Swing im Hinterhof

Ulli Kiehm und Daniel Zeinoun von der Band "Brazzo Brazzone" spielen im Hinterhof des Quartiers Lavendelwiese.
 
Auch der langjährige Burgdorfer Bürgermeister Alfred Baxmann ist mit seiner Frau Elke zu dem Konzert gekommen.

Die Wohnungsgenossenschaft Ostland hat für ihre Bewohner in drei Burgdorfer Quartieren kleine Konzerte mit der Band "Brazzo Brazzone" veranstaltet

BURGDORF (fh). Kurz vor 16 Uhr ist noch alles ruhig im Hinterhof des Quartiers "Lavendelwiese" zwischen Schwüblingser Straße und Peiner Weg. Dann lassen sich immer mehr Anwohner auf ihren Balkons blicken oder öffnen ihre Fenster. Während zur Zeit alle großen Konzerte wegen der Corona-Epidemie ausfallen müssen, hat ihr Vermieter, die Wohnungsgenossenschaft Ostland, ihnen nämlich Live-Musik versprochen. Und das direkt vor der eigenen Haustür. "Indem die Bewohner viel Zeit zu Hause verbringen und auf Kontakte verzichten, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz. Dafür wollen wir uns bedanken und ihnen ein bisschen Unterhaltung bieten", erläutert Pressesprecherin Daniela Kremer.
Darüber freuen sich auch Jutta Mascher sowie Lisa (7) und Pia (12), die es sich zu dritt auf dem Balkon gemütlich machen. "Sie haben beide noch immer schulfrei. Da ist es schön, wenn es mal ein bisschen Abwechslung gibt", sagt Mascher. Extra für das Konzert haben die Mädchen den Hinterhof mit Straßenkreide verschönert: Mit viel Liebe haben sie große Herzen und Regenbögen aufgemalt mit dem Wunsch "Bleibt gesund!".
Doch bevor das Konzert losgeht, müssen sie und die anderen Bewohner sich noch ein bisschen gedulden: Denn die beiden Musiker von der hannoverschen Band „Brazzo Brazzone“ haben sich verfahren und kommen deshalb etwas später an. Doch kaum sind sie aus dem Auto gestiegen, fangen sie auch schon an, zu spielen - viel Zeit zum für Aufbau und Vorbereitung brauchen sie nicht. Als sie zum Auftakt das jiddische Swingstück "Bei Mir Bistu Shein" anstimmen, haben sich zusätzlich zu den Bewohnern des Quartiers "Lavendelwiese" auch noch weitere interessierte Zuhörer eingefunden, die meisten von ihnen sind zu Fuß oder mit dem Rad aus der näheren Umgebung gekommen und verteilen sich mit genügend Abstand auf dem Hinterhof.
Etwas später kommt auch noch der frühere Bürgermeister Alfred Baxmann mit seiner Frau Elke vorbei. "Das ist wirklich eine tolle Idee und wir wohnen nur 150 Meter entfernt", sagt er. Und seine Frau ergänzt: "Außerdem spielt zum Glück auch das Wetter mit."
Etwa eine halbe Stunde dauerte das Konzert, die beiden Musiker spielten unter anderem noch "Anything but love" und "Marina". Danach ging ihre kleine Tournee dann weiter: Sie traten an dem Nachmittag auch noch in den Hinterhöfen Peiner Weg/Dresdner Straße sowie Dresdner Straße/Schwüblingser Weg auf.
Das ist eine Win-Win-Situation: Denn nicht nur die Bewohner profitieren davon, sondern auch die Musiker, die wegen der Corona-Epidemie von einem Tag auf den anderen alle Aufträge verloren haben. "Als das Veranstaltungsverbot kam, habe ich mir Gedanken gemacht und mir überlegt, dass wir einfach zu den Leuten gehen, wenn sie nicht zu uns kommen können", erklärt Sänger Daniel Zeinoun. Diesen Vorschlag hat er unter anderem auch der Wohnungsbaugenossenschaft Ostland gemacht, die sofort begeistert war und zusagte. Mittlerweile hat das auch die Region Hannover aufgegriffen und ein Programm für Hinterhofkonzerte mit unterschiedlichen Musikern aus der Umgebung aufgelegt.
Eigentlich besteht die Band "Brazzo Brazzone" aus sechs Mitgliedern, zur Zeit tritt Sänger Daniel Zeinoun nur zusammen mit dem Gitarristen Ulli Kiehm auf. "Ein bisschen gehe ich damit wieder zurück zu den Wurzeln. Früher habe ich sehr viele kleine Konzerte gegeben, jetzt aber schon lange nicht mehr. Ich finde, das hat durchaus Charme", so Zeinoun.