Susanne Paul verlässt Gemeinde

Pastorin Susanne Paul wechselt zum Frauenwerk der Landeskirche. (Foto: Stefan Heinze)

Ab dem Sommer leitet die Pastorin das Frauenwerk der Landeskirche Hannover / Abschiedsgottesdienst am 5. Juli

RAMLINGEN/EHLERSHAUSEN (fh). Nach zwölf Jahren wird Pastorin Susanne Paul die Martin-Luther-Gemeinde im Sommer verlassen. Denn vom 1. August übernimmt sie bei der Landeskirche die Leitung des Frauenwerks, das unter anderem Materialien für den Weltgebetstag herausgibt sowie Fortbildungen und Seminare anbietet. "Auch wenn ich mich auf meine neue Stelle freue, weiß ich schon jetzt, dass mir die ganz konkrete kirchliche Arbeit vor Ort fehlen wird. Und auch die vielen Kontakte werde ich vermissen", sagt die 57-Jährige.
Superintendentin Sabine Preuschoff verabschiedet Susanne Paul am 5. Juli ab 15 Uhr in einem Gottesdienst aus ihrem Dienst in der Matin-Luther-Gemeinde. „Für den Arbeitsbereich bringt sie beeindruckende Kompetenzen und berufliche Erfahrung aus Gemeindearbeit, Kirchenkreis sowie darüber hinausgehendem fachlichen Engagement mit", lobt Preuschoff und fügt hinzu: "Im Kirchenkreis werden wir ihre kritisch-konstruktive Stimme vermissen.“
In ihrer neuen Funktion steht Paul ein Team aus drei Referentinnen und drei Verwaltungskräften zur Seite. Zu ihren Aufgaben gehöre es, neue Impulse für die Arbeit in den Kirchengemeinden zu geben. "Wir müssen zum Beispiel Ideen entwickeln, wie wir auch junge, berufstätige Frauen erreichen können", erläutert sie. Außerdem gehe es darum, innerhalb der Landeskirche Themen zu Gehör zu bringen, die Frauen in besonderer Weise betreffen. "Eine große Rolle spielen dabei natürlich weiterhin die Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", skizziert Paul. In diesen Bereichen habe sich zwar einiges bewegt, es gebe aber immer noch viel zu tun - auch in der Landeskirche, ist sie überzeugt.
Aber auch in die Debatten um Abtreibung und Organspende habe sich das Frauenwerk in der jüngeren Vergangenheit eingebracht. "Und ich denke es ist auch wichtig, dass wir uns weiter mit dem sogenannten 'Mental Load', also der mentalen Belastung beschäftigen", sagt Paul. Demnach fühlten sich Frauen mitunter auch deshalb erschöpft und ausgebrannt, weil sie so vieles bedenken müssten. "Selbst wenn Männer auch einen Teil der Hausarbeit und familiären Pflichten übernehmen, sind es oft die Frauen, die im Blick behalten müssen, was alles zu tun ist", erläutert die Pastorin.
Viele dieser Themen begleiteten sie selbst schon ein Leben lang. "Ich hatte einen jüngeren Bruder, der viele Dinge leichter durfte als ich", erinnert sie sich. Und als sie sich während ihres Studiums hochschulpolitisch engagierte, habe sie gemerkt, wie schwer es für Frauen war, eine Professur zu erhalten. In ihrer beruflichen Laufbahn war sie dann unter anderem eine Zeit lang Beauftragte für Frauenarbeit im Kirchenkreis Burgdorf sowie zehn Jahre Vorsitzende des Konventes Evangelischer Theologinnen in der Landeskirche und ist Mitherausgeberin der Predigtreihe „Feministische Predigten“.
Und auch mit dem Frauenwerk der Landeskirche sei sie als Pastorin immer wieder in Berührung gekommen. "Ich habe zu unterschiedlichen Themen Referentinnen in die Gemeinde eingeladen", nennt sie ein Beispiel. In Kooperation mit dem Frauenwerk habe sie außerdem zusammen mit drei anderen Pastorinnen einen Kursus zum Thema "Frauen in Führungspositionen" angeboten.
Die wichtigste Botschaft sei es gewesen, vor Leitungsaufgaben und der damit verbundenen Verantwortung nicht zurückzuschrecken und die eigenen Qualifikationen nicht klein zu reden. "Der Kursus stand sozusagen unter dem Motto: Keine Angst! Traut euch!", erinnert sich Paul. Und genau diesen Ratschlag beherzigt sie jetzt auch selbst und übernimmt beim Frauenwerk eine Führungsposition.