Tage der Jüdischen Musik werden auch in Burgdorf gefeiert

Prof. Andor Izsák referiert im Burgdorfer Ratssaal am 29. August über das Thema „200 Jahre Synagogenorgel“. (Foto: Europäische Zentrum für Jüdische Musik)

Prof. Andor Izsák hält Gastvortrag im Burgdorfer Ratssaal

BURGDORF (r/jk). Prof. Andor Izsák wird im Rahmen der Niedersächsischen Tage der Jüdischen Musik 2010 am Sonntag, 29. August, ab 17 Uhr im Ratssaal des Burgdorfer Schlosses einen musikalischen Vortrag zum Thema „200 Jahre Synagogenorgel“ halten. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Christian Wulff übernommen.
Die „Niedersächsischen Tage der Jüdischen Musik 2010“ aus Anlass des Jubiläums „200 Jahre Synagogenorgel“ weisen zurück auf das Jahr 1810, das einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der jüdisch-liturgischen Musik markiert. Die instrumentale Musik kehrte – nach einer Pause von vielen Jahrhunderten – zurück in den jüdischen Gottesdienst. Der Talmud berichtet von der Magrepha, einem Instrument im Tempel zu Jerusalem, dessen Klang bis nach Jericho zu hören war. Spätere Kommentatoren verstanden die Magrepha als eine frühe Form der Orgel.
Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.d.Z. verschwanden die Orgel und die instrumentale Musik insgesamt aus der jüdischen Liturgie. Erst durch die Reformbewegung im 19. Jahrhundert wird eine instrumentale Gottesdienstausgestaltung wieder möglich:
Im Jahr 1810 stattet der herzogliche Kammeragent Israel Jacobson die Synagoge seines Schulinstituts in Seesen am Harz mit einer Orgel aus. In der Folge tritt die „Königin der Instrumente“ einen Siegeszug in den jüdischen Gemeinden an. Vielerorts verbinden sich nun der traditionelle Sologesang des jüdischen Kantors mit Chorgesang und Orgelbegleitung. Doch die Verwendung der Orgel bleibt nicht unumstritten, für manche ist sie ein zu „christliches“ Instrument. Der „Orgelstreit“ führt zu zahlreichen Diskussionen, und in den Noten synagogaler Musik ist häufig der Hinweis zu finden: „mit oder ohne Orgelbegleitung zu spielen“.
Prof. Andor Izsák, Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik der Hochschule für Musik und Theater Hannover, widmet sich seit vielen Jahren der Erforschung und Dokumentation der synagogalen Musik. Mit humorvollen und unterhaltsamen Kommentaren macht er sein Publikum mit den Meisterwerken der synagogalen Musiktradition und den Besonderheiten der Synagogenorgel vertraut. Dabei erklingt die Vox humana des synagogalen Gesanges gemeinsam mit den rekonstruierten Klängen der Synagogenorgel.
Andor Izsák, geboren 1944 in Budapest, studierte an der Franz-Liszt-Musik¬hochschule. Bereits zu Studienzeiten war er Organist an der Budapester Dohány-Synagoge, der größten Synagoge Europas. Hier gründete er im Jahr 1962 gemeinsam mit dem Kantor Marcel Lorand den Lewan¬dowski-Chor, das erste Ensemble, das nach dem Holocaust wieder synagogale Musik zu Gehör brachte. Nach langjähriger Tätigkeit als Dozent am Béla-Bartók-Konservatorium und an der Fodor-Musikschule sowie als Chor- und Operndirigent siedelte Andor Izsák nach Deutschland über.
Aus der intensiven Beschäftigung mit jüdischer Musik ging 1988 das Europäische Zentrum für Jüdische Musik hervor, das seit 1992 unter seiner Leitung ein Institut der Hochschule für Musik und Theater Hannover ist. Hier wurde er im Jahr 2003 auf die Professur für Synagogale Musik berufen.
Im Jahr 2002 wurde Andor Izsák mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. Im Jahr 2007 erhielt er den Ehrenpreis der Stiftung Bibel und Kultur für sein Lebenswerk.
Als Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik veranstaltet Andor Izsák regelmäßig Konzerte im In- und Ausland. Höhepunkte der jüngsten Vergangenheit waren die Konzertreihe „Herbsttage der Jüdischen Musik 2008“ in Hannover und das Konzert in der Berliner Philharmonie mit dem NDR Chor im November 2008.
2006 gründete Andor Izsák gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur die Siegmund Seligmann-Stiftung, die sich für die Bewahrung und Weitergabe der synagogalen Musik einsetzt. Die Stiftung richtet in der historischen Villa Seligmann in Hannover eine Forschungs- und Begegnungsstätte ein, in der die jüdische Musik dokumentiert, erforscht und vermittelt werden soll und in der das Europäische Zentrum für Jüdische Musik seinen neuen Sitz finden wird. Prof. Izsák wurde 2010 als Ehrenpräsident der Siegmund Seligmann-Stiftung berufen.