Staatssekretär schaut für Landwirte-Zukunft über den „Tellerrand“ hinaus …

Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke referierte im ehemaligen Kuhstall vor rund 70 interessierten Gästen. Darunter auch Gegner der geplanten Biogasanlage in Hülptingsen. (Foto: Georg Bosse)
 
Auf dem Hof von Cord-Heinrich Schweer diskutierten die Gäste die Entwicklungsperspektiven der Landwirtschaft im Allgemeinen und den geplanten Bau einer Biogasanlage in Hülptingsen im Besonderen. (Foto: Georg Bosse)

Von Georg Bosse

BURGDORF/HÜLPTINGSEN. „Entwicklungsperspektiven für landwirtschaftliche Betriebe im Burgdorfer Raum“ sehen sieben der hiesigen Landwirte im Bau einer Biogasanlage in Hülptingsen. Seit Bekanntwerden ihres Vorhabens formiert sich bürgerlicher Widerstand im Dorf, das sich nun in zwei Lager gespalten sieht. In Befürworter und Gegner. Diese waren teilweise auch der Einladung des Burgdorfer CDU-Stadtverbandes gefolgt, der dank guter Kontakte von Parteifreund Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Landtagsabgeordneter aus Lehrte, jetzt Landwirtschafts-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke als Gast zu diesem „brennenden“ Thema in Hülptingsen begrüßen konnte.
Im ehemaligen Kuhstall von Cord-Heinrich Schweer sahen sich der Hausherr sowie CDU-Stadtverbandschef Barthold Plaß (Schillerslage) rund 70 Gästen gegenüber, die an den Ausführungen von Ripke interessiert waren. Unter ihnen war jedoch nicht Harald Baumgarten, der schon vor Wochen öffentlich als heftiger Kritiker der geplanten, mit Mais und Gülle zu befeuernden Biogasanlage aufgetreten war und in Hülptingsen lebt.
Er und andere befürchten starke Geruchsbelästigungen, die Wertminderung ihrer Häuser und Grundstücke, Monokultur sowie weitere Gefährdungen durch den Betrieb der Anlage. Diese Befürchtungen nahm auch Burgdorfs stellvetretende Bürgermeisterin Christa Weilert-Penk (SPD) bei ihrem Zwischenruf auf. Gestank sei ein Störfall, nicht die Regel, bekam sie von Ripke zur Antwort: „Darüber hinaus wäre der Güllegeruch erträglicher als normal. Und die Verwertung tierischer Reststoffe zur Energiegewinnung ist hochinteressant“, so der Staatssekretär aus der Südheide.
Die CDU setze auf eine leistungsfähige Landwirtschaft, die auch ein wichtiger Teil eines harmonischen Dorflebens sein sollte, sagte Barthold Plaß. Zurzeit würden 7,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Niedersachsens zur Energiegewinnung genutzt. Im Burgdorfer Bereich mit insgesamt etwa 4.600 Hektar Ackerfläche werden so auf aktuell etwa 50 Hektar Mais angebaut.
„Lebensqualität im ländlchen Raum ist ein hohes Gut“, betonte Friedrich-Otto Ripke. Um dieses Gut zu schützen, müsse die (weltweit) knappe Nutzfläche intelligent genutzt werden. „Das ist die Aufgabe der Zukunft“, beschrieb der Politiker eine Entwicklung, die „über den Tellerrand“ hinaus betrachtet werden solle.
Dabei müsse unbedingt die Rohstoffgewinnung sowie die Veredelung der Fleischproduktion in Niedersachsen erhalten bleiben und der Nahrungsmittelerzeugung Vorrang eingeräumt werden.
Dazu dienten auch neue Vorgaben im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), die das Einsteigen großer Energiekonzerne in die Biogasproduktion verhindern helfen sollen, um die Bauern nicht zu bloßen Rohstofflieferanten degradieren zu lassen.
Aber wenn alle rechtlichen Bedingungen erfüllt sind, seien Biogasanlagen nur schwer zu verhindern, meinte der Staatssekretär, der den Sättigungsgrad für solche Einrichtungen in Niedersachsen bei 900 bis maximal 1.100 Anlagen beurteilt.
Nicht zu vergessen sei auch, dass niedersächsische Bauern infolge des Strukturwandels und der Globalisierung unter Wettbewerbsbedingungen zu (land-)wirtschaften haben, machte Ripke deutlich. Und weiter: „Gemeinsame Agrarpolitik in Europa ist ohnehin schwer genug.“