So schief wie das Original

Die ersten Fragmente des Fachwerks stehen wieder. Im Moment werden sie noch mit hellen Holzleisten abgestützt.
 
Diplomingenieur Karsten Gerold stellt sein Vorgehen beim Wiederaufbau des Alten Försterhauses im Bauausschuss vor.

Eigentümer und Architekt wollen sich beim Wiederaufbau des Alten Försterhauses exakt an das historische Vorbild halten

BURGDORF (fh). Die Vorarbeiten sind abgeschlossen und die ersten Holzbalken stehen wieder: Der Architekt Karsten Gerold hat im Auftrag des Eigentümers Bisar Duran damit begonnen, das Alte Försterhaus an der Immenser Straße wieder aufzubauen. Dabei will er sich exakt an das historische Vorbild halten. "Unser Grobziel ist, dass wir in einem Jahr fertig sind. Aber genau lässt sich das noch nicht abschätzen", sagt Gerold. Auch weil er jeden einzelnen Arbeitsschritt mit der Denkmalpflege abstimme. "Ich behandele es wie ein Baudenkmal und nicht wie einen Neubau", betont der Architekt.
Im Juni 2018 war das alte Fachwerkhaus vollständig abgebrannt. Die Polizei ging damals von Brandstiftung aus; die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen aber ohne Ergebnis ein. Bereits am Tag nach dem Feuer hatte Duran dem Marktspiegel gegenüber angekündigt, das Haus wieder originalgetreu aufbauen zu lassen. Daran hält er trotz aller Widrigkeiten fest.
Mit Gerold hat er einen Architekten an der Hand, der sich dem historischen Vorbild in hohem Maß verpflichtet fühlt. Und zwar so sehr, dass er dafür sogar auf rechte Winkel verzichtet. "Das alte Haus war ja nicht ganz gerade. Vielleicht einfach, weil sie es damals nicht besser hinbekommen haben" erläutert Gerold. Deshalb habe er alle Winkel des Originals ausgemessen. "Wir werden es also wieder genauso schief aufbauen, wie es war", verspricht er.
Außerdem versuche er, soviel wie möglich von der historischen Bausubstanz zu erhalten. Die Überreste des Fachwerks habe er zunächst abgebaut, sortiert und alle Balken mit römischen Ziffern versehen, um sie später wieder an ihrem ursprüngliche Platz verbauen zu können. Etwa die Hälfte der Balken seien noch verwendbar. "Ich habe sie sorgfältig gereinigt und sie von den alten Nägeln befreit, die dort im Laufe der Jahrhunderte hineingeschlagen worden waren", so Gerold. Die andere Hälfte des Fachwerks sei so stark beschäftigt, dass es durch neue Holzbalken ersetzt werden müsse, die vom Querschnitt her aber exakt den alten glichen.
Doch bevor er damit beginnen konnte, sie wieder aufzustellen, seien umfangreiche Bodenuntersuchungen nötig gewesen. "Wir mussten sicherstellen, dass sich dort durch den Brand keine Giftstoffe abgelagert haben", begründet Gerold. Aber auch der Bereich, in dem sich früher eine Gärtnerei befand, sei dabei auf mögliche Altlasten überprüft worden. "Alle Messergebnisse liegen unterhalb der Grenzwerte, sodass die Voraussetzungen für ein Wohngebiet erfüllt sind", versichert der Architekt.
Kaum war das bestätigt, begannen sie mit Sockel und Bodenplatte und anschließend mit dem Fachwerk. Die wenigen Fragmente, die jetzt bereits wieder aufgebaut sind, werden im Moment noch von schmalen, hellen Holzleisten gestützt. "Wenn das gesamte Fachwerkgerüst steht, können sie aber wieder entfernt werden, weil es dann in sich stabil ist", kündigt Gerold an. Dieses Etappenziel will er in etwa zwei Monaten erreichen. Danach komme als nächstes das Dach an die Reihe.
Innen hinter das Fachwerk solle dann noch eine Kalksandsteinmauer gesetzt werden. "Wir brauchen sie nicht für die Standfestigkeit, sondern aus energetischen Gründen, um das Haus besser zu dämmen", betont der Architekt und fügt hinzu: "Die Mauer kommt erst, wenn das Holzgerüst komplett selbsttragend steht." Später werde das Fachwerk dann mit weich gebranntem Klinker ausgemauert und in der gleichen Farbe verputze wie vorher.