Stadt vergibt Auftrag für IGS-Neubau

Mit der Bewerbung hat das Unternehmen Goldbeck Ost auch bereits Visualisierungen eingereicht. Sie vermitteln eine Vorstellung, wie der Neubau der IGS aussehen könnte. (Foto: Goldbeck Ost)
 
Die Arbeiten an der Zufahrtsstraße am künftigen Standort der IGS haben bereits begonnen.

Projekt kostet insgesamt über 67 Millionen Euro / Fertigstellung zum Schuljahr 2024/25 geplant

Burgdorf (fh). Der Neubau der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) rückt ein Stück näher und nimmt konkrete Formen an: Die Stadt Burgdorf hat jetzt das Unternehmen Goldbeck Ost als Totalunternehmer (TU) beauftragt. Rechtzeitig zum Schuljahr 2024/25 soll es das neue Gebäude schlüsselfertig an die Stadt übergeben. Der Begriff „Totalunternehmer“ meint, dass sich die beauftragte Firma aus einer Hand um Planung und Bau kümmert und die einzelnen Gewerke wie Maurer, Dachdecker oder Tischler unter Vertrag nimmt. Das entlastet die Stadtverwaltung beispielsweise von Ausschreibungen und Koordinierungsaufgaben.
Für das Projekt stellt Goldbeck Ost der Stadt insgesamt 57 Millionen Euro in Rechnung. Darin enthalten sind der Bau der Integrierten Gesamtschule (IGS), inklusive der zugehörigen Vier-Feld-Sporthalle, die Herrichtung der Außenanlage sowie die Ausstattung der Mensaküche. Außerdem übernimmt das Unternehmen das Risiko künftiger Preissteigerungen. Die Stadt muss also nicht befürchten, dass es noch teurer wird.
Schon jetzt ist allerdings klar, dass Kosten für weitere Leistungen hinzu kommen, die nicht in die Zuständigkeit des Totalunternehmers fallen: 3 Millionen Euro für den Erwerb des Grundstücks, 3 Millionen Euro für den Ausbau der Straße Vor dem Celler Tor und der Zufahrtsstraße zur IGS, 3,3 Millionen Euro sogenannte Bauherrenkosten für Projektsteuerung, rechtliche Beratung, Gutachten und ähnliches sowie rund 1,2 Millionen Euro für die Überdachung der Fahrradständer. Unterm Strich kommen somit insgesamt 67,5 Millionen Euro zusammen.
Und auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Denn obwohl ein Teil der Inneneinrichtung vom bisherigen Standort mit in den Neubau umziehen soll, müssen insbesondere die Fachräume neu ausgestattet werden. Die Kosten dafür lassen sich nach Angaben der Stadt noch nicht genau beziffern. Insgesamt wird der Neubau der Integrierten Gesamtschule (IGS) also teurer, als zuletzt angenommen. Im aktuellen Quartalsbericht für die Hochbauprojekte sind für das Projekt 60 Millionen Euro angesetzt, 2017 war ein Architekturbüro in der Machbarkeitsstudie noch von 51 Millionen Euro ausgegangen.
Der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss hat die Vergabe an den Totalunternehmer bereits im Juli beschlossen. Doch Bürgermeister Armin Pollehn bat die Politiker zunächst um Stillschweigen. Seine Begründung: Die Stadt hatte die Ausschreibung zusammen mit der Region Hannover auf den Weg gebracht, die auf dem Nachbargrundstück einen Neubau für die Förderschule am Wasserwerk errichten will. Auf diese Weise sollten Kosten eingespart werden, so die Hoffnung. Doch nun verzögert sich das Vergabeverfahren der Region, weil ein mitbietendes Unternehmen Beschwerde eingelegt hat.
Hintergrund des Rechtsstreits: Stadt und Region hatten gemeinsam einen Projektsteuerer beauftragt, der die Ausschreibung für den Totalunternehmer vorbereitete. Dieser hat ihnen Ende Juli aber gekündigt und ist just zu dem Unternehmen gewechselt, dem die Region den Zuschlag erteilen wollte. Aufgrund dieser juristischen Unsicherheit haben Bürgermeister Armin Pollehn und Regionspräsident Hauke Jagau vereinbart, die Öffentlichkeit vorerst nicht zu informieren.
Auch die Stadt Burgdorf habe zunächst prüfen müssen, ob sie ebenfalls von der Beschwerde betroffen ist. „Dies ist nicht der Fall“, betont Pollehn. Daraufhin rief er den Verwaltungsausschuss in den Sommerferien zu einer außerplanmäßigen nichtöffentlichen Sitzung zusammen. Dort beschlossen die Politiker, an der Vergabe festzuhalten.
So wollten sie verhindern, dass es beim Neubau zu Verzögerungen kommt. Der Totalunternehmer plant die Fertigstellung wie von der Stadt angepeilt pünktlich zum Schuljahr 2024/25. Einen neuen Projektsteuerer hat die Verwaltung bereits gefunden. Diese Aufgabe übernimmt künftig das Unternehmen Drees & Sommer, das zuvor auch das Raumprogramm für die IGS erstellt hatte. Im nächsten Schritt soll im Dezember 2021/Januar 2022 der Bauantrag eingereicht werden. Darüber hinaus ermittelt die Stadt Burgdorf derzeit Fördermöglichkeiten für den Schulneubau.
Insgesamt hatten sich auf die Ausschreibung hin vier Unternehmen bei der Stadt als Totalunternehmer beworben, zwei von ihnen gaben in der letzten Verfahrensstufe ein finales Angebot ab. Entscheidend waren nach Angaben der Stadtverwaltung neben dem Preis unter anderem auch die städtebaulichen und architektonischen Qualitäten, Funktionalität und Nachhaltigkeit. Zur Konkretisierung reichten die Bewerber einen Lageplan, Grundrisse, Visulisierungen, Flächenberechnungen, Kosten und Terminplanungen ein.
Anhand dieser Kriterien entschieden sich Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker für das Unternehmen Goldbeck Ost. Es gehört zur Goldbeck-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Bielefeld. Laut Eigendarstellung auf ihrer Internetseite hat sie deutschlandweit bereits über 100 Schulen gebaut. In der Bewerbung führt Goldbeck Ost als Referenzen neun Schulen sowie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin an.