Stadt will auf Klärschlammlager verzichten

Im Burgdorfer Klärwerk fallen bei der Abwasserreinigung jährlich 2800 Tonnen Klärschlamm an. Nach den neuen Plänen der Stadt sollen dieses Abfallprodukt künftig verbrannt werden.

Abkehr von der landwirtschaftlichen Verwertung: Die Überreste aus der Abwasserreinigung sollen künftig verbrannt werden / Politiker entscheiden am 24. März

BURGDORF (fh). Einen Bürgerentscheid wird es zum Bau eines Klärschlammlagers nicht geben: Die sechsmonatige Frist ist abgelaufen und die Gruppe um Reinhold Engelhardt hat nach Angaben der Verwaltung keine Unterschriftenlisten vorgelegt. Doch auch ohne eine solche Abstimmung könnte ihr Wunsch jetzt in Erfüllung gehen!
Denn die Stadtverwaltung will bei der Entsorgung ihres Klärschlamms nun doch möglichst schnell von der landwirtschaftlichen Verwertung auf die Verbrennung umsteigen – und auf das geplante Zwischenlager verzichten. Am 18. März werden die Politiker im Umweltausschuss darüber beraten; die endgültige Entscheidung soll der Verwaltungsausschuss am 24. März treffen.
Und wie kommt es zu dieser Kehrtwende? Vor einem Jahr hatte die Verwaltung den Ratspolitikern noch nahegelegt, bis auf weiteres an der landwirtschaftlichen Verwertung festzuhalten. Sie wollte also auch künftig einen Vertragspartner finden, der den Klärschlamm als Dünger auf dem Acker einsetzt. Und das obwohl die gesetzlichen Vorgaben dafür drastisch verschärft worden waren. Für den Fall, dass sie den Klärschlamm einmal nicht los wird, plante die Verwaltung deshalb, für 750.000 Euro ein Zwischenlager zu bauen.
Das Vorhaben wurde krontrovers diskutiert; einige Politiker und Bürger übten massive Kritik. Sie fürchteten eine zusätzliche Geruchsbelästigung durch das Lager. Außerdem lehnten sie es ab, den schadstoffhaltigen Klärschlamm weiter als Dünger zu auf den Feldern auszubringen.
Nachdem die Entscheidung mehrfach vertagt worden war, fand das geplante Zwischenlager schließlich doch eine Mehrheit im Verwaltungsausschuss – zugleich forderten die Politiker die Verwaltung aber auf, Alternativen zur landwirtschaftlichen Verwertung zu prüfen und sie langfristig zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.
Armin Pollehn hatte die Pläne der Verwaltung schon als CDU-Ratsherr kritisiert – kurz nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister kündigte er dann an, nicht nur den Auftrag der Politiker erfüllen zu wollen, sondern auch den Bau des Zwischenlagers noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Die Stadt gab eine Studie zu diesem Thema bei der PFI Planungsgemeinschaft aus Hannover in Auftrag.
Entgegen der bisherigen Einschätzung der Verwaltung komme er zu dem Ergebnis, dass die sogenannte thermische Verwertung, also die Verbrennung des Klärschlamms, für Burgdorf „das mit Abstand am besten bewertete Entsorgungskonzept ist“. Dabei seien sowohl die Kosten, als auch andere Faktoren wie Entsorgungssicherheit, Platzbedarf und Kohlenstoffdioxid-Ausstoß berücksichtigt worden.
Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, langfristig auf die sogenannte Monoverbrennung umzusteigen, bei der in speziellen Anlagen ausschließlich Klärschlamm verbrannt wird. Der Haken daran: Noch sei es technisch nicht möglich, das wertvolle Phosphor aus der Asche zurückzugewinnen. Außerdem gebe es bisher keine ausreichenden Kapazitäten für dieses Verfahren.
Nach Einschätzung der Verwaltung wird sich das aber ändern, wenn in etwa zwei Jahren die neuen Verbrennungsanlagen von Energy from Waste (EEW) in Helmstedt und von Enercity in Hannover-Lahe in Betrieb gehen. Deshalb will die Stadt ihre Ausschreibung so gestalten, dass der Abnehmer den Klärschlamm in einer Übergangszeit auch noch zusammen mit anderen Stoffen in eine Müllverbrennungsanlage geben kann.
Bisher hatte die Verwaltung argumentiert, dass es auch bei der Verbrennung zu Engpässen kommen könnte und sie deshalb auch in diesem Fall ein Zwischenlager benötige. Nun will sie dieses Risiko an den Vertragspartner weitergeben, indem sie eine Garantie für eine kontinuierliche Klärschlammabnahme einfordert. Eine Markterkundung habe ergeben, dass entsprechende Kapazitäten vorhanden seien und die Anbieter diese Vorgabe erfüllen könnten.Vorgabe erfüllen könnten.
Von innovativen Verfahren zur besseren Abwasserreinigung rät das Planungsbüro gegenwärtig ab, das betrifft beispielsweise spezielle Aktivkohlefilter oder Keramikmembranen. Der Grund: Es sei davon auszugehen, dass kommunale Kläranlagen mittelfristig dazu verpflichtet werden, eine solche zusätzliche Reinigungsstufe einzubauen. Das solle die Stadt Burgdorf abwarten. Denn der Gesetzgeber werde dann einerseits konkrete Vorgaben machen, die jetzt noch nicht absehbar seien, andererseits voraussichtlich auch Fördergelder bereitstellen.