltslage' Kürzungen von 20 Prozent für die Feuerwehren angekündigt habe", zitierte Baxmann. Dazu sei es glücklicherweise nicht gekommen. "Wir haben fraktionsübergreifend immer gut zusammengearbeitet, um zu verhindern, dass an der falschen Stelle gespart wird - nämlich bei der Feuerwehr", so Baxmann.
Im Laufe der Jahre habe er ein umfangreiches Archiv zu den Freiwilligen Feuerwehren der Ortsteile und der Kernstadt angelegt. "Allein für die Burgdorfer Ortswehr sind es drei Aktenordner", verriet Baxmann und verknüpfte damit gleich noch ein Angebot: "Wenn Sie mal einen bunten Abend veranstalten wollen unter dem Motto 'Opa erzählt' und dafür noch einen Redner brauchen, stehe ich gern zur Verfügung."
Aber auch auf das zurückliegende Feuerwehrjahr ging der Bürgermeister ein und berichtete von seinem Lieblingseinsatz: "Beim Entenrennen auf der Aue haben einige Enten einen großen Drang Richtung Nordsee verspürt. Aber da schwimmt auch so schon genug Plastikmüll herum. Die Feuerwehr hat deshalb in kurzer Zeit Barrieren im Fluss errichtet und die verirrten Enten dann nach und nach herausgefischt."
Neben dieser sympathischen Aktion hat die Burgdorfer Ortsfeuerwehr noch 247 weitere Einsätze absolviert; dabei haben die 91 Aktiven insgesamt 4857 Stunden geleistet, was laut Bethmann einem durchschnittlichen Einsatzjahr entspricht. "Von der sprichwörtlichen Katze im Baum bis hin zum Vollbrand des Försterhauses war alles dabei", so der Ortsbrandmeister. Auch zu Wohnungsbränden, Unwetterschäden, ABC- und Tauchereinsätzen sowie Türöffnungen sind die Aktiven wieder ausgerückt und haben dabei 2018 insgesamt 38 Menschenleben gerettet. "Ich bin froh, dass wir die Bedarfe abdecken und die Feuerwehr zukunftsfähig weiterentwickeln können. Dank Ihres Engagements können wir ruhig und sicher schlafen, auch wenn nachts mal die Sirene heult", sagte der Feuerwehrausschussvorsitzende Pollehn angesichts dieses Berichts.


Ehrungen und Ernennungen


Niklas Gottschalk, Björn Knoche, Bastian Kroll und Scott Stumpe sind bei der Jahreshauptversammlung als neuer Feuerwehrmänner vereidigt worden. Auch Jan Fahrenholtz und Sophia Sommer haben den dafür nötigen ersten Teil der Grundausbildung absolviert, waren jedoch nicht persönlich anwesend. Außerdem hat Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer folgende Ernennungen vorgenommen: Horst Haupt und Jan Kruse (beide Oberfeuerwehrwehrmann), Patrick Erbguth und Dave Glienke (Hauptfeuerwehrmann), Stefan Heinze (1. Hauptfeuerwehrmann), Dennis Fischer (Löschmeister), Marco Henze (Löschmeister), Ralf Schuppa (Hauptlöschmeister), Klaus Wickboldt (Oberlöschmeister) sowie Simon Grabow und Kai Katzberg (Branmeister). Zusätzlich wurde Peter Pauling vom Landesfeuerwehrverband für 60 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet; Marc Henties und Kemal Baran haben jeweils das Niedersächsische Ehrenzeichen für 25 Jahre erhalten.