Sonne lockt in die Burgdorfer City

Entspannt bummeln die Besucher über die Marktstraße.
 
Ralf Schwarz und sein Enkel Paul schauen sich an einem Flohmarktstand Lego-Modelle an.

Beim verkaufsoffenen Sonntag bummeln Besucher entspannt durch die Innenstadt und stöbern an den Flohmarktständen auf dem Spittaplatz

Burgdorf (fh). Mit einer großen Playmobil-Schachtel klettern Tristan und Jannes auf den Brunnen mitten auf dem Spittaplatz: Wicken Thies hält ihnen geduldig seine bronzenen Finger entgegen, sodass die beiden zwölfjährigen Jungen den Karton mühelos daran befestigen können. "Nur heute 55 Euro", haben sie darauf geschrieben, um Werbung für ihre Flohmarktstände zu machen.
Ihre Standkarten haben die beiden recht spontan von Freunden übernommen, die aufgrund einer Corona-Infektion in Quarantäne sind, erzählen sie. "Das hat sich erst vor zwei Tagen ergeben. Wir haben dann noch schnell etwas zusammengesucht, das wir verkaufen können, vor allem altes Kinderspielzeug", berichtet Jannes. Gelohnt habe es sich allemal. "Wir haben heute schon eine ganze Menge verkauft, unter anderem ein Fahrrad", sagt Tristan stolz.
Eigentlich hätte am vergangenen Wochenende das traditionelle Stadtfest Oktobermarkt stattfinden sollen. Doch wegen der Corona-Epidemie musste der Verkehrs- und Verschönerungsverein das umfangreiche Bühnenprogramm und all die anderen kleinen und großen Veranstaltungen drumherum absagen. Einzig der verkaufsoffene Sonntag und der Flohmarkt konnten unter entsprechenden Auflagen stattfinden.
Aber auch wenn sich nicht solche Menschenmassen durch die Innenstadt schoben, wie sonst beim Oktobermarkt, zeigten sich die Händler zufrieden. "Wir haben sogar etwas mehr Umsatz gemacht als im vergangenen Jahr", sagt Buchhändlerin Gaby Frey. Und auch Martin Polch vom gleichnamigen Schuhaus zieht eine positive Bilanz: "Es ist schön entspannt. Wir haben eine gute Frequenz, aber keinen Tumult", sagte er. Die Zahl der Kunden sei vielleicht etwas geringer, als bei verkaufsoffenen Sonntagen in anderen Jahren, bewege sich aber in einer ähnlichen Größenordnung.
Da habe ihnen auch das sonnige und vergleichsweise warme Wetter in die Hände gespielt. "Es lädt zum Bummeln ein", freute sich Polch. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte es in den Tagen vorher allerdings ruhig schon etwas herbstlicher sein können. "Schließlich steigt die Nachfrage nach wärmenden  Herbst- und Winterschuhen, nachdem alle zum ersten Mal etwas gefroren haben", sagt er mit einem verschmitzten Grinsen.
Auch viele andere Geschäfte an der Hannoverschen Neustadt, der Marktstraße sowie der Braunschweiger und Poststraße waren gut besucht. Obwohl wegen der Corona-Epidemie nur eine begrenzte Kundenzahl zugelassen war, kam es dabei aber nur selten zu Wartezeiten. Lediglich vor dem Stadtmuseum an der Schmiedestraße bildet sich zwischenzeitlich eine längere Schlange, weil viele Familien einen Blick in die Ausstellung "Raumschiffwelten aus Lego-Bausteinen" werfen wollten.
Die Lego-Modelle an den Flohmarktständen auf dem Spittaplatz konnte der vierjährige Paul indes ganz in Ruhe inspizieren, ohne vorher anzustehen. "Am liebsten hätte er natürlich alles", sagt sein Opa Ralf Schwarz mit einem Augenzwinkern. "Ja", ruft Paul und nickt begeistert. Am besten gefalle ihm aber der große blau-weiße Polizei-Hubschrauber, schiebt er nach.
Insgesamt luden in diesem Jahr 75 Flohmarktstände zum Stöbern ein. Wegen der Corona-Epidemie waren sie nicht wie sonst in den Altstadtgassen verteilt, sondern auf dem Spittaplatz rund um die St.-Pankratius-Kirche aufgebaut: Auf dem abgesperrten Veranstaltungsgelände mussten die Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Außerdem wurden am Eingang ihre Kontaktdaten erfasst und ein Eintrittsgeld erhoben.
Flohmarktverkäuferin Carola Lobback hatte nach eigener Aussage befürchtet, dass all diese Vorgaben und vor allem der Eintrittspreis viele abschrecken könnten. "Ich bin erstaunt und freue mich, dass trotzdem so viele Besucher gekommen sind", resümiert sie. Normalerweise habe sie regelmäßig einen Stand auf den CDU-Flohmärkten. "Aber die finden in diesem Jahr wegen der Corona-Epidemie gar nicht statt", sagt sie. Deshalb verkaufe sie jetzt zum ersten Mal bei dem Flohmarkt des VVV. "Weil mir die Standmiete hier eigentlich etwas zu teuer ist, teile ich mir jetzt einen Tisch mit einer Freundin", so Lobback.
Ganz abgesehen von den Corona-Auflagen seien die Verkäufer zu Beginn der Veranstaltung auch noch mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert gewesen. "Es gab solche Sturmböen, dass ein paar Tische durch die Gegend geflogen sind", berichtet Lobback. Dabei sei einiges zu Bruch gegangen und sogar ein Auto habe ein paar Schrammen abbekommen. Sie selbst hatte hingegen wenig Zerbrechliches im Angebot, sondern vor allem gebrauchte Kleidung und Taschen. Und so konnte sie nachmittags eine positive Bilanz ziehen: "Es hat sich gelohnt. Ich bin einiges los geworden."
Dem schließt sich auch Standbetreiber Tilman Mylios an, der eine große Auswahl an Büchern und Comics, aber auch einige Briefmarken mitgebracht hatte. Er sei schon seit vielen Jahren beim Flohmarkt Anfang Oktober in Burgdorf vertreten. "Ich habe gar nicht zu hoffen gewagt, dass er auch in diesem Jahr stattfindet", sagt er. Schließlich sei das für die Veranstalter wegen der Corona-Auflagen deutlich aufwendiger als sonst und mit zusätzlichen Risiken verbunden. Für das Hygienekonzept fand er lobende Worte: "Das ist richtig toll organisiert. Es läuft alles reibungslos!", so sein Fazit.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch der zwölfjährige Jannes, der das Geschehen von seinem erhöhten Posten auf dem Wicken-Thies-Brunnen aus beobachtete. "Ich finde, das ist gut geregelt. Es macht nicht den Anschein, als ob es hier ein Durcheinander gibt!", zeigte er sich zufrieden.