Suche nach alternativen Routen

Rund 200 Politiker und Bürger waren zu der Sondersitzung der Verkehrsausschüsse Burgdorf und Uetze in die Hänigser Grundschule gekommen.
 
Der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg (stehend) eröffnet die gemeinsame Ausschusssitzung.
 
Gereon Jochmaring von K+S verteidigt das Vorhaben des Unternehmens.

Bei einer gemeinsamen Sondersitzung haben sich die Verkehrsausschüsse der Gemeinde Uetze und der Stadt Burgdorf über die geplante Abdeckung der Kalihalde informiert

UETZE/BURGDORF (fh). Wie sehr das Vorhaben von K+S die Menschen in den betroffenen Ortschaften umtreibt, hat sich am Dienstagabend gezeigt: Mehr als 150 Anwohner vor allem aus Hänigsen und Riedel, aber auch aus Dachtmissen, Sorgensen und Wathlingen sind in die Hänigser Grundschule gekommen, um sich über die geplante Abdeckung der Kalihalde zu informieren und ihrem Unmut Luft zu machen. Etwa 20 Bürger blieben sogar noch draußen stehen, weil die Verwaltung aus Sicherheitsgründen nicht mehr Menschen einlassen konnte.

Politiker aus Burgdorf und Uetze tagen gemeinsam


Dabei handelte es sich in erster Linie nicht um eine öffentliche Informationsveranstaltung. Vielmehr waren die Verkehrsausschüsse der Gemeinde Uetze und der Stadt Burgdorf zu einer gemeinsamen Sondersitzung zusammengekommen. Schon allein das war ein Novum. "In der Kommunalverfassung ist so etwas gar nicht vorgesehen und wir haben das auch noch nie gemacht, aber bei diesem Thema halten wir das für wichtig", betonte der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg.
Ob die Kalihalde Wathlingen abgedeckt wird oder nicht, entscheiden letztlich nicht die Kommunalpolitiker in Burgdorf und Uetze, sondern das Niedersächsische Landesbergbauamt (Lbeg). Der Beschluss steht noch aus und wird für dieses Frühjahr erwartet, im Sommer will K+S dann mit dem Projekt beginnen. Es ist wohl damit zu rechnen, dass das Unternehmen die Erlaubnis erhält - auch weil die Behörde bereits vorzeitig den Bau einer Bauschutt-Recycling-Anlage zugelassen hat, die für das Vorhaben gebraucht wird. "Deshalb müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, was passiert, wenn die Genehmigung trotz unserer Bedenken und der entsprechenden Stellungnahmen kommt", so Backeberg.


Lastwagen rollen durch umliegende Orte


Und so sollte es bei der Sondersitzung in der Hauptsache nicht um das Für und Wider der Haldenabdeckung gehen, sondern um die Verkehrsführung. Denn auch die bereitet Politikern und Bürgern Sorgen. Schließlich liegt der Bauschutt, der auf den Kaliberg aufgebracht werden soll, nicht vor Ort bereit, sondern wird angeliefert: und zwar insgesamt 14 Millionen Tonnen. Dafür sollen über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren immer montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr täglich 100 Lastwagen zur Halde und wieder zurück fahren. "Eine ganze Generation die hier aufwächst, wird unter der Verkehrsbelastung leiden, ohne dass sie irgendwelche Vorteile davon hat", sagte Backeberg.
Denn die Lastwagen werden nach den jetzigen Planungen auch durch die umliegenden Ortschaften rollen: K+S geht davon aus, dass etwa 75 Prozent der Transporte aus Südwesten über Hänigsen kommen und 25 Prozent aus Nordosten über Wathlingen. Nach den Vorstellungen des Unternehmens soll ein Großteil von ihnen über die B188 fahren - doch Anwohner und Politiker befürchten, dass viele die Abkürzung über Sorgensen und Dachtmissen nehmen werden.


K+S garantiert nicht für Verkehrsführung


Einen Vorgeschmack darauf haben die Betroffenen bereits Ende 2019 bekommen, als Lastwagen Material für den Bau der Bauschutt-Recyclinganlage anlieferten. "Ich war geschockt, wie viele das waren und wie schnell einige von ihnen gefahren sind. In dieser Zeit habe ich meinen Sohn wieder zur Schule gebracht, obwohl er das eigentlich schon alleine kann", sagte eine Hänigserin. Innerhalb von zwei Stunden habe sie 40 Lastwagen gezählt. Und der Ortsvorsteher von Dachtmissen Jörg Neitzel ergänzte: "Die Lastwagen haben zum Teil solche Vibrationen erzeugt, dass die Gläser im Schrank geklingelt haben."
Auch Gereon Jochmaring und Gerold Jahn von K+S waren der Einladung zu der Sondersitzung gefolgt - viel Neues konnten sie den anwesenden Politikern und Bürger aber nicht berichten. Ein Versprechen, dass die Lastwagen tatsächlich die vorgesehenen Strecken fahren, wollten sie nicht geben. Denn nicht K+S werfe die Speditionen mit dem Transport beauftragen, sondern diejenigen, die ihren Bauschutt auf der Halde entsorgen wollen. "Deshalb können wir zwar Routenempfehlungen abgeben, aber wir können keine Vertragsstrafen vereinbaren", sagte Projektleiter Gerold Jahn.


Neue Straßen für die Anlieferung?


Die Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch, die auch im Rat der Gemeinde Uetze sitzt, brachte die Möglichkeit ins Spiel, für die Anlieferung neue Straßen zu bauen beziehungsweise bestehende auszubauen, die an den Dörfern vorbeiführen, sodass die Belastung für die Bürger geringer sei. Das sei Sache der Politik, wandte Jahn ein und ergänzte: "Die L311 ist ausreichend dimensioniert, um den Verkehr aufzunehmen. Als Unternehmen können wir deshalb keinen neuen Straßenbau fordern."
Auf gezielte Nachfrage des Uetzer Bürgermeisters Backeberg machte er aber doch noch ein Zugeständnis: Wenn sich das Land und Kommunen auf eine alternative Route einigen, könne K+S den nötigen Straßenbau finanziell unterstützen. "Beim Bergwerk Siegfried in Gießen beteiligen wir uns beispielsweise am Bau einer Umgehungsstraße", so Jahn.


Zusätzliche Transport für Haldenwasser


Und noch bei einem anderen Thema versuchte Jahn, die Wogen zu glätten. Zusätzlich zum Bauschutt soll nämlich auch salzhaltiges Wasser von anderen Kalihalden angeliefert werden, um das Bergwerk unterirdisch zu fluten. "Wir sind verpflichtet, die Hohlräume zu verfüllen, um die Stabilität zu gewährleisten", erläuterte Jahn. Das hatte bei Bürgern und Politikern für Unruhe gesorgt, weil sie dadurch noch mehr Lastwagenfahrten fürchteten.
Die werden auch tatsächlich kommen, sollen aber von der B3 außen herum direkt zur Halde fahren. "In diesem Fall haben wir eine bessere Handhabe, weil wir diese Transporte selbst beauftragen und somit auch klare Vorgaben machen können", begründete der Projektleiter. Außerdem werde das Bergwerk bei Wathlingen ausschließlich mit Haldenwasser aus Niedersachsen geflutet, nämlich von den Sehnder Kaliwerken Bergmannssegen Hugo und Friedrichshall.


Hintergrund: Haldenabdeckung


Durch die Abdeckung soll weniger Regenwasser mit den Kalirückständen in Berührung kommen, sodass unterm Strich weniger salzhaltiges Haldenwasser entsteht. "Ziel ist es, dass wir letztlich die Grenzwerte einhalten, um das Wasser in die Fuhse einleiten zu können", erläutert Gerold Jahn von K+S.
Bei der Abdeckung sollen vor allem Bauschutt und Bodenaushub, in kleineren Mengen beispielsweise auch Gleisschotter und Straßenaushub verbaut werden. Zu 70 bis 80 Prozent sollen sie aus dem Großraum Hannover inklusive Hildesheim stammen, der Rest aus Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Hamburg und Bremen. Das Unternehmen will dabei Materialien bis zur Abfallklasse Z2 annehmen. "Damit tragen wir auch zur Entsorgungssicherheit bei, denn es gibt immer weniger Stellen, wo diese Materialien angenommen werden", so Jahn.
Es handele sich dabei aber nicht um gefährliche Abfälle. "Die Schadstoffkonzentrationen sind so gering, dass das selbst für einen Kinderspielplatz unbedenklich wäre", versichert er. Wenn die Halde abgedeckt sei, solle sie anschließend begrünt werden. "Damit entsteht Raum für den Naturschutz, aber auch für Naherholung", warb Jahn.