Stadt braucht Betreuungsplätze

Der Bau des Familienzentrums in der Südstadt schreitet voran.
 
Die Kita der St.-Pankratius-Gemeinde am Fröbelweg soll renoviert und erweitert werden.

Das Familienzentrum in der Südstadt soll Ende des Jahres fertig werden / Weitere Kitas sind in Planung

Burgdorf (fh). Die Arbeiten am neuen Familienzentrum im Baugebiet „An den Hecken“ gehen voran und sollen bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. Anfang 2021 könnte die dortige Kita dann mit insgesamt 105 Plätzen in drei Kindergarten- und zwei Krippengruppen den Betrieb aufnehmen.
Demnächst sollen dort die Außenfenster und -türen eingebaut und damit die Gebäudehülle geschlossen werden. Danach erfolgt der komplette Innenausbau und im Außenbereich sind Spielgeräte aufzustellen, Wege anzulegen und Parkplätze zu schaffen. Außerdem muss das Grundstück noch eingezäunt und bepflanzt werden. Der Verwaltungsausschuss hat Bürgermeister Armin Pollehn grünes Licht dafür gegeben, den entsprechenden Auftrag in der politischen Sommerpause eigenständig zu vergeben, damit sich der Bauablauf nicht weiter verschiebt.
Denn das Projekt ist bereits deutlich im Verzug: Ursprünglich hätte die Kita bereits Mitte 2019 in Betrieb gehen sollen. Doch aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Architekten konnte das nicht eingehalten werden – schließlich kündigte die Stadt den Vertrag mit ihm auf und beauftragte stattdessen das Burgdorfer Büro Höhlich und Schmotz. Durch den zeitlichen Verzug sind auch die Kosten gestiegen: von zunächst 3,9 auf jetzt 5,3 Millionen Euro.

Rat fordert weitere Kitas

Die Kita im neuen Familienzentrum wird dringend benötigt: Denn erst kürzlich rechnete die Stadt vor, dass selbst nach ihrer Eröffnung noch rund 225 Betreuungsplätze fehlen. Bei der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause hat die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern deshalb einen Beschluss zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuung auf den Weg gebracht. Darin fordern die Politiker, dass die Stadt die Pläne für zwei neue Kitas vorantreiben soll: und zwar zum einen im neuen Gewerbe- und Wohngebiet „Aue Süd“ am Ostlandring, und zum anderen an der Sylter Straße in der Weststadt. Über erstere verhandelt die Verwaltung nach eigenen Angaben bereits mit dem Investor Acribo, der das Areal umgestalten will. Und für letztere sollen Planung und Trägersuche schnell aufgenommen werden.
Zusätzlich wünscht sich die Mehrheitsgruppe eine neue Kita in Trägerschaft der Stadt. „Wir sind der Meinung, dass es ein klares Signal für die Familien braucht“, begründete SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann. Deshalb sei es wichtig, dass die Stadt den Betrieb neuer Kitas nicht allein den freien Trägern überlasse, sondern nach langer Zeit auch selbst einmal wieder die Initiative ergreife.

St.-Nikolaus-Gemeinde plant katholische Kita

Seit 2017 plant die St.-Nikolaus-Gemeinde außerdem die erste katholische Kita in Burg­dorf. Sie soll am Kirchstandort Im Langen Mühlenfeld 19 entstehen. Ursprünglich war die Eröffnung bereits für diesen Spätsommer geplant. Doch noch haben die Bauarbeiten nicht begonnen. Voraussichtlich im Herbst will die Gemeinde nun den Bauantrag stellen. „Wir hoffen, dass die Genehmigung im März oder April vorliegt und dann kann es von unserer Seite aus schnell gehen“, kündigt Norbert Gebbe vom Planungsteam der St.-Nikolaus-Gemeinde an. Mitte 2022 könnte die Kita dann in Betrieb gehen.
Bereits im vergangenen Jahr war es zu Verzögerungen gekommen. Dass sich der Baubeginn jetzt noch weiter verschiebt, liegt aber auch daran, dass die Gemeinde zur Zeit prüft, ob ein oder zwei zusätzliche Gruppen eingerichtet werden könnten. Zunächst waren zwei Kindergarten- und eine Krippengruppe vorgesehen – nun könnten es insgesamt vier oder fünf werden. „Es gibt einen großen Bedarf an Betreuungsplätzen. Vom Jugendhilfeausschuss und von der Stadt haben wir deshalb bereits ein positives Signal für die Erweiterung unserer Pläne bekommen“, begründet Gebbe.

Kita am Fröbelweg soll erweitert werden

Zusätzliche Krippenplätze sollen auch in der Kita der ev.-luth. St.-Pankratius-Gemeinde am Fröbelweg entstehen. In dem Gebäude aus dem Jahr 1968 müssen die Elektrik erneuert und das Flachdach saniert werden. Außerdem benötigt sie aufgrund der erweiterten Öffnungszeiten einen separaten Schlafraum für die Krippe und eine größere Cafeteria für die Kindergartenkinder. Den Umbau wollen Stadt und Kirchengemeinde nutzen, um die Zahl der Krippenplätze auf 30 zu verdoppeln. Die beiden Kindergartengruppen mit zusammen 50 Plätzen sollen unverändert bestehen bleiben.
Die St.-Pankratius-Gemeinde als Trägerin wird die erforderlichen Baumaßnahmen in Eigenregie realisieren. Die Investitionskosten will die Stadt Burgdorf über einen Mietvertrag refinanzieren, den sie für 30 Jahre mit der Gemeinde abschließt.
In den vergangenen 50 Jahren seit ihrer Gründung wurde die Kita Fröbelweg bereits mehrfach erweitert, um den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Ursprünglich war sie als Halbtagseinrichtung konzipiert gewesen. Im Laufe der Zeit entwickelte sie ein Ganztagsangebot, weshalb beispielsweise ein Bewegungsraum geschaffen und ein Gruppenraum vergrößert wurde. 2008 kam zusätzlich zum Kindergarten die Krippe hinzu, die ihre Betreuungszeiten mit den Jahren dann ebenfalls ausgeweitet hat.