Stadt hofft auf besseren Anbieter

Politiker stimmen gegen Kooperation mit der Deutschen Glasfaser

Burgdorf (fh). Schnelles Internet werde in Burgdorf dringend gebraucht – da waren sich bei der jüngsten Sitzung des Verkehrs­ausschusses am Dienstagabend alle Politiker einig. Dennoch folgten sie der Empfehlung der Stadt und sprachen sich gegen einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser aus. Diese Entscheidung bestätigte auch der direkt im Anschluss nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss. Stattdessen soll nach einem anderen Anbieter gesucht werden.
Zum Hintergrund: Die Deutsche Glasfaser wurde im vergangenen Jahr in Burgdorf vorstellig und bekundete Interesse, im ganzen Stadtgebiet Leitungen für schnelles Internet zu verlegen, um insgesamt 13.900 Wohneinheiten zu erschließen. Dafür wollte das Unternehmen einen Kooperationsvertrag mit der Stadt schließen – und zwar für eine Laufzeit von 30 Jahren. Doch genau das war der Verwaltung nicht ganz geheuer. „In einem so langen Zeitraum kann sich so ein Unternehmen stark verändern oder ganz vom Markt verschwinden“, warnte der Leiter des Tiefbaua mtes Rainer Herbst.
Für den Ausbau in der Weststadt mit Schwerpunkt auf dem Gewerbegebiet hatte die Stadt mit einem anderen Anbieter beispielsweise einen Kooperationsvertrag für lediglich zwei Jahre abgeschlossen. Doch die Deutsche Glasfaser sei in dieser Frage nicht kompromissbereit gewesen. „Sie hat argumentiert, dass die Banken ihr bei einer Laufzeit unter 30 Jahren keine Gelder zur Verfügung stellen würden“, so Herbst.
Doch nicht nur die lange Vertragslaufzeit und die mangelnde Kompromissbereitschaft hätten die Stadt abgeschreckt, sondern auch Erfahrungen aus anderen Kommunen. Problematisch sei vor allem, dass die Deutsche Glasfaser mit der Detailplanung ein Generalunternehmen beauftrage, das die Tiefbauarbeiten dann wiederum an Subunternehmen und Sub-Subunternehmen vergebe. Oft arbeiteten diese nicht fachgerecht, teilweise sei es sogar zu Schäden an Leitungen für Gas, Strom oder Telefon gekommen.
Auch hätten einige Betriebe auf Privatgrundstücken gearbeitet, ohne das vorher anzukündigen oder Maßnahmen begonnen, ohne auf die verkehrsrechtliche Anordnung zu warten. Außerdem sei es schwierig Mängel geltend zu machen, weil die Subunternehmen häufig wechselten.
Die Politiker im Verkehrsausschuss folgten dieser Argumentation: Zwei Vertreter der SPD enthielten sich, alle anderen Politiker stimmten gegen einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser. Allerdings forderten sie die Verwaltung nachdrücklich auf, einen anderen Anbieter zu suchen. In einer der nächsten Ausschusssitzungen solle die Verwaltung außerdem einen Überblick geben, mit welchen Unternehmen sie bereits in Kontakt stehe und wie weit die Gespräche jeweils gediehen seien.
„Es ist richtig, den Vertrag mit der Deutschen Glasfaser nicht zu schließen. Aber wir müssen uns intensiv um schnelles Internet kümmern“, forderte CDU-Ratsherr Barthold Plaß. Diesem Appell schlossen sich auch die Vertreter der anderen Fraktionen an. „Wir bemühen uns, andere Anbieter anzusprechen. Früher oder später werden wir sicherlich einen finden, der bereit ist, uns entgegenzukommen“, stellte Herbst etwas vage in Aussicht.