Spannende Hintergründe über den Fall „Fritz Haarmann“

Führung am 20. Januar durch das Burgdorfer Stadtmuseum

BURGDORF (r/jk). In einer Rangliste der berüchtigsten Massenmörder würde Fritz Haarmann sicher eine vordere Position einnehmen. Obwohl über 80 Jahre nach dessen Taten vergangen sind, übt die Geschichte des niedersächsischen Serienkillers eine unverändert makabere, Gänsehaut erzeugende Faszination aus.
Die Ausstellung „Polizeimuseum“, die der VVV und die Stadt Burgdorf in Zusammenarbeit mit dem Polizeimuseum der Polizeiakademie Niedersachsen bis zum 27. Januar 2013 im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) zeigen, widmet einen umfangreichen Ausstellungsabschnitt dem Fall „Haarmann“. Dabei treten auch viele bislang wenig bekannte Hintergründe zutage, die u.a. Haarmanns Rolle als Polizeispitzel oder die Existenz eines bis 1975 lebenden Komplizen bei der Leichenbeseitigung umfasst.
Als Reaktion auf das große Publikumsinteresse lädt der VVV am Sonntag, 20. Januar, ab 14.00 Uhr zu einer weiteren Führung durch den Haarmann-Abschnitt der Ausstellung ein. Dr. Dirk Götting von der Polizeiakademie Niedersachsen begibt sich mit den Teilnehmern auf eine Zeitreise in das Hannover der 1920er Jahre. Schädel- und Knochenfunde in der Leine, die auf eine brutale Mordserie hindeuteten, leiteten in den Frühsommertagen des Jahres 1924 eine fieberhafte Suche nach einem geisteskranken Täter ein. Alle Opfer stammten aus der hannoverschen Homosexuellenszene und waren grausam verstümmelt.
Nur durch Foltermethoden gelang es den Ermittlungsbehörden, den ins Visier der Ermittler geratenen, vorbestraften hannoverschen Altwarenhändler Fritz Haarmann als Schuldigen zu überführen. Beim anschließenden Mordprozess verhängten die Richter die Todesstrafe, zu deren Vollzug es im April 1925 kam. Ob Haarmann die Getöteten auch zu Wurstkonserven verarbeitete, ließ sich nicht mehr eindeutig klären.
Dirk Götting wirft in seiner Führung auch ein kritisches Schlaglicht auf die unrühmliche Rolle der hannoverschen Polizei, die nach dem Bekanntwerden ihrer radikalen Verhörprozeduren unter den starken Druck der Öffentlichkeit geriet. Besondere Empörung löste die Nachricht aus, dass die Polizei Haarmann als Spitzel eingesetzt hatte, obwohl er als Sexualstraftäter und Kleinkrimineller erfasst war. Vorwürfe erklangen, dass die Polizei erste Hinweise auf Haarmanns Täterschaft und eingehende Vermisstenanzeigen nicht ernst genug genommen hätte. Das Innenministerium in Berlin reagierte mit der Einsetzung einer Untersuchungskommission. Als Folge des Falls „Haarmann“ kam es zu einem langsamen Umdenken in den Polizeiapparaten, die nun eine bürgernähere Position einzunehmen begannen.