Spannende Geschichten über Burgdorfer Straßennamen

Karl-Ludwig Schrader, Gerhard Bleich, Dieter Heun, Thomas Pötsch, Heinz Neumann und Alfred Baxmann stellen das Buch „Die Straßennamen in Burgdorf – Herkunft, Bedeutung, Geschichte“ vor. (Foto: VVV Burgdorf)

Stadtgeschichtliche Publikation von Dieter Heun ist erschienen

BURGDORF (r/jk). Seit Anfang Februar gehört die bis zum 27. März im Stadtmuseum zu sehende Ausstellung „Burgdorf schreibt Geschichte“ zu den Publikumsmagneten. Dazu passend ist jetzt das Buch „Die Straßennamen in Burgdorf – Herkunft, Bedeutung, Geschichte“ von Dieter Heun erschienen, das der VVV mit Unterstützung von Stadtsparkasse Burgdorf und Stadtmarketing Burgdorf präsentiert. Die limitierte Auflage ist bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, und im Stadtmuseum während der Öffnungszeiten zum Preis von 9 Euro erhältlich. VVV-Mitglieder zahlen nur 8 Euro.
Hinter der umfangreichen Dokumentation steht die mehr als einjährige Recherchetätigkeit des Burgdorfer Hobbyfotografen und Freizeithistorikers Dieter Heun, der bereits als Mitautor der „Zeitgeschichtlichen Hefte“ und der „Burgdorfer Döneken“ fungierte. In monatelangem, intensivem Quellenstudium hat er die Herkunft aller rund 500 Straßennamen der Stadt untersucht und dabei viele und teils verblüffende Informationen über die Hintergründe ihrer Bezeichnungen gewonnen.
Manchen Straßennamen, die zu Spekulationen über ihre Herkunft Anlass gegeben haben, weist Heun eine plausible Deutung zu. So identifiziert er bei der zum Bahnhof führenden Theodorstraße den im 19. Jahrhundert lebenden Vorsitzenden des Bürgervorsteherkollegiums, Theodor Klauke, als wahrscheinlichsten Namensgeber. Die Bezeichnung der Louisenstraße führt er entgegen teils anders lautender bisheriger Vermutungen auf Louise Rougemont zurück, die 1795 den Burgdorfer Apotheker Wackenroder geheiratet hatte. Auch für die Heinrichstraße und die Petersstraße stellt Heun fest, dass frühere Annahmen über die Herkunft der Straßennamen nicht zutreffen.
Er räumt in seinem Buch ferner mit verbreiteten Irrtümern über die Herleitung Burgdorfer Straßennamen auf, etwa zum Duderstädter Weg (der ist nicht nach der Stadt Duderstadt im Eichsfeld benannt), zur Rolandstraße (sie hat nichts mit dem Ritter Roland zu tun) oder der Knickstraße, die nicht deshalb diesen Namen trägt, weil sie zweimal fast rechtwinklig abknickt. Heun klärt die Frage, warum die Bergstraße so heißt, wo doch in ihrer Nähe – am östlichen Ende der Marktstraße – weit und breit kein Hügel zu sehen ist. Und er gibt Erläuterungen für amüsante Straßennamen wie etwa den „Hühnergarten“ in Hülptingsen und „Scheibenbier“ in Weferlingsen.
Das über 200 Seiten umfassende Werk berichtet auch von der allgemeinen Geschichte der Straßenbenennung, die die Behörden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts systematisch eingeführt haben. Vorher war eine einfache Durchnummerierung der Grundstücke und Häuser als ausreichend angesehen worden. Zu den wenigen Straßen, deren Bezeichnung schon aus dem 16. und 17. Jahrhundert überliefert ist, gehören der Steinweg (die heutige Marktstraße), die Hinterstraße (die heutige Schmiedestraße), die Wallstraße und der Wächterstieg.
Seit einigen Wochen laufen bereits die Vorbereitungen zur Ausstellung „Wer ist Theodor? - Burgdorfer Straßennamen“. Sie lädt zu einer Entdeckungsreise durch bekannte Burgdorfer Straßen ein und wird vom 27. August bis 30. Oktober 2011 im Stadtmuseum zu sehen sein.