Sportler warten auf Sanierung

Johannes Reuter vom SSV-Vorstand wünscht sich eine umfangreiche Sanierung der Schillerslager Mehrzweckhalle.
 
Der Prallschutz an den Wänden ist an mehreren Stellen abgerissen.

Stadt will im Nachtragshaushalt Planungsmittel für die Mehrzweckhalle Schillerslage einstellen

Schillerslage (fh). Der Boden ist mit Laufspuren übersät, der Prallschutz hinter den Toren hängt an mehreren Stellen lose von den Wänden und die Zuschauertribüne ist gesperrt, weil sie die Vorgaben für den Brandschutz nicht mehr erfüllt. Schon seit Jahren steht fest, dass in der Sport- und Mehrzweckhalle in Schillerslage eine umfangreiche Sanierung fällig ist. Bereits 2018 hat die Stadt deshalb ein Gutachten bei einem Architekten in Auftrag gegeben. Doch angesichts der Vielzahl von Baumaßnahmen für Schulen, Kitas und Rathäuser hat sie das Vorhaben immer wieder zurückgestellt.
Nun kommt wieder etwas Bewegung in die Sache: Die Verwaltung hat erste Gespräche mit dem Sport- und Schützenverein (SSV) Schillerslage aufgenommen, der neben der örtlichen Kita und dem Heeßeler SV einer der Hauptnutzer ist. Und im Nachtragshaushalt für 2022 sollen 30.000 Euro für die weitere Planung eingestellt werden. Insgesamt rechnet die Stadt für die Sanierung mit Kosten von deutlich über einer Million Euro. Genauer lasse sich das erst beziffern, wenn konkrete Entwürfe vorliegen.
Laut dem sportlichen Leiter des SSV Johannes Reuter ist die Liste der Mängel lang. „Die Halle wurde über Jahrzehnte gut genutzt und hat ihren Dienst getan. Jetzt ist hier bis auf die Außenmauern einfach alles abgerockt“, fasst er zusammen und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass die Stadt jetzt das nötige Geld in die Hand nimmt, damit wir hier auch in den nächsten 30 bis 40 Jahren mit Freude Sport treiben können!“
Allein schon energetisch müsse dringend etwas passieren. Bis 2015 sorgten nur einfache Heizlüfter für etwas Wärme. Als dann vorübergehend Flüchtlinge in der Halle einquartiert wurden, rüstete die Stadt Heizkörper nach. Sie sind jedoch weit oben an der Wand angebracht, sodass ein Großteil der Wärme entweder durch die unmittelbar darüber liegenden undichten Fenster entweicht oder zur Decke aufsteigt.
Das vergeude nicht nur unnötig viel Energie, sondern es dauere auch unheimlich lange, bis die Temperatur auch in Bodennähe etwas steige. „Jetzt im Winter wird es hier kaum wärmer als 13 Grad. Das ist vor allem für Gymnastik und Yoga zu kalt. Aber auch für die Bogenschützen ist das grenzwertig“, so Reuter. Die Beleuchtung entspreche ebenfalls nicht mehr dem technischen Standard.
Dieser Thematik will sich die Stadtverwaltung nach eigenem Bekunden annehmen. „Es sind umfangreiche Sanierungen erforderlich, mit dem Ziel einen guten Energieeffizienzstandard zu erzielen“, teilt Stadtsprecher Sebastian Kattler auf Anfrage des Marktspiegels mit.
Im ersten Schritt solle aber die Empore instandgesetzt werden. Um sie überhaupt wieder nutzen zu können, müsse in jedem Fall eine zusätzliche Treppe gebaut werden. Denn bisher hat sie nur einen Zugang – nach aktuellen Brandschutzbestimmungen sei ein zweiter Rettungsweg aber zwingend erforderlich. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte werde ein Architekt mit der entsprechenden Planung beauftragt. Da die neue Treppe genehmigungspflichtig sei, könne die Maßnahme dann aber erst im Laufe des Jahres 2023 umgesetzt werden.
Der SSV wünscht sich indes nicht nur einen zweiten Rettungsweg, sondern auch einen Umbau der Empore. Bisher wurde sie vorwiegend als Tribüne genutzt. Die Sportler schlagen vor, dort oben stattdessen zusätzliche Trainingsräume zum Beispiel für Yoga und Gymnastik einzurichten. Das habe gleich mehrere Vorteile: Separate Räume ließen sich deutlich schneller und effizienter heizen, um auch für diese Sportarten eine angenehme Temperatur zu erreichen. „Außerdem könnten wir dadurch in der Halle zusätzliche Kapazitäten für andere Sportarten schaffen. Unsere Hallenzeiten sind äußerst knapp bemessen“, so Reuter.
Die Stadt will nach eigenem Bekunden einen Arbeitskreis einrichten, in dem der SSV und die anderen Nutzer ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen und ein Konzept für die Empore entwickeln können. Bereits für März ist ein erstes Treffen geplant. Was davon tatsächlich umgesetzt wird, solle allerdings erst später in einem Pflichtenheft festgelegt werden.
Der Ortsrat Schillerslage unterstützt das Anliegen des Vereins und hat bei seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einem entsprechenden Antrag von FDP-Ortsratsfrau Silke Gawlik zugestimmt. Demnach solle die Verwaltung nicht nur zeitnah die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen umsetzen, sondern auch den Umbau der Empore für Gymnastik und Gesundheitsport ins Auge fassen. Ortsbürgermeister Cord Reißer (CDU) stimmte gegen den FDP-Antrag. „Die Verwaltung ist inzwischen aktiv geworden. Deshalb hätte es jetzt nicht noch einen Beschluss unsererseits gebraucht“, begründet er.
Gawlik widerspricht dieser Einschätzung. Schon seit Jahren gebe es immer wieder gute Absichtserklärungen, ohne dass es vorangehe. „Als die Stadt die Halle 2015 vorübergehend für den Vereinssport gesperrt hat, um sie als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, hat der damalige Bürgermeister Alfred Baxmann versprochen, sie im Gegenzug danach umfangreich zu sanieren“, erinnert die Ortsratsfrau.
Doch seit die letzten Flüchtlinge im Sommer 2016 ausgezogen seien, habe sich nicht viel getan. Später habe die Verwaltung dann zugesagt, Ende 2020 einen Vorschlag für die Umgestaltung der Tribüne vorzulegen. Doch auch das sei bis heute nicht erfolgt. Deshalb sei es ihr wichtig, das Thema mit ihrem Antrag nun wieder in die politische Diskussion in den Ratsgremien einzubringen.