"Technisch ist das ein Quantensprung"

Ortsbrandmeister Florian Bethmann (von rechts) nimmt den symbolischen Schlüssel für das HLF 20 von Bürgermeister Armin Pollehn entgegen. Auch die Vorsitzende des Feuerwehrausschusses Beate Neitzel und Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer freuen sich über die Erneuerung des Fuhrparks.
 
Das HLF 20 ist für ein breites Spektrum an Einsätzen ausgerüstet.

Bürgermeister Armin Pollehn übergibt der Feuerwehr zwei neue Fahrzeuge

Burgdorf (fh). Bürgermeister Amin Pollehn hat der Feuerwehr am Mittwochabend zwei neue Fahrzeuge übergeben: ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) 20 im Wert von 356.000 Euro und einen Einsatzleitwagen (ELW) im Wert von 146.300 Euro. Beide sind bereits seit mehreren Monaten im Einsatz, doch wegen der Corona-Epidemie wurde auf die offizielle Übergabe zunächst verzichtet. Vor dem Hintergrund der nun wieder steigenden Infektionszahlen fand sie auch jetzt im ganz kleinen Kreis statt – ohne Feuerwehrmusikzug und Imbiss, stattdessen mit dem obligatorischen Mund-Nasen-Schutz.
Das HLF 20, ausgestattet mit sieben Sitzplätzen und einem 2000-Liter-Wassertank, ist ein Allround-Fahrzeug und rückt bei Einsätzen fast immer als erstes ab. „Es ist auf nichts spezialisiert. Dafür ist es so ausgestattet, dass es bei einem Gros unserer Aufgaben die Anfangsphase gut bewältigen kann. Danach wird es dann je nach Lage von anderen spezialisierteren Fahrzeugen unterstützt“, erläutert Ortsbrandmeister Florian Bethmann. Es diene somit dem Grundschutz in Burgdorf.
Letztlich hatte die verspätete Übergabe auch etwas für sich: Denn so konnte Bethmann dem Bürgermeister bereits von seinen ersten Erfahrungen in der Praxis berichten. Das ein oder andere müsse zwar noch nachgebessert werden, aber das sei bei so komplexen Einsatzmitteln üblich. „Insgesamt kann das neue HLF 20 seine Aufgabe aber sehr gut erfüllen“, lobte der Ortsbrandmeister. Als er über die Fahreigenschaften des neuen Wagens mit Automatikgetriebe sprach, geriet er sogar richtig ins Schwärmen. „Es fährt sich hervorragend. Alle Maschinisten, die bisher am Steuer saßen, sind begeistert“, so Bethmann.
Er macht aber auch deutlich, dass es sich keineswegs um ein Luxusgut handele. „Die Stadt tätigt damit eine wichtige und nötige Investition in die Sicherheit ihrer Bürger und der ehrenamtlichen Einsatzkräfte“, betonte Bethmann. Das Vorgängerfahrzeug habe seine Altersgrenze erreicht gehabt und es sei dringend Ersatz erforderlich gewesen, auch um wieder auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein.
So könnten jetzt beispielsweise mit Hilfe eines Tablet-Computers schon vom Fahrzeug aus die GPS-Koordinaten der Hydranten abgerufen werden, ebenso wie Luftbilder vom Einsatzort. Hinzu kommen eine Wärmebildkamera und ein elektrohydraulischer Rettungssatz. Außerdem ist das HLF 20 als erstes Feuerwehrfahrzeug in Burgdorf überhaupt mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet, um insbesondere Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern beim Abbiegen an unübersichtlichen Kreuzungen zu vermeiden.
Auf die ein oder andere technische Spielerei habe man hingegen bewusst verzichtet. So sind bei den Bedienelementen keine Touchpads verbaut, sondern überwiegend altbewährte Kippschalter. „Sie sind weniger anfällig. Und wenn sie doch irgendwann defekt sind, kann man sie einfacher, günstiger und herstellerunabhängig wiederbeschaffen“, begründete Bethmann. An anderer Stelle fahre die Ortsfeuerwehr zweigleisig: So könne der Wasserdruck nicht nur digital abgelesen werden, sondern es gebe zusätzlich auch einen Analog-Anzeiger. „Falls es bei einem Einsatz mal zu einem Stromausfall kommt, kann der Maschinist also trotzdem noch kontrollieren, ob der Wasserdruck ausreicht“, erläutert der Ortsbrandmeister. Gerade als Allrounder, der bei fast jedem Einsatz mit dabei ist, müsse das neue Fahrzeug bei allen Wetterlagen und auch bei widrigen Bedingungen verlässlich funktionieren.
Bei dem neuen Einsatzleitwagen (ELW) handelt es sich um einen Mercedes Sprinter mit Hochdach und vier Sitzplätzen. Es ist eine Art „rollendes Büro“, in dem die Führungskräfte Informationen abrufen und den Einsatz koordinieren können. Während das HLF 20 ausschließlich von der Ortsfeuerwehr Burgdorf genutzt wird, steht er auch den anderen acht Ortsfeuerwehren zur Verfügung. Deshalb nahm Stadtbrandmeister Dennis-Frederik dafür den symbolischen Schlüssel von Bürgermeister Armin Pollehn entgegen. „Ich freue mich sehr über die Erneuerung unseres Fuhrparks“, sagte Heuer. Das Vorgängermodell habe zwar mehr Sitzplätze geboten, doch viel entscheidender sei die Ausstattung. „Technisch ist das ein echter Quantensprung“, lobte der Stadtbrandmeister bei der offiziellen Übergabe.