„So viele schöne Erinnerungen“

Christel und Hermann Wöhler sind seit 70 Jahren verheiratet.

Nach 70 Jahren Ehe haben Hermann und Christel Wöhler jetzt ihre Gnadenhochzeit gefeiert

Ramlingen (fh). In ihren ersten gemeinsamen Erinnerungen sitzen Hermann und Christel Wöhler zusammen auf dem Fahrrad – er auf dem Sattel, sie hinter ihm auf dem Gepäckträger. „Ich musste nach Feierabend sonst zu Fuß von Ehlershausen nach Ramlingen laufen und da hat er mich manchmal mitgenommen. So haben wir uns kennengelernt“, erinnert sich Christel Wöhler. Spätestens als sie ihn dann zu ihrem 17. Geburtstag einlud, hat es zwischen den beiden gefunkt. Sie wurden ein Paar und vor 70 Jahren, am 5. Mai 1951, gaben sie sich das Ja-Wort. „Seitdem sind wir immer zusammen“, sagt Hermann Wöhler.
Er ist heute 92 und seine Frau 90 Jahre alt. Am vergangenen Mittwoch haben die beiden ihre Gnadenhochzeit gefeiert. „Wir hätten gern Familie und Freunde eingeladen und ein großes Fest gegeben, so wie bei unserer Silbernen, Goldenen und Diamantenen Hochzeit. Darauf müssen wir wegen der Corona-Epidemie nun verzichten“, sagt Christel Wöhler und in ihrer Stimme schwingt Bedauern mit. Doch ihre Miene hellt sich schnell wieder auf, als sie auf die vergangenen 70 Jahre mit ihrem Mann zurückblickt. „Wir teilen so viele schöne Erinnerungen. Oft unterhalten wir uns darüber, was wir früher alles erlebt haben“, sagt die 90-Jährige.
Über viele Jahre haben sie gemeinsam im Ramlinger Chor Lyra gesungen. „Das war eine tolle Gruppe. Wir hatten nicht nur beim Singen viel Spaß, sondern haben uns auch immer schon auf das Nachsingen gefreut“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Denn nach der Probe ließen sie den Abend oft noch bei einem der Mitglieder ausklingen. „Am schönsten war es natürlich, wenn gerade jemand geschlachtet hatte und jemand anderes vielleicht noch frisch gebackenes Brot beisteuern konnte“, erinnert sie sich. Selten seien sie dann vor Mitternacht auseinander gegangen.
Irgendwann habe ihnen zwischen Familie und Arbeit die Zeit dafür gefehlt. Denn beide haben ihren Beruf im Laufe der Jahre gewechselt und sich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt. Hermann Wöhler machte als Jugendlicher zunächst eine Friseurlehre, arbeitete aber nur wenige Jahre in einem Salon. Anschließend war er zwölf Jahre beim Erdölunternehmen Gewerkschaft Elwerath in Nienhagen tätig und fuhr danach bis zum Eintritt in den Ruhestand 19 Jahre lang für Eduscho Kaffee aus. „Ich musste morgens um 3.15 Uhr aufstehen und war dann bis 17 Uhr unterwegs. Im Monat habe ich rund 6000 Kilometer zurückgelegt“, blickt er zurück. Seine Frau hatte zunächst als Haushälterin gearbeitet, wechselte aber schließlich zur Post, wo sie auch verbeamtet wurde. „Ich habe Briefe ausgetragen und hatte Schalterdienst“, erinnert sich Christel Wöhler.
1988 gingen dann beide in Frührente, vor allem um für ihre Enkel da sein zu können. Denn die Familie stand für beide immer an erster Stelle. Sie haben drei Söhne, vier Enkel und drei Urenkel. „Und irgendwie sind alle ein Stück weit auch hier bei uns aufgewachsen“, sagt Hermann Wöhler. Eigentlich habe es nie eine Zeit ohne Kinder im Haus gegeben. „Unser jüngster Sohn war gerade zwölf Jahre alt, als unsere erste Enkeltochter zur Welt kam“, blickt er zurück. Oft habe er die Enkel mit dem Bollerwagen im Dorf spazieren gefahren. Und sie seien auch gern zu ihm auf den Fußballplatz zu den Spielen des RSE gekommen, wo er ehrenamtlich im Kassenhäuschen saß. „Wenn ich mit dem Kassieren fertig war, gab es für jeden eine Mark für eine bunte Tüte“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Doch so sehr sie jederzeit für die Familie da waren, so haben sie sich doch auch Zeit für sich genommen. „Schon als unsere Söhne noch klein waren, sind wir auch mal zu zweit verreist. Wir waren zum Beispiel auf den Kanaren und auf Schiffsreise, während zu Hause die Oma auf die Kinder aufpasste“, erinnert sich Christel Wöhler. Im Ruhestand haben sie dann regelmäßig an den Fahrten teilgenommen, die die Post für die Senioren organisierte. „Das war wunderbar, wir mussten uns um nichts kümmern und konnten einfach genießen“, sagt die 90-Jährige. Auf diese Weise hätten sie mit dem Bus fast ganz Deutschland kennengelernt.
Und auch das Radfahren, das sie einst gewissermaßen zusammengebracht hatte, entdeckten sie später als gemeinsames Hobby. Mit dem Fahrrad-Club Ramlingen gingen sie viele Jahre lang fast jeden Donnerstag auf Tour. „Als wir alle älter wurden, mussten wir das irgendwann aufgeben, aber bis zum Beginn der Corona-Epidemie haben wir uns noch regelmäßig einmal im Monat mit zehn oder elf Personen aus der Gruppe in der Gastwirtschaft getroffen“, erzählt Hermann Wöhler.
Und haben sie ein Geheimrezept für ihre lange Ehe? Christel Wöhler überlegt kurz, lächelt ihren Mann schelmisch an und sagt: „Vielleicht dass er immer gemacht hat, was ich wollte.“ Dann fügt sie ernster hinzu: „Es war immer ein harmonisches Miteinander auf Augenhöhe. Wir haben uns auch mal ordentlich gefetzt, aber uns dann auch wieder schnell vertragen.“