Stadt sucht Standorte für Windräder

Nördlich von Schillerslage nahe der B3 stehen bereits Windräder.
 
Im Stadthaus hat der Bauausschuss zusammen mit Ortsräten und Ortsvorstehern getagt.
 
Ingenieurin Ulrike Kubersky vom Büro PlanGis stellt den Politikern die Ergebnisse der Potenzialflächenanalyse vor.

Planungsbüro listet acht Potenzialflächen auf / Einschränkungen aufgrund des Heeresflugplatzes Celle

Burgdorf (fh). Wo sollen sich in Burgdorf künftig Windräder drehen, um klimafreundlich Strom zu erzeugen? Um diese Frage ging es am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Sitzung des Bauausschusses mit allen Ortsräten und Ortsvorstehern. Die Agrar-Ingenieurin Ulrike Kubersky vom Büro planGis aus Hannover präsentierte den Politikern die Potenzialflächenanalyse, die sie und ihr Team im Auftrag der Stadt erstellt haben. Bei der Untersuchung berücksichtigten sie Belange des Naturschutzes, Abstandsvorschriften zur Wohnbebauung und viele weitere Kriterien. Im Ergebnis haben die Experten acht mögliche Standorte mit einer Gesamtfläche von rund 660 Hektar ermittelt.
Darunter sind die Gebiete bei Ehlershausen und bei Schillerslage, auf denen bereits Windräder stehen. Die weiteren Areale liegen bei Beinhorn, Otze, Hülptingsen, Dachtmissen Flaatmoor und an der Immenser Landstraße. Doch es ist keineswegs ausgemacht, dass überall dort tatsächlich Windräder errichtet werden. "Wir stehen ganz am Anfang. Es folgen viele weitere Untersuchungen und voraussichtlich wird die Gebietskulisse noch deutlich schrumpfen", so Kubersky.

Restriktionen durch die Bundeswehr


Ein wesentlicher Faktor sei dabei die Bundeswehr, die im Planungsverfahren angehört werden müsse. Rund um den Heeresflugplatz in Celle lehne sie in einem Umkreis von acht bis 15 Kilometern Windräder entweder ganz ab oder mache zumindest strenge Vorgaben zur maximalen Höhe. Hinzu kommen sogenannte Niedrigflugkorridore für Militärhubschrauber, die ebenfalls frei bleiben müssten. Unter anderem aufgrund dieser Restriktionen ist auch der Otzer Bruch ausgeschieden, den der Ortsrat Otze kürzlich als Windkraftstandort vorgeschlagen hatte.
Insgesamt seien weite Teile des Stadtgebiets von den Belangen des Militärs betroffen. Details werde die Bundeswehr aber erst im weiteren Planungsprozess mitteilen. "Ich würde mir wünschen, dass wir in Burgdorf einen Standort finden, an dem wir in größerem Umfang moderne Windenergieanlagen mit Höhen von etwa 240 bis 260 Metern errichten können. Aber danach sieht es leider nicht aus", sagte Bürgermeister Armin Pollehn.

Neustart nach Gerichtsbeschluss

Die Stadt Burgdorf muss jetzt auch deshalb tätig werden, weil das Oberverwaltungsgericht Lüneburg 2019 die Festsetzungen zur Windenergie im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) gekippt hat. Die Region arbeitet gegenwärtig an einer Neufassung. Darin will sie zwar wieder Vorranggebiete benennen, in denen Windenergie Priorität vor anderer Nutzung hat. Andersherum könnten Windräder aber auch außerhalb der Gebiete überall gebaut werden, wo dem keine öffentlichen Belange entgegenstehen. "Deshalb brauchen wir auf kommunaler Ebene einen Flächennutzungsplan, um Wildwuchs zu verhindern", betonte Kubersky.
Für die Stadt Burgdorf heißt es somit nach rund sechs Jahren wieder zurück auf Los. Denn 2015 hatte sie von der PlanGis schon einmal potenzielle Flächen ermitteln lassen, die dann ein Jahr später in das Regionale Raumordnungsprogramm 2016 eingegangen sind. Genau das sorgte bei einigen Teilnehmern der Sitzung für Kopfschütteln. "Beim letzten Mal haben wir genau das gleiche gehört. Wenn wir so weitermachen, wird das nie etwas", kritisierte beispielsweise der Ortsvorsteher von Dachtmissen Jörg Neitzel. Und Linken-Ratsherr Michael Fleischmann ergänzte: "Was nutzen uns die Potenzialflächen, wenn sie am Ende doch wegfallen. Ich hätte mir mehr verwertbares Material gewünscht."

Info-Veranstaltung für die Bürger

Bürgermeister Armin Pollehn hielt entgegen, dass man aufgrund des Gerichtsurteils aus Lüneburg um die Ehrenrunde nicht herumkomme. "Seit unserer letztem Untersuchung haben sich die örtlichen Begebenheiten und rechtlichen Vorgaben teilweise verändert. Wir können deshalb nicht einfach die Ergebnisse von damals zugrunde legen", argumentierte er. Ihm sei es wichtig, den neuen Planungsprozess transparent zu gestalten und sowohl die Politiker als auch die Bürger von Anfang an zu informieren und einzubinden. "Deshalb präsentieren wir Ihnen das schon in einem so frühen Stadium, in dem viele Fragen noch offen sind", betonte er.
Ratsherr Jens Palandt von Bündnis 90 / Die Grünen lobte dieses Vorgehen. "Ich finde es sehr gut und nachvollziehbar, wie die Stadt das macht. Es ist wichtig, dass wir frühzeitig Bescheid wissen. Hier geht Sorgfalt vor Eile!", sagte er. Dem pflichtete auch der Ausschussvorsitzende Matthias Paul bei: "Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch die Möglichkeit, auf das Endprodukt wirklich Einfluss zu nehmen und nicht nur über ein Gesamtpaket abzustimmen."
Vor der Sitzung hatte sich an der Tür des Stadthauses eine Schlange gebildet, weil sich viele Bürger für das Thema interessierten. Aufgrund der Corona-Epidemie konnten nur rund 20 von ihnen eingelassen werden. Aber auch allen anderen will die Stadt die Gelegenheit geben, sich zu informieren. Deshalb wird es im Januar oder Februar eine öffentliche Online-Veranstaltung geben, bei der Ulrike Kubersky die Analyse noch einmal vorstellt. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Vorgehen des Planungsbüros

Bei der Potenzialflächenanalyse hat sich das Team von planGis im ersten Schritt den Stadtplan von Burgdorf angeschaut und alle Flächen abgezogen, die aus rechtlichen oder faktischen Gründen nicht in Frage kommen - zum Beispiel den gesamten Siedlungsbereich inklusive entsprechender Mindestabstände zur Bebauung und alle Naturschutzgebiete. Das sind die sogenannten harten Tabuzonen, an denen es nichts zu rütteln gibt. Damit fällt bereits ein Großteil des Stadtgebietes raus. Danach haben die Experten die sogenannten weichen Tabuzonen abgezogen, bei denen es hinsichtlich der Kriterien einen gewissen Spielraum gibt. Von den verbleibenden Arealen schieden einige schon allein deshalb aus, weil sie zu klein wären. "Wir wollen die Windenergieerzeugung nicht kleinteilig über das gesamte Stadtgebiet verteilen, sondern möglichst auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Deshalb kommen nur Standorte in Frage, auf denen mindestens drei Windräder Platz haben", erläutert Ingenieurin Ulrike Kubersky. Im nächsten Schritt folgen nun artenschutzrechtliche Gutachten, bevor die Stadt das eigentliche Planverfahren einleiten kann.