So klingt der Ostkreis

Auch der Jazz-Rock-Pop-Chor "Sugar & Salt" sang bei der Ostkreis-Suite kräftig mit.
 
Eine Welt-Uraufführung: Zum Abschluss des Festaktes spielt das Lehrerorchester die Ostkreis-Suite.

Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule / Lehrerorchester und ehemalige Schüler treten auf

BURGDORF (fh). Was wäre ein Geburtstag ohne Ständchen? Noch dazu, wenn das Geburtstagskind die Musikschule Ostkreis Hannover ist!? "Wir waren uns schnell einig, dass das nicht fehlen darf. Aber unser Keyboard- und Klavierlehrer Jochen Pietsch behauptete: Da geht auch mehr", berichtete Musikschule Nana Zeh. Und er hat Wort gehalten: Zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule hat er nicht ein einfaches Ständchen, sondern die Ostkreis-Suite komponiert. "Sie ist so vielfältig wie wir und vereint unterschiedliche Instrumente und Stile zu einem Ganzen", lobt Zeh.
Beim offiziellen Festakt am Samstag im Stadthaus hat das Lehrerorchester dieses besondere Werk uraufgeführt: Der Funke sprang über und am Ende erhoben sich die Zuhörer begeistert von ihren Stühlen und spendeten stehend Applaus. Auch vorher waren ihnen schon eine Reihe ganz besonderer musikalischer Einlagen geboten worden. Zu den Höhepunkten gehörten die Auftritte zweier ehemaliger Schüler, die die Musik mittlerweile zum Beruf gemacht haben: Nora-Louise Müller spielte auf ihrer Klarinette eine moderne Improvisation mit Live-Elektronik und entführte die Zuhörer damit in eine ganz besondere Klangwelt . Als Kind hat sie einst den Unterricht beim stellvertretenden Musikschulleiter Joachim Hunold aufgenommen. Heute hat sie als Konzertklarinettistin und Dozentin Auftritte in Europa und Nordamerika und schreibt zur Zeit ihre Doktorarbeit im Fach Musikwissenschaften.
"Dieses Beispiel zeigt, dass wir in der Musikschule niederschwellige Angebote für alle Kinder mit Spitzenförderung verbinden", betonte Zeh. Ein Gedanke, den auch Gabriele Lösekrug-Möller vom Landesverband niedersächsischer Musikschulen aufgriff. "Der Instrumentenunterricht für Kinder ist wichtig für ihre persönliche Entwicklung, aber auch um Talente zu entdecken", betonte sie in ihrem Grußwort.
Eine besondere Begabung hatte der damalige Direktor der Musikschule, Eberhard Ladewig, auch bei seinem Gitarrenschüler Heiko Weidemann frühzeitig erkannt und gefördert. Jetzt arbeitet Weidemann selbst als Lehrer an einer Musikschule in Münster und gibt als Musiker Konzerte. Auf einer E-Ukulele, gewissermaßen einer "E-Gitarre im Miniaturformat", spielte er beim Festakt im Stadthaus die Filmmusik von "Der Pate." Wieso gerade dieses Stück? "Wenn die Kommunen sich fragen, warum sie die Musikschulen weiterhin fördern sollten, antworte ich Ihnen: Wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können", sagte Weidemann mit einem Augenzwinkern in Anlehnung an das berühmte Filmzitat.
Und worin soll dieses unwiderstehliche Angebot bestehen? Darauf gab der Neurologe Professor Eckart Altenmüller in seinem etwa 20-minütigen Festvortrag "Warum braucht der Ostkreis eine Musikschule?" eine Antwort. Die Musik sei von grundlegender Bedeutung für die menschliche Entwicklung, betonte er. "Wiegenlieder stärken die Eltern-Kind-Bindung, trainieren die Hörfertigkeit und unterstützen den Spracherwerb", so Altenmüller. Instrumentenunterricht fördere später die Feinmotorik, die beidhändige Koordination, Körperhaltung und Bewegungsabläufe. "Schon nach kurzer Zeit werden im Gehirn die Verbindungen zwischen dem Hör- und dem Bewegungszentrum verstärkt", warb er.
Und nicht nur für den einzelnen sei das Musizieren wichtig, auch der Gesellschaft komme es zugute. "Es macht Kinder selbstbewusster und zugleich verträglicher. Und es hilf ihnen, Emotionen anderer schneller zu erkennen und sich einzufühlen", so Altenmüller. Insgesamt vertiefe die Musik die sozialen Kontakte und präge die Atmosphäre in einer Gemeinschaft.
Ein Angebot, das die Ostkreis-Kommunen wohl tatsächlich nicht ablehnen wollen, wie der stellvertretende Burgdorfer Bürgermeister Matthias Paul in seinem Grußwort beteuerte. "Der Musikunterricht hilft, zunächst auf sich selbst zu hören und dann auch auf andere. Das ist lebenswichtig für die Demokratie", befand er. Die öffentlichen Zuschüsse in Höhe von rund 30 Prozent der Gesamtkosten seien deshalb gut angelegtes Geld. Die Trägerkommunen - neben Burgdorf sind das Uetze, Lehrte und Sehnde - wollten an dieser freiwilligen Leistung in jedem Fall festhalten. "Ihr seid gar nicht wegzudenken aus dem Ostkreis. Es braucht deshalb unsere gemeinsame Anstrengung, dass das auch so bleibt", sagte er.