Terminvergabe spielt sich ein

Der Erste Stadtrat Michael Kugel berichtet im Finanzausschuss über die Terminvergabe im Bürgerbüro.
 
Dennis Kiesel arbeitet Kirsten Treichel am neuen Schnellschalter ein.

Bürgerbüro bearbeitet wieder fast so viele Anliegen, wie vor der Corona-Epidemie / Schnellschalter wird angenommen

Burgdorf (fh). Neue Personalausweise, Zulassungen für Kraftfahrzeuge und Anmeldungen eines Wohnsitzes – von Mitte September bis Mitte Oktober hat das Bürgerbüro nach Angaben der Verwaltung pro Woche durchschnittlich 404 Anliegen bearbeitet. Das waren wieder fast so viele wie vor Beginn der Corona-Epidemie. In den ersten Monaten dieses Jahres bis zum Lockdown im März erfüllten die Mitarbeiter wöchentlich 476 Bürgerwünsche, im vergangenen Jahr 447. Das hat der Erste Stadtrat Michael Kugel am Montag den Politikern im Finanzausschuss erläutert.
Zu Beginn der Epidemie hatten sich die Mitarbeiter des Bürgerbüros im Schichtbetrieb abgewechselt, um zu verhindern, dass sich eine Infektion gegebenenfalls im ganzen Team ausbreite. Von Mitte März bis Anfang Mai kamen sie deshalb nur noch auf 109 Anliegen pro Woche. Seitdem ist das Amt wieder voll besetzt – allerdings hat es eine große Veränderung gegeben: Vorher konnten die Burg­dorfer jederzeit spontan vorbeikommen, eine Nummer ziehen und warten, bis sie an der Reihe waren. Das ist nicht mehr möglich!
Denn Ende April hat die Verwaltung eine Online-Terminvergabe eingeführt. Wer jetzt etwas im Bürgerbüro erledigen möchte, muss sich vorher zwingend anmelden. Im Sommer hatte das bei einigen Bürgern und Politikern für Unmut gesorgt. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete Ende Juli in ihrem Lokalteil von einem Burgdorfer Dachdecker, der zwei Wochen auf die Zulassung für seinen dringend benötigten Firmenwagen hätte warten sollen. In einer Nachbarkommune sei er letztlich deutlich schneller zum Zuge gekommen. Und auch Kommunalpolitiker bestätigten, dass ihnen Beschwerden zu Ohren gekommen seien, weil es weit im Voraus kaum noch freie Termine gab. Außerdem seien Bürger ohne Internetzugang verunsichert gewesen, wie sie sich überhaupt anmelden könnten.
Die FDP beantragte daraufhin, Anliegen künftig auch wieder ohne Termin zu bearbeiten. Das lehnte die Verwaltung mit Verweis auf die Corona-Situation ab. Es müsse verhindert werden, dass sich Wartende auf den Rathausfluren drängten, so das Argument. Bürgermeister Armin Pollehn stellte aber klar, dass Bewohner ohne Internetzugang auch telefonisch Kontakt zum Bürgerbüro aufnehmen könnten. Auf diesem Wege würden in dringenden Fällen zudem auch kurzfristig Termine vergeben. Das gelte beispielsweise, wenn kurz vor einem Auslandsaufenthalt ein Reisedokument benötigt werde, ein vorläufiger Personalausweis zur Vorlage bei Banken erforderlich sei, oder, wie im Falle des Dachdeckers, wenn Gewerbetreibende umgehend eine Fahrzeugzulassung benötigten. Vom 28. September bis 23. Oktober seien 95 solcher dringlichen Anliegen bearbeitet worden, berichtete Kugel jetzt im Finanzausschuss.
Außerdem habe die Verwaltung mittlerweile an einigen Stellen nachgebessert: Weil viele Anliegen schneller erledigt waren, als zunächst angesetzt, reduzierte sie die Zeitslots für die Termine von 15 auf zehn Minuten als kleinste Einheit. Dadurch können die Mitarbeiter pro Tag jetzt wieder deutlich mehr Bürger empfangen. Für umfangreichere Sachverhalte werden dann entsprechend mehrere solcher Slots reserviert.
Anfang Oktober wurde außerdem ein Schnellschalter eingerichtet. Dort können nun ohne Termin beispielsweise beantragte Personalausweise und Reisepässe abgeholt sowie Meldebescheinigungen und Führungszeugnisse beantragt werden. Laut Kugel sei das bereits gut angenommen worden: Vom 8. bis 21. Oktober wurden dort insgesamt 238 Anliegen bearbeitet. Der Leiter des Bürgerbüros Frank Scharnhorst betont aber, dass sich der Schnellschalter noch im Testbetrieb befinde. Derzeit werde eine Mitarbeiterin eingearbeitet. Er bittet deshalb um Verständnis, wenn etwas noch nicht optimal laufen sollte.
Termine sollen nach Möglichkeit online reserviert werden oder falls kein Internetzugang vorhanden ist telefonisch. Im Einzelfall ist das aber auch vor Ort bei den Mitarbeitern am Schnellschalter möglich.
Die Umstellung auf die Online-Terminvergabe sei ohnehin geplant gewesen – die Corona-Epidemie habe diese Entwicklung lediglich beschleunigt. „Wenn sich das richtig eingespielt hat, hat das für die Bürger viele Vorteile“, betonte Kugel und gab ein Beispiel: „Wer einen neuen Personalausweis braucht, muss sich nicht mehr den ganzen Vormittag freihalten, um im Bürgerbüro zu warten. Wenn er um 9 Uhr einen Termin hat, der etwa 20 Minuten dauert, weiß er, dass er um 9.30 Uhr wieder draußen ist und kann entsprechend verlässlich planen“, warb Kugel. In der Vergangenheit sei es auf den Fluren des Bürgerbüros immer wieder zu unschönen Szenen gekommen, weil Wartenden irgendwann der Geduldsfaden gerissen sei.
Die Politiker lobten die Entwicklung der vergangenen Wochen. „Seit März befinden wir uns in einer der größten Krisen der jüngeren Vergangenheit. In vielen Bereichen müssen wir uns auf neue Begebenheiten einstellen“, sagte SPD-Ratsherr Arne Hinz. Beim Bürgerbüro sei das hervorragend gelungen. Und durch die Online-Terminvergabe sei die Bürgerfreundlichkeit sogar noch gesteigert worden. Dem stimmte Kurt-Ulrich Schulz von der WGS zu: „Als ich vor einem Monat versucht habe, einen Termin zu reservieren, hätte ich drei Wochen warten müssen. Als ich es nun am Sonntag noch mal versucht habe, wäre gleich zwei Tage später etwas frei gewesen“, schildert er. Es habe sich gelohnt, der Verwaltung etwas Zeit zu geben. „Im Laufe des Oktobers hat sich noch mal viel getan“, lobte er.
Auch Karl-Ludwig Schrader von der FDP bestätigte, dass damit das Ziel seines Antrags weitgehend erreicht sei. „Wir von der FDP wollen nicht auf das Bürgerbüro einschlagen. Wir erkennen die Sondersituation aufgrund der Corona-Epidemie an.“ Den Antrag habe er gestellt, um auch unter diesen Bedingungen die größtmögliche Bürgerfreundlichkeit zu gewährleisten. Und das habe sich gut entwickelt.
Bürgermeister Armin Pollehn kündigte indes an, im Frühjahr noch mal Bilanz zu ziehen und dann mit den Politikern zu diskutieren, wie gut die Online-Terminvergabe bis dahin funktioniere und wo gegebenenfalls noch nachgesteuert werden müsste.