Steht das TSV-Vereinsheim am Stadion kurz vor dem „Abpfiff“?

Das VAZ-Foyer erlebte eine emotionsgeladene Podiumsdiskussion mit Walter Eckhoff (Fußball) sowie den Politikern Mirco Zschoch, Alfred Baxmann, Frank-Michael Voigt und „Schlichter“ Günter Altmann (v. li.) zur ungewissen Zukunft des heutigen TSV-Vereinsheims. (Foto: Georg Bosse)

TSV-Fußballer müssen wohl Herz und Geld für ein eigenes Vereinsheim in die Hand nehmen

BURGDORF (gb). Getrieben von den wohl berechtigten Befürchtungen, dass dem Vereinsheim der Fußballabteilung der TSV Burgdorf am Ende des Jahres der „Abpfiff“ drohen könnte, hatten die Kicker Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) sowie seine Amtsherausforderer Mirco Zschoch (CDU), Michael Fleischmann (Die Linke), der der Auseinandersetzung allerdings fern blieb, und Frank-Michael Voigt (parteilos) zu einer klärenden Podiumsdiskussion eingeladen. Im Foyer des Veranstaltungszentrums (VAZ) an der Sorgenser Straße, zu dem das Vereinsheim als bauliches „Modul“ in unmittelbarer Nähe des TSV-Stadions gehört, drängten sich am vergangenen Mittwochabend gut einhundert, teils betroffene Zuhörer, die sich von der von Günter Altmann (Lehrte) moderierten Debatte Aufschluss über die Zukunft der Sportheimstätte erhofften.
Nach einem hitzigen, rund zweistündigen Wortwechsel konnte Günter Altmann, ganz in Heiner Geißler-Manier, die Bürgermeisterkandidaten sowie die anwesenden Kommunalpolitiker Barthold Plaß und Wolfgang Obst (beide CDU), Adolf W. Pilgrim (SPD), Hartmut Schulz (Bündnis `90/Grüne), Kurt-Ulrich Schulz (WGS) und Armin Pollehn (FDP) zu der Zusage veranlassen, noch vor dem Wahlsonntag, 11. September, eine Verhandlungsrunde anzuberaumen, um auszuloten, ob die TSV-Fußballer eventuell auch bei einem VAZ-Pächterwechsel im heutigen Vereinsheim beheimatet bleiben können.
Jedoch scheinen die Chancen dafür schlecht zu stehen. Nach einem einstimmigen Ratsbeschluss war die Stadtverwaltung aufgefordert worden, eine Vorlage zu erarbeiten, die eine Pachtnachfolge für das städtische Gesamtobjekt vorschlägt. So kam unter anderen ein Wunstorfer Gastronom auf die Tagesordnung, der wohl den Eventbetrieb weiter führen, aber auch das Vereinsheim als Restaurant forcieren will. Dabei würden die Wünsche der TSVer aller Voraussicht nach auf der Strecke bleiben. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, und falls der Kandidat für das VAZ keine Farbe bekenne, wäre der aktuelle Pächter und TSV-Fußballvorsitzende Hans-Jürgen Engelbrecht wieder im Spiel, versuchte Baxmann zu beschwichtigen. Dieser Schwebezustand brachte TSV-Vizevorstand Walter Eckhoff auf die Palme: „Ein funktionierendes Vereinsleben braucht außer Umkleidekabinen und Duschen auch eine Kommunikationsstätte und Planungssicherheit.“ Man habe mit der Stadt nicht die besten Erfahrungen gemacht und fühle sich von ihr auch nicht bevorteilt, wie es immer mal wieder zu hören sei, so Eckhoff weiter. „Die Politik hat einstimmig in Kauf genommen, dass die TSV mit der Neuausschreibung des Pachtvertrages in Schwierigkeiten kommt“, konterte Verwaltungschef Baxmann.
Fest scheint zu stehen, dass die Stadt Burgdorf auf Druck des derzeitigen Rates und der Kommunalaufsicht angetrieben ist, die jährlichen Kosten für das VAZ in Höhe von knapp 120.000 Euro annähernd zu halbieren. Dazu müssten die Vorstellungen eines (neuen) Pächters mit den Interessen der TSV kompatibel gemacht werden. „Aber auch eine Lösung ohne die TSV ist möglich“, gab Alfred Baxmann unumwunden zu. Dieser Auffassung entgegnete Mirco Zschoch: „Nach einer Lösung kann nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesucht werden. Einer TSV-Fußballsparte ohne Vereinsheim fehlt das „Herz“. Deshalb sollte man der Verwaltungsspitze und dem neu gewählten Rat die Chance geben, eine tragfähige Lösung, auch für die TSV, zu finden.“ Ein verwunderter Blick von Baxmann machte deutlich, dass sich Zschoch mit diesem Statement im krassen Widerspruch zur gegenwärtigen Ratsfraktion seiner Partei befand. Weil seiner Meinung nach „die Hütte lichterloh brenne“, schlug Frank-Michael Voigt dann vor, den Pachtvertrag mit Hans-Jürgen Engelbrecht zu verbesserten Konditionen für die Stadt um drei Jahre zu verlängern. „Mit diesem Zeitgewinn wäre der Stadt und der TSV geholfen“, folgerte Voigt.
Auf dem Siedepunkt der Diskussion holte Walter Eckhoff Plan „B“ aus der Tasche. Man könne darüber nachdenken, das ehemalige Hausmeisterhaus der stadion-benachbarten Prinzhorn-Schule, in dem zurzeit zwei Schulräume untergebracht sind, zum eigenen TSV-Vereinsheim umzubauen. Diesen Alternativvorschlag kann Eckhoff möglicherweise nicht exklusiv für sich in Anspruch nehmen. In einer Pressemitteilung des (noch) finanzpolitischen Sprechers der CDU-Ratsfraktion, Paul Rohde, heißt es, er hätte diese Idee bereits am 9. August 2011 in die Öffentlichkeit gebracht. Dabei würde sich die Politik einer Bezuschussung, wie bei anderen Vereinen (Anm. d. Redaktion: 1. FC Burgdorf, Heesseler SV, SV Ramlingen/Ehlershausen, SV Sorgensen), nicht verschließen, so Rohde. Diese Idee war von Eckhoff und Rohde zwar gut gemeint, aber schlecht abgeklopft. Denn das ehemalige Hausmeisterhäuschen am „Langen Mühlenfeld“ gehört der Region und wird von der „Schule am Wasserwerk“ genutzt. Also muss jetzt Plan „C“ her, der unter Umständen für eine Übergangszeit ins Johnny B. (Haus der Jugend) führt.
Vielleicht brachte ja der Ehrenvorsitzendes des 1. FC Burgdorf, Artur Geisler, das emotionale Streitgespräch auf den Punkt: „Die TSV ist an ihrer misslichen Situation zum Teil selbst schuld. Man hätte schon viel früher nicht nur das Herz, sondern auch die Ärmel hochkrempeln und Geld in die Hand nehmen sollen.“