Stadt baut Notbetreuung aus

„Kinder wir vermissen euch“ steht in bunter Schrift vor dem Freibad-Kindergarten. Nach den Plänen der Landesregierung soll der Regelbetrieb wegen der Corona-Epidemie noch bis zum 1. August ausgesetzt werden.
 
Der Vorsitzende des Stadtkitabeirates Fabian Schwelgin arbeitet seit mehr als zwei Monaten im Home-Office, um seine vierjährige Tochter Solvej zu Hause betreuen zu können. (Foto: privat)

Viele Eltern können ihre Kinder aber voraussichtlich erst Anfang August wieder in die Kita bringen

BURGDORF (fh). Viele Burgdorfer Eltern müssen ihre Kinder auch in den nächsten Monaten komplett zu Hause betreuen. Denn nach den Plänen der Landesregierung sollen die Krippen und Kindergärten erst zum 1. August wieder in den Regelbetrieb gehen. Den Vorgaben und Empfehlungen des Landes entsprechend will die Stadt aber zumindest die Notbetreuung nach und nach ausweiten, bis etwa 40 Prozent der normalerweise verfügbaren Plätze bereitstehen.
Doch aus Sicht von Fabian Schwelgin, dem Vorsitzenden des Stadtkitabeirates, ist das grundsätzliche Problem damit nicht gelöst. „Familien werden in der gegenwärtigen Situation zu wenig berücksichtigt“, kritisiert er. Dieser Vorwurf richte sich aber nicht gegen die Stadt, sondern vor allem gegen die Politik der Landesregierung. „Die aktuellen Anliegen der Eltern in Burgdorf reihen sich in die Sorgen und Nöte von Eltern überall in Niedersachsen ein“, stellt Schwelgin klar.
Er selbst arbeite jetzt bereits seit mehr als zwei Monaten im Home-Office, um seine Tochter Solvej zu Hause zu betreuen. Und weil die Familie die Voraussetzungen für eine Notbetreuung nicht erfülle, könne die Vierjährige voraussichtlich erst wieder im August die Kita besuchen. „Das macht mir ein bisschen Sorgen, weil für sie und für viele andere Kinder nach der langen Pause dann quasi eine neue Eingewöhnungsphase beginnt“, gibt er zu bedenken. Das laste dann vor allem auf den Erziehern.
Denn auch wenn die Notbetreuung deutlich ausgeweitet werden soll, kann sie nur unter ganz bestimmten Bedingungen in Anspruch genommen werden. Wie bisher werden Kinder aufgenommen, wenn Vater oder Mutter in einem Beruf von allgemeinem öffentlichem Interesse tätig sind wie Polizei, Rettungswesen, Krankenhäuser, Pflege, Energie- und Wasserversorgung oder Müllabfuhr. Ist hingegen nur ein Elternteil berufstätig oder kann die Arbeit im Home-Office erledigt werden, steht ihnen kein Betreuungsplatz zu.
Neuerdings können in der Notbetreuung zusätzlich spezielle Gruppen gebildet werden für Kinder mit einer Behinderung beziehungsweise besonderem Förderbedarf, für Kinder mit Sprachförderbedarf sowie für Kinder, die nächstes Jahr schulpflichtig werden. Außerdem berücksichtigt die Stadt Härtefälle, wenn den Eltern beispielsweise Kündigung oder Verdienstausfall drohen oder es ein Risiko für eine Kindeswohlgefährdung gibt.
Im Moment besuchen etwa 45 Kindergartenkinder die Notbetreuung, in Krippe und Hort sind es jeweils rund sieben; die Nachfrage steige kontinuierlich an. Diese Tendenz bestätigt auch Fabian Schwelgin. Als der erste Erlass der Landesregierung Mitte März in Kraft trat, hätten sich viele Eltern mit der Situation arrangiert und sich darauf eingestellt, die Kinder bis Ende April zu Hause zu betreuen. „Doch seit sich abzeichnet, dass der Regelbetrieb voraussichtlich nicht vor August wieder startet, stehen die Eltern vor großen Herausforderungen. Unmut und Frustration haben zugenommen“, schildert er.
Das sei zwar in erster Linie auf die Entscheidungen der Landesregierung zurückzuführen, aber auch die Stadt sehe er in der Pflicht. Dabei bemängelt er vor allem, dass die Verwaltung den Stadtkitabeirat nicht in die Ausgestaltung der Notbetreuung und die Vergabe der Plätze eingebunden habe. „Wir hätten gern aktiv daran mitgewirkt, dass bei der konkreten Umsetzung im gesetzlichen Rahmen auch die Perspektive der Eltern optimal berücksichtigt wird“, argumentiert er.
Auch bei der Kommunikation zwischen Stadt und Eltern bestehe noch Verbesserungsbedarf. Zu Beginn der Krise habe das recht gut geklappt. „Wir haben der Stadt eine ganze Reihe von Fragen zugeschickt und sie hat schnell, umfassend und auch ganz konkret geantwortet“, lobt er. Als dann aber klar wurde, dass der Regelbetrieb noch für weitere Monate ausgesetzt wird, sei von der Stadt zu wenig gekommen, findet er. „Unsere Fragen wurden erst mit einiger Verzögerung beantwortet und vonseiten vieler Eltern wird moniert, dass diese Antworten sehr standardisiert und allgemein wirken und keine konkrete Aussage erkennen lassen“, kritisiert er.
Die Verwaltung arbeite ihre Aufgaben im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie mit Hochdruck ab, heißt es vonseiten der Stadt. Dazu gehöre auch der Kontakt mit den Eltern bezüglich der Kita-Schließungen. So habe sie beispielsweise in Elternbriefen über Entwicklungen hinsichtlich der Notbetreuung informiert. „Eine frühzeitige Kommunikation ist allerdings dann zumindest erschwert oder gar unmöglich, wenn der neue vom Land verabschiedete Verordnungsinhalt freitags verkündet wird und schon am darauffolgenden Montag umgesetzt sein soll“, betont Stadtsprecher Sebastian Kattler. Auch wenn das Land Pläne bereits mit einigem Vorlauf öffentlich verkünde, könne die Stadt erst dann tätig werden, wenn tatsächlich eine Verordnung vorliege.
Der Leiter der städtischen Abteilung für Familien und Kinder Thomas Peest äußert Verständnis für die Nöte der Familien. „Der Stadt Burgdorf ist die Belastung der Eltern bewusst und wie sehr sich die Kinder nach dem gemeinsamen Spiel mit anderen Kindern sehnen“, räumt er ein und lobt: „In den vergangenen Wochen haben Eltern bereits mit großem Engagement an der gemeinsamen Bewältigung dieser für alle neuen und als Gesamtgesellschaft herausfordernden Situation einen großen Beitrag geleistet. Dafür möchte ich mich im Namen der Stadt Burgdorf ausdrücklich bedanken.“
Ein Anmeldeformular für die Notbetreuung der Stadt Burgdorf ist verfügbar auf der Internetseite www.burgdorf.de (Familie und Soziales > Kinderbetreuung > Coronavirus Notfallbetreuung).