Tankstelle ist abgeschnitten

Pächter Cem Aslan wartet im Moment meist vergeblich auf Kunden.

Wegen der Baustelle auf der B3 sind von Celle aus Richtung Hannover die Abfahrten bei Ehlershausen und Ramlingen gesperrt

EHLERSHAUSEN (fh). Von der Zapfsäule aus kann Cem Aslan die Autos auf der B3 sehen. Doch während sonst immer wieder Fahrer den Blinker setzen, um Benzin nachzufüllen oder sich schnell einen Kaffee zu holen, fahren jetzt alle vorbei. Denn seine Tankstelle ist wegen der Bauarbeiten für viereinhalb Wochen nicht von der Bundesstraße aus zu erreichen. Sie liegt am Ortsrand von Ehlershausen an der Fahrtrichtung von Celle nach Hannover.
Dort wird die Fahrbahn im Moment erneuert und der Verkehr ist deshalb auf die Gegenfahrbahn verlegt worden, wo jetzt pro Richtung jeweils eine Spur zur Verfügung steht. Eine Zufahrt zur Tankstelle ist nicht vorgesehen. "Jeder hat Verständnis für kurzfristige Einschränkungen aufgrund von Sanierungsmaßnahmen. Im konkreten Fall geht es aber um die wirtschaftliche Existenz des Pächters und um die Sicherung von Arbeitsplätzen", kritisiert Oliver Brandt, Regionsabgeordneter aus Burgdorf und Vorsitzender des Verkehrsausschusses.
Die Sanierung der B3 wurde in mehrere Abschnitte unterteilt. Nachdem im vergangenen Jahr das Teilstück zwischen Beinhorn und Otze erneuert wurde, ist jetzt der Bereich zwischen der Anschlussstelle Otze und der Kreuzung Ehlershausen an der Reihe: Zunächst wurde von Anfang September bis Anfang Oktober die Fahrbahn in Richtung Celle saniert. Nach dem Arbeiten dort innerhalb der vorgesehenen Zeit abgeschlossen worden sind, wurde vergangene Woche nun die Baustelle auf der Fahrbahn in Richtung Hannover eingerichtet.
Für gut einen Monat kann die Tankstelle jetzt nur von hinten aus dem Dorf heraus angefahren werden. Doch das ist für die meisten Auswärtigen keine Option. Denn nicht nur die Zufahrt zur Tankstelle ist gesperrt, auch in Ehlershausen und Ramlingen gibt es keine Möglichkeit, abzufahren. "Kunden müssten aus Richtung Celle kommend also bis Schillerslage fahren und von dort aus dann über die Dörfer zurück nach Ehlershausen. Wer macht das schon?", sagt Aslan.
Seit der Sperrung am 9. Oktober sei der Kundenverkehr deshalb massiv eingebrochen. "Ich mache jetzt nicht einmal ein Drittel der üblichen Umsätze; an manchen Tagen sind es sogar 80 Prozent weniger als sonst. Hier ist wirklich Totentanz", klagt er. Dabei fühlt er sich auch von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Stich gelassen, die für die Baustelle zuständig ist.
Sie hatte ihn Anfang September, einen Monat vor dem Start der Maßnahme, per E-Mail informiert. Aus Aslans Sicht zu spät, um sich langfristig darauf einzustellen. Was ihn aber noch mehr ärgert: In der E-Mail habe die Behörde ihn bezüglich der Auswirkungen auf sein Geschäft beruhigt. "Wir werden dann in der Zeit mit ihnen das Gespräch suchen und dann eine Lösung für ihre Tankstellensituation vorlegen", hieß es in dem Anschreiben.
Aslan ging aufgrund dieser E-Mail und weiterer Telefonate davon aus, dass eine direkte Zufahrt von der Gegenfahrbahn aus geschaffen würde. "Das war von Anfang an nicht vorgesehen. Es ist technisch gar nicht möglich, den Verkehr an dieser Stelle mitten durch das Baufeld zu schwenken", widerspricht der zuständige Mitarbeiter der Landesverkehrsbehörde. Worin soll dann aber die in Aussicht gestellte Lösung bestehen? "Wir haben eine Umleitung von der Anschlussstelle Schillerslage nach Ehlershausen eingerichtet. Außerdem halten wir die Bauzeit so gering wie möglich. Statt der ursprünglich geplanten fünf Wochen dauern die Einschränkungen für die Tankstelle nun nur viereinhalb Wochen", erläutert der Mitarbeiter.
Für Aslan nur ein schwacher Trost. "Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich wenigstens die Urlaube meiner Mitarbeiter danach ausrichten können und außerdem rechtzeitig eine Alarmanlage einbauen lassen", betont er. Denn ohne ein entsprechendes Sicherheitssystem könne er die Tankstelle nicht einmal nachts schließen und habe deshalb vorerst weiterhin 24 Stunden durchgehend geöffnet. "Die Position der Niedersächsischen Landesbehörde für Verkehr ist in meinen Augen wirklichkeitsfremd und instinktlos", kritisiert der Regionsabgeordnete Brandt.
Cem Aslan hat die Tankstelle in Ehlershausen erst im März dieses Jahres übernommen. Er hatte bereits während seiner Schulzeit in Paderborn nebenbei als Tankwart gearbeitet. "Nach dem Abitur habe ich dann bei einem Pächter der mehrere Tankstellen betrieben hat, eine dreijährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert", beschreibt der 28-Jährige seinen Werdegang. Ende 2017 hat er sich selbständig gemacht und zunächst die Tankstelle in Großburgwedel übernommen; im Frühjahr dieses Jahres kam dann der Standort Ehlershausen dazu.