Sommerpause für die Kitas

Andreas Meyer (von links) von der CDU, Rüdiger Nijenhof von den Freien Burgdorfern und Arne Hinz von der SPD zählen die Stimmzettel der geheimen Abstimmung aus.

Ab 2022 sollen die städtischen Einrichtungen jedes Jahr zwei Wochen am Stück schließen

Burgdorf (fh). In den Burgdorfer Kitas soll es künftig eine zweiwöchige Sommerpause geben – das haben die Politiker bei der jüngsten Ratssitzung beschlossen. In der Debatte sprach sich die SPD für die Sommerschließzeit aus; CDU, FDP und Freie Burgdorfer hielten dagegen. Entschieden wurde dann aber nicht per Handzeichen, sondern in geheimer Abstimmung mit Hilfe von Wahlzetteln. Dieses Verfahren hatte die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern zuvor gegen den Willen der Opposition durchgesetzt. „Das ist schade. Es wäre fair gewesen, offen zu zeigen, wer wie abstimmt“, kritisierte CDU-Ratsherr Mirco Zschoch. Letztlich wurden 17 Ja- und 14 Nein-Stimmen abgegeben, Enthaltungen gab es nicht. Die 19 anwesenden Mitglieder der Mehrheitsgruppe votierten demnach nicht geschlossen für die Sommerpause.
Die Elternvertreter des Stadtkitabeirates lehnen die Sommerschließzeit ab und hatten in den zurückliegenden Wochen und Monaten versucht, die Politiker noch umzustimmen. In zwei Punkten ist die Mehrheit ihnen jetzt entgegengekommen: In der Verwaltungsvorlage war vorgesehen, die Sommerpause bereits 2021 einzuführen – nun soll sie auf Vorschlag der SPD erst 2022 kommen. Außerdem ist nach drei Jahren eine Evaluation vorgesehen, um positive und negative Auswirkungen und die Akzeptanz der Schließzeit zu bewerten.
Der Vorsitzende des Stadtkitabeirates Fabian Schwelgin zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht. „Wir nehmen das Ergebnis mit Bedauern zur Kenntnis“, kommentierte er am Rande der Sitzung. Die beiden Änderungen wertete er dennoch positiv. „Wir sind froh, dass die Schließzeit zumindest erst 2022 kommt. Das gibt den Eltern Planungssicherheit“, sagt er. Und auch die Evaluation sei eine gute Idee. Er kündigte an, dass der Stadtkitabeirat die Umsetzung in den drei Jahren kritisch begleiten werde und sich auch einbringen wolle, um objektive Bewertungskriterien zu entwickeln. „Ich hoffe, dass die Politiker dann auch die Traute haben, ihren Beschluss wieder rückgängig zu machen, wenn er sich als Fehler herausstellt“, sagte Schwelgin gegenüber dem Marktspiegel.
Auch die lange und kontroverse Debatte im Rat bezeichnete er als Erfolg. „Wir haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten unseren Standpunkt intensiv erklärt und damit viele Politiker zum Nachdenken gebracht“, zeigt sich der Vorsitzende des Stadtkitabeirats überzeugt. Die Elternvertreter hatten argumentiert, dass die Kitas schon jetzt an zehn bis elf Tagen pro Jahr schließen, beispielsweise zwischen Weihnachten und Neujahr sowie für Fortbildungen, Personalversammlung und Betriebsausflug. Zusammen mit der Sommerpause gebe es künftig 20 bis 21 Schließtage. Das sei im Verhältnis zum gesetzlichen Urlaubsanspruch zu viel. Außerdem müssten die Familien ihre Reisen dann in die besonders teuren Sommerferien legen. Das gleiche gelte auch für die Erzieherinnen und Erzieher, sofern sie nicht in der Notbetreuung zum Einsatz kämen.
Im Bezug auf den letzten Punkt wandte die SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann ein, dass der Personalrat der Sommerschließzeit zugestimmt habe. Zunächst hatte die Stadt drei Wochen geplant, doch dem stimmte die Mitarbeitervertretung nicht zu. Als Kompromiss habe man sich dann auf zwei Wochen geeinigt, so Gersemann. Ihre Parteikollegin Birgit Meinig, ihrerseits pädagogische Leiterin der Kindertagesstätten des Kirchenkreises Burgdorf, argumentierte, dass Kinder ein Recht auf Erholung vom Kita-Alltag hätten. Die Sommerpause gebe dem Kita-Jahr außerdem Struktur: „Kinder und Erzieher könnten so den Abschluss vor der Schließzeit bewusst gestalten und hinterher erholt in die Einrichtung zurückkehren“, so Meinig. Und weil damit bereits ein nennenswerter Anteil ihres Jahresurlaubs abgegolten sei, seien die Erzieher außerhalb dieser Zeit seltener abwesend. „So gibt es mehr Kontinuität und Verlässlichkeit für die Kinder und weniger personelle Engpässe“, warb die SPD-Ratsfrau. In vielen anderen Kommunen und bei den Kitas der freien Träger in Burgdorf gebe es bereits eine solche Schließzeit.
Auch der Stadtkitabeirat hatte betont, dass eine Pause von der Kita wichtig sei – das sei aber auch ohne Sommerschließzeit gewährleistet. In einer anonymen Umfrage hätten etwa 84 Prozent der befragten Elternteile angegeben, dass ihr Kind mehr als 15 Tage pro Jahr „kitafrei“ habe, bei fast 70 Prozent seien es sogar mehr als 20 Tage. Schwelgin hatte dafür plädiert, es den Familien anheim zu stellen, wann sie sich die Auszeit nehmen wollen und das nicht für alle einheitlich vorzugeben. Gersemann und Meinig verwiesen hingegen auf eine Erhebung der städtischen Kita in Otze. Dort hätten innerhalb eines Jahres 46 Prozent der Kinder nicht zwei Wochen am Stück Urlaub gehabt.
In einem Punkt waren sich letztlich alle einig: Die Datenlage sei auf beiden Seiten viel zu dünn und deshalb keine sichere Entscheidungsbasis. Das soll sich durch die Evaluation ändern. Außerdem fordern die Politiker, dass bis 2022 in allen städtischen Kitas die Urlaubszeiten der Kinder erfasst werden.
Was der SPD in der Debatte außerdem wichtig war: Die Eltern würden nicht im Stich gelassen. Denn die Stadt richte für die Schließzeit eine sogenannte Sommer-Kita ein. Diese Notbetreuung können Eltern in Anspruch nehmen, die in den zwei Wochen keinen Urlaub bekommen. Dafür müssen sie eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers vorlegen. Außerdem will die Stadt Notfälle berücksichtigen, beispielsweise wenn die Eltern kurzfristig erkranken. Insgesamt besuchen derzeit rund 700 Kinder die acht städtischen Kitas, für 110 von ihnen soll ein Platz in der Notbetreuung vorgehalten werden. Falls es nötig erscheine, könne das aber noch aufgestockt werden. Aus pädagogischen Gründen werde die Notbetreuung allerdings nur für Kindergarten-, nicht aber für Krippenkinder angeboten.
Ursprünglich war der Vorschlag für die Sommerschließzeit übrigens im Zuge der Haushaltskonsolidierung eingebracht worden. Die Stadt sah darin eine Möglichkeit, rund 280.000 Euro jährlich einzusparen. Doch durch die Verkürzung auf zwei Wochen und die umfangreiche Sommer-Kita bleibe davon nicht mehr viel übrig. Letztlich ergebe sich noch eine Ersparnis von etwa 90.000 Euro. Dieses Geld solle aber nicht eingespart werden, sondern in eine Verbesserung der Betreuungssituation und die Steigerung der personellen Kontinuität investiert werden.